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O2 World Hamburg : Linkin Park begeistert mit „Hunting Party“

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Nach 100 Minuten endete ein perfekt inszenierter Gig. Linkin Park brachte 12.000 Fans in der ausverkauften O2 World in Hamburg mächtig ins Schwitzen.

Hamburg | Die erste Katharsis war nach 20 Minuten absolviert. Die Nu-Metal-Band Linkin Park hatte kurz mal eben die besten Lieder ihres neuesten Albums „Hunting Party“ gespielt. Wer jagte hier eigentlich wen? Die Band die Fans oder andersherum? Die sechs Männer aus Los Angeles hauten alles runter, was der Crossover zwischen Rock, Hip Hop und elektronischen Klängen so hergibt, die 12.000 Fans in der ausverkauften O2 World boten fetzend Paroli. Hände klatschten in der Höhe, Köpfe wippten, Körper bebten. Linkin Park ist extrem radio- und livetauglich zugleich.

Die Kombo um die beiden Frontmänner Chester Bennington und Mike Shinoda hat so ziemlich alles an Preisen abgeräumt, was der Musikmarkt hergibt, Gassenhauer wie „Castle of Glass“ produziert, und gerade deshalb umweht sie das Stigma zwischen Kunst und Kommerz irgendwie keine richtig Identität zu haben. Höchstprofessionell zwar, nach mittlerweile sechs Studioalben und krachenden Tourneen, dennoch immer wieder um Authentizität ringend. Die stilistisch ein wenig undefinierte Melange bringt alleine die Musik mit sich, die eine Synthese aus Rap à la Beastie Boys oder Public Enemy, geradlinigem Rock zwischen AC/DC und Red Hot Chili Peppers und Synthie-Pop-Einsprengseln ist.

Es scheint auch eine Generationsfrage, denn die vielen zwischen 20- und 30-Jährigen schüttelten ihre Häupter, als würde es kein Morgen geben. Für sie gehört Linkin Park mit den satten Rock-Hymnen zum Feier-Alltag oder zur Wochenend-Tanzparty, wie Craft Beer und Bio-Burger.

Orchestriert wurde der 100-minütige, perfekt inszenierte Gig von einer gut konzipierten, meterhohen Licht- und Videoshow. Bennington entledigte sich schon nach kurzer Zeit seines schwarzen T-Shirts und zeigte seinen gut gestählten Körper. Der 38-Jährige hat eine zerrissene Biografie zwischen Selbstzweifeln und Drogenmissbrauch und funktioniert wohl gerade deshalb, wie es einem Rockstar gebührt.

Wenn sein sattsamer Gesang, mit allen Facetten zwischen Hardrock und Falsett ausgestattet, drohte abzugleiten, sprang Irrwisch Shinoda ein und haute textlich einen raus.

Bennington lebte jeden Ton mit jeder Faser seines Körpers, er schwitzte und rannte wie ein Marathonläufer auf der ausladenden Bühne auf seine Fans zu. Shinoda scratchte am DJ-Pult, malträtierte die Seiten seiner Gitarre und rappte ergänzend; die anderen Linkin-Park-Musiker agierten derart konzentriert und präsent, dass Kommerz und Kunst durchaus eine Synthese eingingen. Es krachte in den anderthalb Stunden heftig, zurück blieben glückliche Fans, die sich ausgetobt hatten.

Linkin Park, deren Debütalbum „Hybrid Theory“ von 2000 sich weltweit 15 Millionen Mal verkaufte, lieferte einen genialen Geräuschteppich ab, der die vielen Fans anheizte, inspirierte und mit phasenweise zwei Synthesizern auch ein wenig beseelte. Sie spielten natürlich auch die Bandklassiker: „Given up“, Shadow of The Day“, Burn It Down“ oder „In The End“. Es war sehr professionell, aber nie lustlos. „Hamburg, wir haben hier eine gute Zeit“, röhrte Shinoda nach der letzten Zugabe ins Mikro. Aufbrandender Jubel füllte die rappelvolle Arena.

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erstellt am 11.Nov.2014 | 15:20 Uhr

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