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Polizei prüft Videoüberwachung : Mehr als 50 Anzeigen in Hamburg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zahl der gemeldeten Fälle an Übergriffen und Diebstählen in der Hansestadt hat sich verdoppelt. Jetzt prüft die Polizei die Möglichkeit einer Videoüberwachung.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 00:32 Uhr

Hamburg | Die Sex- und Raubattacken auf Frauen in der Silvesternacht in Hamburg haben ein deutlich größeres Ausmaß als zunächst gedacht. Bis gestern Mittag hatte sich die Zahl der Strafanzeigen bereits auf 53 verdoppelt. „Nach jetzigen Erkenntnissen handelt es sich in 39 Fällen um eine sexuelle Belästigung, die anderen 14 angezeigten Taten beinhalten zudem einen Raub oder einen Diebstahl“, teilte die Polizei mit. Die Opfer seien zwischen 18 und 25 Jahren alt.

Wie berichtet, hatten Gruppen junger Männer im Silvestergedränge auf St. Pauli Frauen mit Berührungen im Intimbereich sexuell belästigt und die Angst der eingeschüchterten Opfer ausgenutzt, um sie zu berauben. Laut Polizei wurden die Taten zum Teil von arabisch-sprechenden Männern begangen. Das hätten Zeugenaussagen ergeben, sagte Polizeivizepräsident Reinhard Fallak gestern beim Neujahrsempfang des „Hamburger Abendblatts“. Zur Beute der Banden gehörten Handys, Bargeld und Ausweise.

Zu den Attacken war es in der Neujahrsnacht im Bereich der Reeperbahn, am Beatlesplatz und in der Großen Freiheit gekommen, die meisten Taten geschahen zwischen Mitternacht und 3 Uhr. Hinweise auf konkrete Täter gebe es nicht, teilte die Polizei mit, die weiterhin Zeugen aufruft, sich zu melden. Bisher hätten sich etwa 80 Personen gemeldet. Die Kripo hat zudem eine Sonderermittlungsgruppe gebildet. Senat und Polizei kündigten weitere Maßnahmen an, um derartige Massenübergriffe auf dem Kiez zu verhindern. „Wir werden die Reeperbahn so sicher machen wie nie“, versprach Innensenator Michael Neumann (SPD).

Die Zahl der Streifenpolizisten in dem Vergnügungsviertel sei erhöht worden. Zudem prüfen die Fahnder, ob sie die im Jahr 2011 abgeschalteten Videokameras auf der Vergnügungsmeile zeitweise wieder in Betrieb nehmen. Polizeisprecher Jörg Schröder sagte: „Wir wollen, dass junge Leute auch künftig auf den Kiez kommen und feiern können.“ Nach Klagen von Anwohnern hatte das Oberverwaltungsgericht Überwachungsbilder untersagt, auf denen auch Hauseingänge und Fenster an der Reeperbahn zu sehen sind. Weil eine Dauerüberwachung unter diesen Umständen wenig effizient erschien, waren die zwölf Kameras vor gut vier Jahren stillgelegt worden. Seither sind sie aber in Einzelfällen reaktiviert worden, etwa bei Großdemonstrationen. Laut Schröder wird nun die Nutzung der Videoüberwachung bei Massenveranstaltungen auf St. Pauli, wie eben an Silvester, zum Hafengeburtstag und beim Schlagermove, geprüft. Auch ein verstärkter Einsatz von Körperkameras durch Polizisten sei denkbar, ergänzte ein Sprecher der Innenbehörde. Weiterhin offen ist, ob sich die Hamburger Täter mit denen in Köln abgestimmt haben, wo es zeitgleich ebenfalls dutzende Fälle sexueller Übergriffe in Verbindung mit Taschendiebstahl gab. „Wir prüfen einen Zusammenhang, Erkenntnisse dazu gibt es derzeit nicht“, sagte Polizeisprecher Vehren.

Unklar ist auch, inwieweit der Jungfernstieg von derartigen Taten betroffen war. In Hamburger Medien hatten junge Frauen über derbe sexuelle Angriffe am Rande der dortigen Silvesterfeiern geklagt. Vehren sagte: „Uns liegt dazu bisher keine Strafanzeige vor.“

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