Hamburg : Ärztekammer kritisiert Senat nach Tod eines ungeborenen Babys

Eine Frau verliert nach ihrer Umverteilung von Hamburg nach Burbach ihr ungeborenes Baby. Unklar ist, ob die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge dafür mitverantwortlich ist.

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24. Juni 2015, 14:23 Uhr

Hamburg | Nach dem Tod des ungeborenen Babys einer 20-Jährigen aus Guinea hat Hamburgs Ärztekammerpräsident Prof. Frank Ulrich Montgomery den rot-grünen Senat scharf kritisiert.

Bereits 2010 sei eine Ghanaerin kurz vor Ende der Schwangerschaft zweimal von Hamburg aus in Flüchtlingsheime in Mecklenburg-Vorpommern umverteilt worden und habe ihr Kind tot zur Welt gebracht, erklärte Montgomery am Mittwoch. Nach Intervention der Ärztekammer Hamburg habe der damalige Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) daraufhin entschieden, Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft nicht mehr umzuverteilen. Diese Praxis habe der amtierende Innensenator Michael Neumann (SPD) 2011 jedoch wieder zurückgenommen.

Im aktuellen Fall erhebt die 20-Jährige laut NDR und WDR schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Hamburg-Harburg. Sie sei im Februar von Hamburg in die Flüchtlingsunterkunft Burbach in Nordrhein-Westfalen geschickt worden, obwohl bei ihr eine Risikoschwangerschaft vorlag und Ärzte ihr Bettruhe verordnet hatten. Trotz Protests gegen die Entscheidung sei das Paar nach eigenen Angaben zwölf Stunden mit Regionalzügen bis Dortmund gefahren. Nach der Reise habe die Frau ihr ungeborenes Kind verloren.

In einer Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der Linken heißt es dagegen: „Der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung war lediglich bekannt, dass die Frau schwanger war. Von einem Krankenhausaufenthalt oder Beschwerden haben die Eheleute nichts berichtet.“ Entsprechende Unterlagen seien nicht vorgelegt worden. Auch seien die Eheleute mit der Verteilungsentscheidung einverstanden gewesen. „Es bestand daher keine Veranlassung, von der getroffenen Verteilungsentscheidung abzusehen.“ Daran habe sich auch bis heute nichts geändert, sagte ein Sprecher des Einwohner-Zentralamts am Mittwoch. „Es gibt keine neuen Erkenntnisse.“

Montgomery forderte eine sorgfältige Aufklärung der Vorgänge. Sollte es sich bewahrheiten, dass die Behörde Kenntnis von dem ärztlichen Attest hatte, sei es ein Skandal, dass die Frau trotzdem auf die strapaziöse Reise geschickt worden sei, kritisierte er. Inzwischen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Hamburg. Mit einem sogenannten Todesermittlungsverfahren will die Behörde klären, ob der Tod des Kindes auf Fremdverschulden zurückzuführen ist, sagte eine Sprecherin dem Radioprogramm NDR Info und dem Sender WDR. Mit ersten Ergebnissen sei nicht vor Ende August zu rechnen.

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