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Jubiläumsfeier in der Hansestadt : 200 Jahre Kriminalgeschichte in Hamburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Polizei in der Hansestadt feiert heute mit einer öffentlichen Vereidigung Jubiläum. Am Montag öffnet eine Fotoausstellung im Rathaus. Im öffentlichen Bewusstsein bleiben viele Fälle, die bundesweit für Aufsehen sorgten – shz.de zeigt die spektakulärsten.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2014 | 09:58 Uhr

Hamburg | Säbel und Hamburger Wappenknöpfe waren damals ihre Erkennungszeichen: Vor 200 Jahren wurde die Hamburger Polizei gegründet. Die französische Besatzung Hamburgs war 1814 gerade beendet, es drohten Aufstände. Zur „Erhaltung der inneren Ruhe“ entstand die Polizeibehörde. Ihr Jubiläum feiert die Polizei mit einer öffentlichen Vereidigung heute auf dem Rathausmarkt und mit der Eröffnung einer Fotoausstellung im Rathaus am Montag. Im öffentlichen Bewusstsein bleiben viel spektakuläre Fälle, die bundesweit für Aufsehen sorgten.

Der Lord von Barmbeck
Als Kopf einer Bande ist Einbrecherkönig Julius Adolf Petersen – bekannt als „Lord von Barmbeck“ – von 1896 bis 1933 für zahlreiche Raubzüge verantwortlich. Er geht dabei ohne Gewalt vor und bestiehlt vor allem Reiche. Mehr als 400 Beteiligte werden später vor Gericht gestellt. Seine Geschichte wurde 1973 mit Martin Lüttge verfimt.

Martin Lüttge spielte 1973 den Lord von Barmbek in gleichnamigem Film.
Martin Lüttge spielte 1973 den Lord von Barmbek in gleichnamigem Film. Foto: dpa
 

Die Polonium-Spur:
Der russische Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko wird im November 2006 in London Opfer eines mysteriösen Mordanschlags. Der Ex-Geheimdienstler war drei Wochen zuvor mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 im Tee vergiftet worden. Die britische Staatsanwaltschaft sieht Hinweise auf einen Mord durch den russischen Ex-Agenten und Geschäftsmann Andrej Lugowoi. Lugowoi traf das Opfer mit dem Ex-Geheimdienstler Dmitri Kowtun in einem Londoner Hotel an dem Tag, an dem es vergiftet wurde. Kowtun legte vor dem Treffen mit Litwinenko einen Zwischenstopp in Hamburg ein, wo wie in London in Flugzeugen der British Airways Spuren von Polonium 210 gefunden wurden. Die Ermittlungen stellt die Hamburger Staatsanwaltschaft Ende 2009 aus Mangel an Beweisen ein.

Ein mit einem Schutzanzug bekleideter Beamter des Bundesamtes für Strahlenschutz hält am 09.12.2006 in Hamburg während der Duchsuchung eines Hauses im Stadtteil Altona (Ottensen) einen Geigerzähler in der Hand. Spezialisten durchsuchten dort im Zusammenhang mit dem Fall des mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 vergifteten russischen Ex-Geheimdienstlers Litwinenko die Wohnung eines russischen Geschäftsmanns.
Ein mit einem Schutzanzug bekleideter Beamter des Bundesamtes für Strahlenschutz hält am 09.12.2006 in Hamburg während der Duchsuchung eines Hauses im Stadtteil Altona (Ottensen) einen Geigerzähler in der Hand. Spezialisten durchsuchten dort im Zusammenhang mit dem Fall des mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 vergifteten russischen Ex-Geheimdienstlers Litwinenko die Wohnung eines russischen Geschäftsmanns. Foto: dpa
 

Der Kaufhauserpresser Dagobert:
„Dagobert“ alias Arno Funke wird als Kaufhaus-Erpresser in den 1990er Jahren bundesweit bekannt. Er narrt lange die Ermittler, bevor er schließlich 1994 gefasst wird. Heute gilt Funke als Musterbeispiel für gelungene Resozialisierung.

Der Kaufhauserpresser Arno Funke alias 'Dagobert', stellt am 30.09.1998 in Berlin sein Buch 'Mein Leben als Dagobert' vor. Der 43-jährige Schildermaler hatte 1988 das Berliner Kaufhaus KadeWe und von 1992-94 den Karstadt-Konzern versucht zu erpressen. 'Dagobert' wurde 1996 zu neun Jahren Freiheitsentzug verurteilt.
Der Kaufhauserpresser Arno Funke alias „Dagobert“, stellt am 30.09.1998 in Berlin sein Buch „Mein Leben als Dagobert“ vor. Der 43-jährige Schildermaler hatte 1988 das Berliner Kaufhaus KadeWe und von 1992-94 den Karstadt-Konzern versucht zu erpressen. „Dagobert“ wurde 1996 zu neun Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Foto: dpa
 

Die Reemtsma-Entführung:
Im Frühjahr 1996 überwältigen Thomas Drach und seine Komplizen den Millionenerben Jan Philipp Reemtsma vor seinem Haus in Hamburg-Blankenese. Viereinhalb Wochen halten sie ihn angekettet und in Todesangst in einem Verlies in der Nähe von Bremen fest. Gegen 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken kommt Reemtsma schließlich frei. Nur ein Bruchteil der Beute ist bisher aufgetaucht. Nach mehr als 15 Jahren Haft verlässt Drach im Oktober 2013 das Gefängnis in Hamburg-Fuhlsbüttel.

Das von der Polizei geblendete Polaroid-Foto zeigt Jan Philipp Reemtsma bei seinen Entführern mit einer Ausgabe der Bild-Zeitung vom 26. März 1996. Das Foto wurde den Angehörigen als Lebensbeweis übermittelt.
Das von der Polizei geblendete Polaroid-Foto zeigt Jan Philipp Reemtsma bei seinen Entführern mit einer Ausgabe der Bild-Zeitung vom 26. März 1996. Das Foto wurde den Angehörigen als Lebensbeweis übermittelt. Foto: dpa
 

Der „Säuremörder“:
1996 verurteilt das Landgericht einen Kürschner wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der Mann hat demnach zwei 61 und 31 Jahre alte Frauen in einem unterirdischen Bunker gequält, missbraucht und getötet – und die Leichen in Fässern mit Salzsäure vergraben.

Lutz Reinstrom auf einem Polizeifoto von 1992.
Lutz Reinstrom auf einem Polizeifoto von 1992. Foto: dpa
 

Der St. Pauli-Killer:
Der Auftragskiller Werner „Mucki“ Pinzner erschießt im Juli 1986 bei einer Vernehmung im Hamburger Polizeipräsidium den Staatsanwalt, seine Frau – die die Waffe einschmuggelte – und sich selbst.

Festnahme: Werner Pinzner bei seiner Verhaftung.
Festnahme: Werner Pinzner bei seiner Verhaftung.
 

Die Hitler-Tagebücher:
Am 25. April 1983 präsentiert das Hamburger Magazin „Stern“ in einer Pressekonferenz Hitlers vermeintliche Tagebücher – angeblich aus einem Fund in der DDR. Zwei Wochen später ist klar: Sie stammen aus der Feder des Kunstfälschers Konrad Kujau.

„Stern“-Reporter Gerd Heidemann präsentiert die „Hitler-Tagebücher“.
„Stern“-Reporter Gerd Heidemann präsentiert die „Hitler-Tagebücher“.
 

Die RAF
Das Mitglied der Rote Armee Fraktion, Christine Kuby, schießt im Januar 1978 in einer Apotheke in Hamburg-Winterhude auf zwei Polizisten. Sie war beim Versuch erwischt worden, mit einem gefälschten Rezept Schmerzmittel zu besorgen.

Christine Kuby in einem Interview vom NDR aus dem Jahr 1992.
Christine Kuby in einem Interview vom NDR aus dem Jahr 1992. Foto: Screenshot/Youtube
 

Der Frauenmörder Fritz Honka
Der Serienmörder Fritz Honka zerstückelt mehrere Frauen, die Leichenteile versteckt er auf seinem Dachboden. 1976 wird er für den Mord an einer Frau und den Totschlag an drei weiteren zu 15 Jahren Haft und Unterbringung in einer Psychiatrie verurteilt. 1993 wurde Honka entlassen und verbrachte seine letzten Lebensjahre anonym in einem Altenheim in Scharbeutz. Er wurde von Wahnvorstellungen heimgesucht und beklagte sich beim Pflegepersonal, dass es in seinem Zimmer nach verwesenden Leichen rieche. Am 19. Oktober 1998 starb Honka im Hamburger Krankenhaus Ochsenzoll.

Der Serienmörder Fritz Honka am 16. November 1976 auf der Anklagebank eines Hamburger Schwurgerichtes.
Der Serienmörder Fritz Honka am 16. November 1976 auf der Anklagebank eines Hamburger Schwurgerichtes. Foto: FOTOS: DPA
 

Tödliche Geiselnahme
Bei einem Überfall auf eine Bank am Steindamm im April 1974 macht die Hamburger Polizei zum ersten Mal in Deutschland Gebrauch vom sogenannten finalen Rettungsschuss – also einem gezielten Todesschuss. Der Täter hatte mehrere Geiseln genommen und einen Polizisten getötet.

Der erste „finale Rettungsschuss“ in Deutschland: Am 18. April 1974 erschießt die Hamburger Polizei einen Bankräuber und Geiselnehmer.
Der erste „finale Rettungsschuss“ in Deutschland: Am 18. April 1974 erschießt die Hamburger Polizei einen Bankräuber und Geiselnehmer. Foto: dpa
 
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