Hamburg : Laser-Angriff auf Polizeihubschrauber bei G20: Bewährungsstrafe für Angeklagten

Mit einem Laserpointer soll der Verurteilte gegen einen Polizeihubschrauber vorgegangen sein.

Mit einem Laserpointer soll der Verurteilte gegen einen Polizeihubschrauber vorgegangen sein.

„Sie haben das unkalkulierbare Risiko eines Beinaheunfalls billigend in Kauf genommen“, sagte die Vorsitzende Richterin.

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20. Juni 2018, 18:22 Uhr

Hamburg | Es war das G20-Verfahren mit dem schwerwiegendsten Tatvorwurf – gemessen daran ist der Prozess um den Laserangriff auf einen Polizeihubschrauber am Mittwoch mit einem milden Urteil zu Ende gegangen. Das Amtsgericht Altona hat einen Familienvater (27) zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil er am Abend des 6. Juli 2017 aus seiner Altonaer Dachgeschosswohnung mit einem Laserpointer auf die Besatzung des Helikopters „Libelle 2“ gezielt hatte.

Der Schuldspruch erging wegen versuchten schweren Eingriffs in den Luftverkehr und versuchte Körperverletzung. Ursprünglich hatten die Behörden wegen versuchten Mordes ermittelt, da der Hubschrauber hätte abstürzen können. Noch vor Prozessbeginn schwächten die Ankläger die Vorwürfe ab.

Selbst der verbliebene Hauptanklagevorwurf sei in der Verhandlung nicht erwiesen worden, heißt es in der Urteilsbegründung. Pilot und Copilot hatten ausgesagt, dass sie vom Laserstrahl jeweils im rechten Auge getroffen wurden und zehn Sekunden regelrecht blind gewesen seien. Der Hubschrauber habe schlagartig 60 bis 80 Meter Höhe verloren. Das Gericht wies das als „nicht glaubwürdig“ zurück. So hatte die GPS-Messung den Höhenverlust nicht bestätigt. Auch erklärte ein Sachverständiger, eine Blendung nur des rechten Auges sei nicht vorstellbar – es sei denn, das linke wäre aus Glas.

Wegen der großen Entfernung zwischen Helikopter und der Wohnung könne eine ernsthafte Gefährdung der Sehkraft ohnehin ausgeschlossen werden, befand das Amtsgericht. Ob eine kurzfristige Blendung vorlag, lasse sich im Nachhinein nicht feststellen.

Täter kein Teil der Szene

Ohne Strafe kam der 27-Jährige gleichwohl nicht davon. „Sie haben das unkalkulierbare Risiko eines Beinaheunfalls billigend in Kauf genommen“, sagte die Vorsitzende Richterin. Der Laserpointer war nach ihrer Überzeugung eigens für diesen Zweck manipuliert worden und habe einen „massiven Lichtstrahl“ erzeugt. Die Angaben des Angeklagten vor der Polizei, er habe lediglich „Muster an den Himmel gezeichnet“, wertete sie als Schutzbehauptung.

Der Mann hatte im Prozess geschwiegen. Er ist vorbestraft, Hinweise auf eine Zugehörigkeit zur Szene militanter G20-Gegner gibt es nicht. Sein Verteidiger Bernd Wagner hatte im Plädoyer nicht nur Freispruch beantragt, sondern den Polizeipiloten auch Lügen und ein Komplott zulasten seines Mandanten vorgeworfen. Das Verfahren sei „bizarr“ und von „G20-Hysterie“ geprägt. Die von Wagner geforderten Ermittlungen gegen die Beamten wegen Falschaussage lehnte das Gericht ab.

Dafür las die Vorsitzende Richterin den Medien die Leviten. Die Strafe falle auch deshalb so niedrig aus, weil es eine „massive Vorverurteilung wegen Mordversuchs“ gegeben habe. „Das hatte erhebliche Prangerwirkung.“ Der Prozess dauerte 19 Verhandlungstage. In dieser Zeit, so die Richterin mit kritischem Unterton, habe sie 30 andere Verfahren liegen lassen müssen.

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