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„Rote Flora“ : 1. Mai: Ganz normaler Wahnsinn?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Prinzip Hoffnung: Hamburgs Polizei rüstet sich für „durchschnittliche Randale“. Die Dezember-Krawalle bei der Roten Flora waren „wohl eine Ausnahme“.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2014 | 08:13 Uhr

Hamburg | Trotz der gewalttätigen Ausschreitungen kurz vor Weihnachten hofft die Hamburger Polizei in diesem Jahr auf einen relativ ruhigen 1. Mai. „Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass es so verläuft wie in den vergangenen Jahren“, sagte Polizeisprecher Mirko Streiber in einer ersten Einschätzung. In der Hansestadt hatte es in den vergangenen Jahren rund um den Feiertag zwar immer wieder Randale gegeben – aber keine schweren Krawalle.

Die heftigen Ausschreitungen bei einer Demonstration für den Erhalt des linken Kulturzentrums „Rote Flora“ im Dezember spielten bei der Einschätzung der aktuellen Lage zwar eine Rolle, erklärte Streiber. „Aber da gab es eine ganz andere Konstellation als jetzt.“

Denn die Szene habe „bundesweit bis europaweit“ mobilisieren können, und es hätten keine Parallelveranstaltungen in verschiedenen Städten stattgefunden wie nun am 1. Mai. Kurz vor Weihnachten war es in Hamburg zu den schwersten Krawallen seit Jahren gekommen, zahlreiche Polizisten und Demonstranten wurden verletzt. Rund 7300 Demonstranten waren laut Polizei auf der Straße.

Der Protest richtete sich gegen eine mögliche Räumung der seit mehr als 20 Jahren besetzten „Roten Flora“, mit der Eigentümer Klausmartin Kretschmer gedroht hatte. Für Zündstoff sorgten zudem die „Esso-Häuser“ an der Reeperbahn, die kurz zuvor wegen Einsturzgefahr evakuiert worden waren, sowie ein Bleibe-recht für die in Hamburg gestrandeten „Lampedusa-Flüchtlinge“. Alle Themen sorgen auch weiterhin für Diskussionen.

Dennoch gehen Polizei und Verfassungsschutz bisher davon aus, dass es in der Walpurgisnacht weitgehend friedlich bleiben könnte. Für Mittwochabend ist eine Demonstration unter dem Motto „Freedom of Movement now“ angekündigt. Die Polizei rechnet mit bis zu 1200 Teilnehmern – und geht davon aus, dass die Demonstration „grundsätzlich gewaltfrei“ ablaufen wird. Im Anschluss an die sogenannte Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration am Donnerstag rüsten sich die Beamten dagegen für mögliche Gewaltausbrüche.

Rund 1000 Teilnehmer wurden für den Protestzug durch das Schanzenviertel unter dem Motto „Hamburg sieht rot“ angemeldet, die Polizei rechnet aber mit mehr Menschen. Die Demonstranten wollen vom U-Bahnhof Feldstraße über Reeperbahn und „Rote Flora“ bis zum Neuen Pferdemarkt ziehen.

Wie viele Beamte rund um den 1. Mai im Einsatz sind, wollte die Polizei nicht sagen – in den Vorjahren waren es rund 1600 Polizisten. Es ist der erste große Einsatz gleich zu Beginn der Amtszeit von Hamburgs neuem Polizeipräsidenten Ralf Martin Meyer. Er folgt auf Wolfgang Kopitzsch (SPD), der mit 65 Jahren gegen seinen Willen in den Ruhestand gehen muss.

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