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Krawalle in Hamburg : 120 Polizisten bei „Rote Flora“-Demo verletzt

vom

Straßenblockaden, Wasserwerfer und Böller haben Spuren in Hamburg hinterlassen. Nach den schweren Krawallen zieht die Polizei Bilanz.

shz.de von
erstellt am 22.12.2013 | 12:00 Uhr

Es waren die schwersten Krawalle seit Jahren in Hamburg - bis spät in die Nacht  sich die Randalierer Kämpfe mit der Polizei. „Die Lage hat sich jetzt beruhigt“, sagte Polizeisprecher Mirko Streiber in der Nacht zu Sonntag. Zuvor war es zu stundenlangen Auseinandersetzungen gekommen, die sich bei einer Kundgebung für den Erhalt des linken Kulturzentrums „Rote Flora“ entzündet hatten. Im Schanzenviertel und auf St. Pauli gerieten Einsatzkräfte und Demonstranten immer wieder aneinander.

120 Polizisten wurden verletzt - 19 von ihnen so schwer, dass sie nach Angaben eines Polizeisprechers im Krankenhaus behandelt werden mussten. Ein Polizist aus Niedersachsen wurde bewusstlos in eine Klinik gebracht. 21  Krawallmacher wurden festgenommen. 320 Demonstranten seien während der Kundgebung vorläufig in Gewahrsam genommen und dann wieder freigelassen worden, teilte die Polizei mit. Über das Ausmaß der angerichteten Sachschäden konnte der Sprecher zunächst keine detaillierten Angaben machen.

 

Nach Angaben linker Organisationen wurden rund 500 Demonstranten verletzt - 20 davon schwer. Das berichtete ein Sprecher des „Ermittlungsausschusses“, einer Organisation, die sich bei Demonstrationen im linken Spektrum um Festgenommene kümmert, unter Berufung auf Angaben von Sanitätern. Der Sprecher warf der Polizei zugleich vor, sie habe Anwälte nicht zu festgenommen Mandanten und verletzten Demonstranten in Krankenhäusern vorgelassen. Die Feuerwehr berichtete von 66 Rettungseinsätzen sowohl für verletzte Polizisten als auch für Demonstranten. Das werde nicht getrennt erfasst.

Die Lage eskalierte kurz nach Beginn der Demonstration am Samstagnachmittag. Noch vor der „Roten Flora“ warfen Randalierer aus dem sogenannten Schwarzen Block Böller und Gegenstände in Richtung der Polizisten. Diese reagierten mit dem Einsatz von Wasserwerfern sowie Schlagstöcken und drängten den Demonstrationszug zurück. Wegen der Krawalle löste die Polizei die Demonstration rasch auf. „Es hat von Anfang an eine aggressive Grundstimmung geherrscht, wir sind massiv angegriffen worden“, begründete Polizeisprecher Streiber den Schritt. „Das ist derart gewalttätig gewesen, das haben wir lange so nicht erlebt.“

Die Organisatoren der Demonstration kritisierten einen „massiven Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern“. Sie warfen der Polizei vor, den Protestzug von Anfang an bewusst gestoppt zu haben. Dies stelle den skandalösen Versuch dar, die politische Auseinandersetzung um die „Rote Flora“, die „Esso-Häuser“ und das Bleiberecht von Flüchtlingen hinter Rauchschwaden und Wasserwerfern unsichtbar zu machen, hieß es in einer Erklärung.

Nach Auflösung der Demonstration zogen die Randalierer in Gruppen in Richtung der gesperrten Reeperbahn und lieferten sich ein stundenlanges „Katz-und-Maus-Spiel“ mit der Polizei. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen. Unter anderem wurden bei einem SPD-Büro die Scheiben eingeworfen und zwei Polizeiautos beschädigt. Auch der Nah- und Fernverkehr war beeinträchtigt: Fernzüge endeten am Hamburger Hauptbahnhof oder wurden nach Harburg umgeleitet, eine S-Bahn-Strecke war teilweise gesperrt.

Insgesamt waren am Samstag nach Polizeiangaben 7300 Demonstranten ins Schanzenviertel gekommen, darunter 4500 aus dem linksextremistischen Spektrum - viele davon gewaltbereit. Die Veranstalter sprachen von mehr als 10.000 Teilnehmern. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot von 3168 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz war, nahm insgesamt 19 Menschen vorläufig fest. Weitere 300 Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen.

Der Protest richtete sich gegen eine Räumung des seit mehr als 20 Jahren besetzten Kulturzentrums „Rote Flora“, wie sie der Eigentümer Klausmartin Kretschmer angedroht hat. Außerdem ging es um das Bleiberecht für Flüchtlinge und die „Esso-Häuser“ an der Reeperbahn.

Die Häuser waren am vergangenen Wochenende wegen Einsturzgefahr evakuiert worden. Alle Bürgerschaftsfraktionen hatten zuvor parteiübergreifend zu einem friedlichen Protest aufgerufen.

Zuvor hatten am Samstag rund 800 Menschen in Hamburg-St. Georg auf einer Kundgebung friedlich für ein Bleiberecht der sogenannten Lampedusa-Gruppe demonstriert. Vertreter der afrikanischen Flüchtlinge sprachen sich dabei für friedliche Proteste aus. „Wir wollen Kreativität und keine Gewalt“, sagte ein Sprecher der Gruppe.

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