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Hamburger Hochbahn : Ab heute ohne „Zurückbleiben, bitte“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Hamburger Hochbahn verabschiedet sich von einer Tradition: Das „Zurückbleiben, bitte“ ist seit heute Vergangenheit. Damit soll das gefährliche „Nachspringen“ in letzter Sekunde reduziert werden.

Hamburg | Für manchen war es der Startschuss zum finalen U-Bahn-Sprint: Wenn am Bahnsteig die Durchsage „Zurückbleiben, bitte“ erklang, nutzten Last-Minute-Fahrgäste dies nicht selten für einen hastigen Sprung in den Waggon auf den letzten Drücker – nicht selten bei schon schließenden Türen. Seit heute Morgen ist Schluss damit. Die Hochbahn schafft die Durchsage ab und beendet damit eine mehr als 100 Jahre alte Gewohnheit. Seit 1911 die ersten U-Bahnen durch Hamburg rollten, hatte stets jemand auf die Abfahrten hingewiesen. Zunächst der Schaffner an der Bahnsteigkante oder der Fahrer, zuletzt eine Stimme vom Band.

Ab heute läuft die Abfertigung an den Haltestellen der vier U-Bahnlinien wie folgt ab: Nach dem Fahrgastwechsel löst der Fahrer per Knopfdruck das Schließen der Türen aus. Es ertönt ein akustisches Warnsignal, gleichzeitig blinken Warnlichter an den Türen. Nach drei Sekunden schließen diese automatisch. So habe es sich bei vielen anderen Schnellbahnen und Regionalbahnen bewährt, sagt Hochbahn-Vorstand Ulrich Sieg. „Mit der Anpassung des Abfertigungsverfahrens an einheitliche Branchenstandards bieten wir noch mehr Sicherheit. Wir gehen davon aus, dass sich das gefährliche 'Nachspringen' deutlich reduziert.“ Außer Hamburg hatte es zuletzt noch in Berlin, München und Nürnberg zusätzliche Ansagen gegeben. Die vier U-Bahnbetreiber haben sich nun abgesprochen, darauf künftig zu verzichten. An den alten DT3-Fahrzeugen der Hochbahn wird es dabei nur eine akustische Warnung geben.

Immer wieder war es an Hamburgs U-Bahnen, die täglich mehr als 600.000 Fahrgäste transportieren, zum riskanten Nachspringen gekommen. Auch wenn dies fast immer glimpflich ausging, sei die erhöhte Sicherheit ausschlaggebend für das Ende des vertrauten „Zurückbleiben, bitte“, betont Hochbahn-Sprecherin Maja Weihgold. Zugleich räumt sie einen „schönen Nebeneffekt“ ein. Denn der Wegfall der Ansage spare pro Abfertigungsvorgang etwa drei Sekunden - ohne dass sich für die Passagiere das Zeitfenster beim Ein- und Ausstieg verkleinern soll.

Vorstand Sieg rechnet vor, zu welch erstaunlichen Größenordnung sich der kleine Zeitgewinn bei zwölf Millionen Abfahrten pro Jahr summiert. Dank der gesparten Sekunden müsse der Zug auf der Strecke weniger stark beschleunigen, was eine Energieeinsparung von bis zu sieben Millionen Kilowattstunden pro Jahr ergebe. „Dies bedeutet nicht nur eine Einsparung von bis zu 700.000 Euro Stromkosten pro Jahr, sondern auch Einsparungen von jährlich 4000 Tonnen CO2.

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erstellt am 11.Feb.2014 | 09:55 Uhr

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