Hochbahn in Hamburg : „Loch Ness von Steilshoop“: Suche nach Geisterbahnhof

Er ist immer noch nicht nicht überzeugt: Bernhard Korfin glaubt auch nach der Begehung an die Existenz eines U-Bahnhofs unter Steilshoop – die mächtigen Spundwände sieht er als sicheres Indiz.
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Er ist immer noch nicht nicht überzeugt: Bernhard Korfin glaubt auch nach der Begehung an die Existenz eines U-Bahnhofs unter Steilshoop – die mächtigen Spundwände sieht er als sicheres Indiz.

Gibt es in Steilshoop einen geheimen Bahnhof, den keiner kennt? 200 Bahnhofsfahnder begeben sich auf die Suche.

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25. März 2017, 12:16 Uhr

Hamburg | Das Phantom der U-Bahn von Hamburg-Steilshoop – es bleibt wohl ein Mythos. Bei einer Begehung mit Bürgern konnte die Hamburger Hochbahn am Freitag keine Beweise für die Existenz der sagenumwobenen Station unterhalb des Stadtteils finden. „Ich glaube, es gibt hier keinen Bahnhof“, schlussfolgerte Wandsbeks Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff nach der ausgiebigen Besichtigungstour und einer Diskussion mit Bewohnern. Einige Teilnehmer blieben dennoch überzeugt, dass unter ihren Füßen vor knapp 50 Jahren ein kompletter Bahnhof errichtet wurde – für eine U-Bahn, die nie kam.

Weder alte Baupläne noch Bohrungen haben bisher Spuren auf eine Haltestelle ergeben. Weil die Hochbahn aktuell wieder eine Linie durch Steilshoop plant, hatte sie Zeugen aufgerufen, ihr Wissen mitzuteilen. Etwa 70 Antworten trafen ein, darunter viele wie die von Uwe S.: „Ich habe damals im aufgeschütteten Gleisbett gestanden“ und die von Markus B.: „Es gab im Untergeschoss einen Bahnhof, ich fand’s gruselig, da drin zu stehen.“ Man gehe dem nun nach, „um das Loch Ness von Steilshoop“ zu finden, so Hochbahn-Vertreter Andreas Ernst den neugierigen Bürgern.

Die Resonanz war beachtlich, fast 200 Menschen wurden zu Bahnhofsfahndern. Die Begehung führte zu Stellen rund um das Einkaufszentrum und die Gründgensstraße, die von Tippgebern genannt worden waren. So blickte der Tross hinter allerlei Türen und in Gänge, die sonst verschlossen sind. Allein: Eine U-Bahnstation kam nicht zum Vorschein. Die Forscher schritten stattdessen durch schnöde Technikräume, eine Tiefgarage sowie Kellerverschläge mit Sperrmüll.

Einmal wurde es spannend, als Andreas Ernst mit seinem Handy einen tiefen Schacht ausleuchtete, dann aber verkündete: „Da unten ist Wasser, aber keine Bahnhofshalle.“ Des Rätsels Lösung: Der Raum war beim Bau der Großsiedlung Anfang der 1970er Jahre als Schwimmbad vorgesehen.

Am Ende erkannten die Hochbahn-Techniker immerhin zwei Indizien für einen U-Bahnhof an: Die mächtigen Spundwände parallel zur Gründgensstraße sowie den im U-Bahn-Look gekachelten Tunnel zum Einkaufszentrum. „Das deutet aber nicht auf eine tatsächliche gebaute Haltestelle hin, die Maßnahmen waren vielleicht als Vorbereitung gedacht“, sagte Ernst.

Eine Handvoll Anwohner ließ sich nicht beirren. „Ich habe selbst 1977 im Gleisbett gestanden“, beharrte einer. Auch Bernhard Korfin meinte, die Hochbahn suche an der falschen Stelle: „Der Bahnhof liegt noch eine Ebene tiefer.“ Das habe ihm sein Opa berichtet, ein Architekt und Zeuge der Bauphase. „Aber der ist tot. Den können wir nicht mehr fragen.“

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