Gesetzesentwurf : Maßnahmenbündel soll für mehr Organspenden in Hamburg sorgen

Die Zahl der Organspender in Deutschland hat 2017 einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Die Zahl der Organspender in Deutschland hat 2017 einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Cornelia Prüfer-Storcks will mit dem Landesgesetz die Sicherheit und Transparenz in Krankenhäusern erhöhen.

shz.de von
06. Februar 2018, 13:41 Uhr

Hamburg | Um der rückläufigen Zahl von Organspenden entgegenzuwirken, müssen Hamburgs Krankenhäuser künftig mindestens einen Transplantationsbeauftragten haben. Zugleich sollen die 22 Kliniken, in denen Organe entnommen werden, der Gesundheitsbehörde berichten, wie viele Menschen tatsächlich für Organspenden in Frage gekommen wären.

Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation erreichte die Zahl der Organspender in Deutschland mit lediglich 797 den geringsten Wert seit 20 Jahren.

„Täglich sterben in Deutschland Menschen, weil sie vergebens auf ein Spenderorgan gewartet haben“, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag in Hamburg. Es sei höchste Zeit, diesen Negativtrend umzukehren.

Nach dem Entwurf des neuen Landesgesetzes, das noch die Bürgerschaft verabschieden muss, sind die 22 Entnahmekliniken verpflichtet, die Transplantationsbeauftragten nach einem festen Schlüssel von anderen Aufgaben freizustellen. Eine vergleichbare Regelung gebe es sonst nur in Bayern, sagte Prüfer-Storcks.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation sank die Zahl der Organspender in Hamburg im vergangenen Jahr stark. Nur 24 Menschen seien nach ihrem Tod Organe entnommen worden, obwohl jährlich etwa 2000 Hamburger für eine Organspende in Betracht kämen. Dies sei der niedrigste Wert seit neun Jahren, sagte Prüfer-Storcks. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse warteten Ende vergangenen Jahres 183 Menschen in Hamburg auf ein lebensrettendes Organ.

Ende 2016 waren Befürchtungen aufgekommen, Unregelmäßigkeiten bei Behandlungsunterlagen von Transplantationspatienten in zwei Kliniken im Großraum Hamburg könnten das Vertrauen potenzieller Spender erschüttern. Im Oktober 2016 wurden von einer Expertenkommission 10 von 25 Lungentransplantationen zwischen 2010 und 2012 beanstandet. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag, dass sie in dieser Angelegenheit noch immer ermittelt.

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