Prozess in Hamburg : 59 Messerstiche auf schlafenden Bruder

Ein 28-Jähriger soll 59 Mal auf seinen Bruder eingestochen haben, der gerade schlief. Beim Prozess will die Familie die Öffentlichkeit ausschließen, der Angeklagte möchte öffentlich verhandeln.

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07. Februar 2013, 11:16 Uhr

Hamburg | Ein 28-Jähriger muss sich wegen Mordes vor dem Hamburger Landgericht verantworten, weil er seinen Bruder erstochen haben muss - ausgesagt hat er aber noch nicht. Am ersten Verhandlungstag ging es vor dem Hamburger Landgericht vor allem um Verfahrensfragen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, im August vergangenen Jahres seinen 20-jährigen Bruder im Schlaf erstochen zu haben. Er soll zum Zeitpunkt der Tat unter akuter Psychose gelitten haben und damit schuldunfähig gewesen sein.
Laut Anklageschrift soll der mutmaßliche Täter insgesamt 59 Mal auf sein Opfer eingestochen und den Hals bis zur Wirbelsäule aufgeschnitten haben. Es sei ein heimtückischer Mord gewesen, da sein schlafender Bruder nicht mit einem Angriff habe rechnen können. "Der Angeklagte stach zunächst dreimal durch die Bettdecke auf seinen Bruder ein", verlas die Staatsanwältin. "Als dieser sich danach aufrichtete, brachte der Angeklagte seinem Bruder eine Vielzahl weiterer Stiche bei." Der 29-Jährige sei für die Allgemeinheit gefährlich. Sein Bruder sei noch in der Wohnung in Hamburg-Borgfelde gestorben, die er sich mit dem 28-Jährigen und seiner Mutter geteilt habe, hieß es vor Prozessbeginn. Nach der Tat habe der Angeklagte selbst die Polizei verständigt.
Die Nebenklage, die die Schwester des mutmaßlichen Täters vertritt, beantragte, die Öffentlichkeit von dem Verfahren auszuschließen. "Die Mutter und die Schwester des Angeklagten benötigen bis heute therapeutischen Beistand", sagte die Anwältin."Sie brauchen ihre Privatsphäre." Der Angeklagte bestand jedoch auf ein öffentliches Verfahren. Die Kammer will ihren Entschluss dazu am nächsten Verhandlungstag Ende Februar bekanntgeben. Ein Urteil in dem Prozess wird nicht vor dem 27. März erwartet.

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