Hamburg-Eppendorf : Mahnmal für Opfer des Horror-Unfalls

Angehörige, Freunde und Weggefährten nehmen an der Einweihung einer Erinnerungsstätte für die vier Menschen teil, die bei einem Unfall in Hamburg-Eppendorf vor drei Jahren starben.
Angehörige, Freunde und Weggefährten nehmen an der Einweihung einer Erinnerungsstätte für die vier Menschen teil, die bei einem Unfall in Hamburg-Eppendorf vor drei Jahren starben.

Innehalten an einer der verkehrsträchtigsten Kreuzungen Hamburgs - für die Opfer des unfassbaren Unfalls von Eppendorf. Nach der Enthüllung eines Mahnmals erinnern die Söhne des gestorbenen Schauspielers Dietmar Mues auf ihre Art an die Toten.

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12. März 2014, 19:14 Uhr

Hamburg | Stille. Mitten im Berufsverkehr an einer belebten Kreuzung in Hamburg. Innehalten für die vier Toten und die Verletzten des Horror-Unfalls von Eppendorf vor drei Jahren, darunter der Schauspieler Dietmar Mues. Ihnen zu Ehren wurde am Mittwochnachmittag ein Mahnmal enthüllt, das aber auch als Begegnungsstätte mit neuem Leben gefüllt werden soll: Ein Baum ist von einem Beet und vier Bänken umgeben; eine der Sitzflächen ist jedoch gespalten. Etliche Anwohner haben schon frische Blumen in das Beet gelegt. Die Polizei hat für die Zeremonie die Kreuzung und Zuwege gesperrt.

Rückblick: Bei dem Unfall am 12. März 2011 waren der Sozialwissenschaftler Günter Amendt, Mues und seine Frau sowie eine Künstlerin getötet worden. Der Unfallfahrer war nach einem epileptischen Anfall über eine rote Ampel gerast und mit seinem Auto in ein Gruppe von Passanten gekracht. Das Landgericht verurteilte ihn später zu dreieinhalb Jahren Haft.

„Der Unfallort hat seinen Schrecken verloren“, sagte Wanja Mues bei einer anschließenden Gedenkstunde in der nahen Hauptkirche St. Nikolai. Auch der Tod habe seinen Schrecken verloren. „Was schmerzt, ist der Verlust.“ Mit seinen beiden Brüdern Jona und Woody las er Textpassagen von Autoren - von der kanadischen Nobelpreisträgerin Alice Munro, dem peruanischen Schriftsteller Sergio Bambaren und dem deutschen Journalisten Axel Hacke. Sie umspannten und interpretierten das Leben von der Geburt, über das Jetzt bis zum Tod. Er sei sich sicher, „dass Menschen, die uns verlassen haben, bei uns bleiben und uns führen - so lange, bis wir uns wiedersehen“, ergänzte Mues, der wie sein Vater die Schauspiellaufbahn einschlug.

Das schlichte Mahnmal ist nach Darstellung des Bezirksamts Hamburg-Nord von Angehörigen der Opfer entworfen worden. „Immer wieder haben wir beobachtet, wie Menschen an dem Ort innehalten, sich austauschen, Blumen und Briefe niederlegen - das wollten wir mit dem Mahnmal aufgreifen“, heißt es in einer Erklärung der drei Mues-Söhne.

Das Mahnmal solle zum Verweilen einladen: „Es wird an den Schrecken erinnern, es wird das (auch gemeinsame) Gedenken an einem schöneren Ort ermöglichen und würdigen - und dem Ort dadurch vielleicht seinen Schrecken etwas nehmen können.“ 

Dass die Stätte zu einem Ort der Kommunikation werde, wünschte sich auch die Vorsitzende der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, Dagmar Wiedemann (SPD). Sie warf dem Täter Egoismus und Bequemlichkeit gegenüber der Gesellschaft vor. „Der Unfall hat gezeigt, wie schnell es mit dem Leben vorbei ist“, konstatierte sie.

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