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Probleme am Hamburg Airport : Lange Wartezeiten am Gepäckband

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Ausgerechnet in den Herbstferien müssen Reisende Geduld mitbringen. Bei der Gepäckabgabe kommt es zu erheblichen Verzögerungen.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2015 | 11:00 Uhr

Hamburg | 126000 Norddeutsche werden bis Mittwoch vom Hamburger Flughafen aus in die Herbstferien starten. Nicht wenige von ihnen sollten sich schon vor dem Abflug auf Wartezeiten bei der Rückkehr gefasst machen. Denn bei der Gepäckausgabe in Fuhlsbüttel kommt es seit Monaten zu teils erheblichen Verzögerungen. In Einzelfällen mussten Reisende mehr als eine Stunde warten, bis sie ihre Koffer in Empfang nehmen konnten. Der verblüffende Hauptgrund: Der Airport findet nicht genügend Mitarbeiter für den Transport des Gepäcks von den Fliegern zu den Bändern.

„Eine Frechheit“, schimpft die Hamburgerin Waltraud Danner, die Ende September bei der Rückkehr aus Faro (Portugal) ihren Koffer erst nach mehr als einer Stunde in Händen hielt. An den Bändern sei die Wartezeit zudem deutlich zu gering angezeigt worden. Wie ihr erging es auch Passagieren anderer Maschinen. Ein dicht gedrängter Flugplan und ungewöhnlich viele Krankheitsfälle beim Abfertigungspersonal hatten die Lage an dem Tag zusätzlich verschärft.

Das Problem sei bekannt, heißt es beim Flughafen, der zugleich aber darauf verweist, dass sich die Wartezeit zumeist im Rahmen halte. Durchschnittlich lägen 13 Minuten zwischen Stillstand des Flugzeugs und dem Erscheinen des ersten Koffers an der Ausgabe; bis zum Ende der Gepäckausgabe dauert es demnach 20 Minuten. Das sind allerdings, so räumt der Airport auf eine Parlamentarische Anfrage hin ein, je zwei Minuten mehr als noch 2014. Auswüchse, wie sie von Fluggästen zuletzt öfter berichtet wurden, seien weiterhin absolute Ausnahme: „Bei weniger als zwei Prozent aller Ankünfte beträgt die Wartezeit mehr als 60 Minuten.“

Hoffnung auf Besserung machen die Verantwortlichen den Passagieren nicht – im Gegenteil. Wörtlich teilt der Flughafen mit: „Zukünftig kann damit gerechnet werden, dass die durchschnittlichen Auslieferungszeiten abhängig vom weiteren Passagierwachstum, der Belastungen zu Spitzenzeiten im Tagesverlauf und der Besetzung der offenen Stellen bei den Bodenverkehrsdiensten durchschnittlich auf bis zu 30 Minuten steigen können.“ Das entspräche einer Zunahme um die Hälfte. Da tröstet es Fuhlsbüttel-Kunden wenig, dass Flughäfen wie München und Düsseldorf über ähnliche Probleme klagen.

Es sei schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden, heißt es bei der für den Gepäcktransport zuständigen Airport-Tochter Groundstars. Dabei haben die Bodendienste ihr Personal seit 2012 um ein knappes Viertel auf 900 Beschäftigte erhöht. In der Gepäckbeförderung sind derzeit 40 Teilzeitstellen unbesetzt. Eine Ursache für die zähe Rekrutierung liege in gesetzlichen Vorschriften. So muss sich jeder Mitarbeiter für den Sicherheitsbereich einer Zuverlässigkeitsüberprüfung unterziehen, die ein polizeiliches Führungszeugnis für die vergangenen zehn Jahre einschließt. Für Zuwanderer, die noch nicht so lange in Deutschland leben, kommt der Job damit nicht in Frage.

Die Gewerkschaft Verdi sieht den Grund für den Personalmangel dagegen in „unattraktiven Arbeitsbedingungen“. Fachbereichsleiter Torsten Ballhause: „Schicht- und Wochenenddienst, teilweise auch Nachtarbeit - aber bezahlt wird nur knapp über dem Mindestlohn von 8,50 Euro.“

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