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Cannabis Social Club Hamburg : „Legalize it“: Grünen-Politiker treten Cannabis Club bei

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Trotz Absage eines Modellversuchs im Senat: Grünen-Landeschefin Anna Gallina und Stellvertreter Michael Gwosdz setzen sich weiterhin für eine Legalisierung von Cannabis ein. Die Opposition ist entrüstet.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2015 | 10:07 Uhr

Hamburg | Nun also auf diesem Weg: Hamburgs Grüne mussten zwar das Aus für die kontrollierte Abgabe von Cannabis schlucken, für die Legalisierung des Kiffens treten sie aber weiterhin offensiv ein. Wenige Wochen, nachdem der rot-grüne Senat den Modellversuch zum Verkauf von Hasch und Hanf an Erwachsene abgesagt hatte, sind zwei Spitzenpolitiker der Ökopartei demonstrativ dem Cannabis Social Club Hamburg (CSC) beigetreten.

Landeschefin Anna Gallina und ihr Stellvertreter Michael Gwosdz verbreiteten dazu ein Foto, in den Händen ein Plakat mit der Aufschrift: „Legalize it. Wir bleiben dran!“. Zur Begründung schrieb Gallina: „Ob erlaubt oder verboten, gekifft wird immer. Prohibition hat noch nie funktioniert.“ Auch wenn das Modellprojekt im ersten Anlauf gescheitert sei, gelte: „Neue Wege in Sachen Cannabis-Legalisierung sind überfällig.“

Der Senat hatte auf einen Antrag für das Pilotprojekt verzichtet, nachdem das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einen ähnlichen Vorstoß für Berlin-Kreuzberg abgelehnt hatte. Gallina hält die geregelte Abgabe von Haschisch jedoch weiterhin für richtig, „um die gesellschaftliche Realität in geordnete Bahnen zu lenken, die Suchtprävention zu verbessern, Gesundheitsschäden zu minimieren und den Jugendschutz zu verbessern“. Grünen-Vize-Chef Gwosdz sieht die Legalisierung als „dickes Brett“. Wer das bohren wolle, „braucht nicht nur einen langen Atem, sondern auch starke Verbündete in der Zivilgesellschaft“.

CSC-Vorsitzende Andreas Gerhold freut sich noch über weitere bekannte Politikerzugänge für seinen im Herbst gegründeten Club. Eingetreten sind außer zwei Spitzenvertretern der Hamburger Piratenpartei auch der Bürgerschaftsabgeordnete Deniz Celik sowie die ehemalige Bürgerschafts-Vizepräsidentin Kersten Artus (beide Linke).

Artus verwies darauf, dass mehrere Länder Cannabiskonsum inzwischen erlaubt hätten, zuletzt Kanada. „Das ist vernünftig. So lässt sich bei Missbrauch schneller helfen, illegale Vertriebsstrukturen werden ausgetrocknet.“ Gerhold sieht das überparteiliche Engagement „für eine liberale und vernunftorientierte Drogenpolitik in Hamburg“ gestärkt.

Der Cannabis Social Club ist die bekannteste Kifferlobby im Stadtstaat. Er versteht sich als Interessengemeinschaft von Cannabis-Konsumenten, fordert eine Freigabe des Cannabis-Verkaufs sowie die Erlaubnis zum Anbau von THC-haltigem Hanf für den Eigenbedarf.

Mit Kopfschütteln reagiert die Opposition auf das grüne Kiffer-Engagement. CDU-Familienexperte Philipp Heißner sprach von „Spinnereien“. Es sei ein „verheerendes Signal“ für die Suchtprävention, wenn ausgerechnet die kinder- und jugendpolitische Sprecherin einer Regierungsfraktion dem Cannabis Club beitrete.

Der FDP-Abgeordnete Wieland Schinnenburg warf Gallina dagegen „Scheinheiligkeit der Extraklasse“ vor. Auch die Elbliberalen befürworten eine kontrollierte Abgabe, einem entsprechenden Antrag der FDP hatten die Grünen im Landesparlament kürzlich aber die Zustimmung verweigert. Schinnenburg sarkastisch: „Wechselt die Grünen-Spitze ihre politische Meinung nach Tütenlänge?“

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