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Silvesternacht 2015 in Hamburg : Letzter Prozess um Silvester-Attacken – Angeklagter schweigt

vom

Der 34-Jährige soll an Übergriffen auf drei Frauen auf der Reeperbahn beteiligt gewesen sein. Eine Verurteilung ist fraglich.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 15:58 Uhr

Hamburg | Es ist der vermutlich letzte Strafprozess um die Sex-Übergriffe in der Silvesternacht 2015 auf dem Hamburger Kiez. Doch auch bei der am Dienstag begonnenen Verhandlung gegen einen 34-jährigen Angeklagten ist eine Verurteilung fraglich. Wie in zwei vorherigen Verfahren, die mit Freisprüchen endeten, gilt die sichere Identifizierung des 34-Jährigen durch Zeugen als Knackpunkt. Im aktuellen Fall hatte das Gericht bereits vor Monaten den Haftbefehl aufgehoben, weil es keinen dringenden Tatverdacht sah.

Zu Prozessbeginn wollte sich der angeklagte Iraner nicht äußern. Dies werde möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt geschehen, sagte sein Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft wirft Behzad S. vor, an sexuellen Übergriffen gegenüber drei Frauen auf St. Pauli beteiligt gewesen zu sein. Demnach soll er als Teil einer größeren Gruppe am frühen Neujahrsmorgen 2016 auf der Großen Freiheit eine 21-Jährige eingekreist haben. Ein nicht ermittelter Mittäter habe die Frau im Intimbereich angefasst und penetriert. Ein anderer unbekannt gebliebener Mann soll der Geschädigten das Handy entrissen haben. Der Rest der Gruppe, so die Staatsanwaltschaft, habe sich über das Opfer lustig gemacht.

Anschließend soll der Angeklagte mit anderen Männern zwei Frauen (19, 20) umringt und oberhalb der Kleidung an den Brüsten, im Schritt und am Gesäß berührt haben. Die Anklage lautet auf sexuelle Nötigung in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Raub und tätlicher Beleidigung sowie der sexuellen Nötigung in Tateinheit mit Beleidigung in zwei Fällen.

Am ersten Verhandlungstag sichtete das Gericht lediglich Bilder eines Partyfotografen aus der Silvesternacht. Die Zufallsaufnahmen zeigen das Menschengedränge in der Großen Freiheit, allerdings keine Tathandlungen. Die Fotos waren Grundlage für diverse Ermittlungsverfahren zu den Hamburger Silvesterattacken. Etwa 410 Frauen hatten Anzeigen wegen sexueller Übergriffe, Diebstählen und Raub erstattet. In den allermeisten Fällen soll es sich bei den Tätern laut Zeugen um Migranten gehandelt haben. Nur in vier Fällen kam es zu Anklagen, ins Gefängnis musste bisher kein Angeklagter. In einem Prozess um einen Angriff auf eine 19-Jährige am S-Bahnhof Stellingen wurde ein Afghane zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Der aktuelle Prozess ist bis zum 23. März terminiert.

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