zur Navigation springen

Carsharing : Leben ohne eigenes Auto? Hamburg befragt seine Bürger

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Stadt will die Luftqualität verbessern - eigene Autos sollen deshalb Alternativen wie Carsharing-Angeboten weichen.

shz.de von
erstellt am 23.Aug.2016 | 20:19 Uhr

Hamburg | Rot-Grün treibt die Verkehrswende in Hamburg voran. Erstmals will die Stadt nun Anwohnern in dicht besiedelten Quartieren gezielt den Verzicht auf ein eigenes Auto erleichtern und durch den Umbau von Straßen vor allem die Alternative Carsharing fördern. Ziehen die Bürger in den Pilotvierteln Ottensen und Eimsbüttel mit, sollen herkömmliche Parkplätze zurückgebaut und durch Stellplätze für Carsharing-E-Mobile, Fahrradständer und Ruhezonen ersetzt werden, kündigt Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof an.

In Metropolen ist ein deutlicher Trend zu Sharing-Angeboten zu verzeichnen. Zugleich wächst aber die Zahl angemeldeter Individual-Pkw in Hamburg schier unaufhaltsam weiter. Vor allem die Grünen im Senat drängen darauf, dass die Stadt die Akzente in der Verkehrspolitik vom Auto wegbewegen müsse.

„Der durch die wachsende Einwohnerzahl bewirkte Parkdruck und die Notwendigkeit, wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität zu ergreifen, zwingt uns, über moderne Mobilitätslösungen nachzudenken.“ Ziel ist unter anderem eine bessere Luftqualität in den Vierteln sowie eine Stärkung von E-Autos. Für die soll es in einem Straßen mehr Ladestationen geben.

Der Staatsrat versichert, die mögliche Verkehrsrevolution (Titel: „Mehr Flexibilität durch innovative Mobilitätsangebote“) werde keineswegs „von oben“ verordnet. Vorgeschaltet sei eine umfassende Beteiligung der Betroffenen in Dialogveranstaltungen sowie durch eine wissenschaftlichen Befragung. 300 Anwohner geben Auskunft über ihr derzeitiges Mobilitätsverhalten – und dazu, ob und welche Veränderungen sie wünschen. Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorliegen. Der Prozess sei ergebnisoffen, allein das Feedback der Betroffenen entscheide über das weitere Vorgehen, beteuert Rieckhof. Er räumt aber ein, dass schon die Aussicht auf neue Carsharing- und E-Lade-Parkplätze vor der Haustür die Bereitschaft zum Leben ohne eigenen Pkw erhöhen dürfte.

In Ottensen und Eimsbüttel gebe es schon jetzt mehr Fahrzeuge als Parkplätze, heißt es von den Initiatoren, zu denen außer der Stadt und der Hochbahn auch die BMW Group gehört, die mit Drive Now ein eigenes Carsharing-Angebot macht. Die Opposition sieht unter anderem dies kritisch. Der Senat müsse darauf achten, dass BMW nicht mit Hilfe der Stadt Eigeninteressen verfolge und exklusive Stellflächen für seine Mietwagen erhalte. Die Wirtschaftsbehörde weist die Befürchtung zurück. Neue Carsharing-Flächen würden allen Anbietern offenstehen, die auch für die Hochbahn-Plattform Switchh registriert sind. CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering begrüßt das Projekt grundsätzlich, warnt Rot-Grün aber davor, durch Parkplatzvernichtung vollendete Tatsachen zu schaffen. „Es wäre falsch, Menschen in neue Mobilität zu zwingen, indem man ihnen die Möglichkeit nimmt, das Auto zu parken.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen