DGB und linke Gruppen : 1. Mai in Hamburg: Polizei setzt Wasserwerfer ein

Vermummte Personen mit Feuerwerkskörpern halten bei einer Demonstration des Bündnisses „Recht auf Stadt“ auf einem Dach der ehemals besetzen Häuser an der Hafenstraße in Hamburg ein Transparent.
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Vermummte Personen mit Feuerwerkskörpern halten bei einer Demonstration des Bündnisses „Recht auf Stadt“ auf einem Dach der ehemals besetzen Häuser an der Hafenstraße in Hamburg ein Transparent.

Wasserwerfer gegen Böller: Der Demonstrationszug ist gerade losgelaufen, da stoppen ihn Polizisten schon wieder.

shz.de von
01. Mai 2015, 17:19 Uhr

Hamburg | Mehr als tausend Menschen haben sich am Freitag zu zwei „revolutionären“ 1.-Mai-Demonstrationen in Hamburg versammelt. An der Feldstraße auf St. Pauli kamen nach Angaben der Polizei etwa 700 Menschen zusammen. Kurz nachdem sich die Demo an der Feldstraße in Bewegung gesetzt hatte, wurde sie nach wenigen Metern schon wieder gestoppt. Die Polizei löste die Versammlung auf.

Der Grund: Demonstranten wollten ihre Vermummung nicht abnehmen. Es seien Böller und Gegenstände geworfen worden, sagte ein Polizeisprecher. Der U-Bahnhof Feldstraße sei geschlossen worden. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten. Die Polizisten setzten Schlagstöcke, Pfefferspray und Wasserwerfer ein. Die Polizei setzte dabei auch eine Reiterstaffel ein.

Am Bahnhof Altona marschierten bis zu 1000 Menschen aus dem linken Spektrum los. Auch hier wurden gleich zu Beginn des Marsches Feuerwerkskörper gezündet. Die Polizei rückte mit Wasserwerfern an.

Insgesamt waren am 1. Mai sechs Veranstaltungen angemeldet - drei vom DGB in der Innenstadt sowie in Bergedorf und Harburg, drei von linken Gruppen. Während die Polizei die Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Freitag traditionell friedlich beurteilt, hatte sie bei den Veranstaltungen der linken Szene schon im Vorfeld mit Provokationen gerechnet. Erstmals gibt es in diesem Jahr wegen „politischer Differenzen“ der Veranstalter zwei konkurrierende „Revolutionäre 1. Mai“-Demos (18.00 Uhr). Wie in den Jahren zuvor gab es auch 2014 Krawalle, die nach Einschätzung der Polizei „kurz, aber heftig“ ausfielen.

Mehrere tausend Menschen demonstrierten am Nachmittag gegen die Flüchtlingspolitik des Senats. Die Polizei zählte etwa 3800 Teilnehmern, die Veranstalter vom Bündnis „Recht auf Stadt“ sprachen von mehr als 7000 Demonstranten. Auf dem Zug durch St. Pauli kam es zu keinen erwähnenswerten Zwischenfällen, wie ein Polizeisprecher sagte.

Die Kundgebung unter dem Motto „Never mind the papers“ richtete sich vor allem gegen die Flüchtlingspolitik des rot-grünen Senats. „Wir wollen, dass Menschenleben mehr zählen als irgendwelche Papiere“, erläuterte ein Redner das Motto. Die Kundgebung begann am Millerntorplatz. Statt eine Schweigeminute für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge einzulegen, machten die Demonstranten um Punkt 15.00 Uhr „ordentlich Krach“.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sprach von mehr als 5000 Teilnehmern in der Innenstadt sowie 700 in Bergedorf und 500 in Harburg. Die Polizei ging von 4000 Demonstranten in der City aus. Die Hamburger DGB-Chefin Katja Karger forderte bei der Hauptkundgebung auf dem Fischmarkt mehr Solidarität mit den Streikenden der Hamburger Kitas und Sozialeinrichtungen. „Unsere Solidarität gilt den Kolleginnen und Kollegen, die noch mitten im Arbeitskampf stecken oder ihn vor sich haben“, sagte Karger

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Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank bei einer Kundgebung des DGB.
dpa
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank bei einer Kundgebung des DGB.

Die Gewerkschaften forderten eine höhere Eingruppierung der bundesweit 240.000 Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst, was diesen deutliche Gehaltssteigerungen bringen würde.

Vor den Demonstranten sprach auch der 92 Jahre alte griechische Politiker und Journalist Manolis Glezos, der im Zweiten Weltkriegs in seiner Heimat Ruhm erlangte, weil er im Mai 1941 die Hakenkreuzfahne von der Akropolis herunterholte.

Der Schauspieler Rolf Becker (l.) und der ehemalige Partisanenkämpfer, Politiker und Schriftsteller, Manolis Glezos aus Griechenland, bei der DGB-Kundgebung in der Innenstadt.
dpa
Der Schauspieler Rolf Becker (l.) und der ehemalige Partisanenkämpfer, Politiker und Schriftsteller, Manolis Glezos aus Griechenland, bei der DGB-Kundgebung in der Innenstadt.

Bereits in der Nacht zum 1. Mai startete unter dem Motto „Take Back The Night“ eine feministische Demo gegen 22 Uhr an der Roten Flora am Schulterblatt und zog dann vom Schanzenviertel, über die Reeperbahn zur Hafenstrasse. Die Demo der rund 350 Teilnehmer gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt und die sogenannte „Pick Up“-Szene um Julian Blanc blieb friedlich. In der Walpurgisnacht eroberten sich die Demonstranten in den Hamburger Partyvierteln symbolisch und praktisch die Nacht zurück - singend, tanzend und mit lauten Sprechchören. Lediglich zum Auftakt zündeten Unbekannte auf dem Dach der Roten Flora Bengalos an.

Unbekannte zündeten auf dem Dach der Roten Flora Pyrotechnik.
rtn
Unbekannte zündeten auf dem Dach der Roten Flora Pyrotechnik.

Die Veranstalterinnen kritisierten unter anderem Seminare, in denen Männer lernen sollen, wie sie Frauen „aufreißen“. Die vermittelten Techniken setzen aus ihrer Sicht auf Manipulation und beinhalten physische und psychische Gewalt.

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