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Überdeckelung der Autobahn : Lange Gesichter beim A7-Deckel

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Der Bund ist raus: Die Verlängerung des Tunnels, der die Altonaer Bürger vor dem Lärm der A7 schützen sollte, muss von der Stadt Hamburg bezahlt werden.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 20:39 Uhr

Hamburg | Es klingt wie Hohn: Ausgerechnet jene Altonaer Bürger, die vor rund 20 Jahren den Kampf für eine Überdeckelung der Autobahn 7 in Hamburg aufgenommen hatten, könnten nun leer ausgehen. Der Bund hat den lärmgeplagten Anwohnern in dem Bereich eine Abfuhr für die gewünschte Verlängerung des A7-Deckels um 1,3 Kilometer erteilt. Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU) informierte die zehn Hamburger Bundestagsabgeordneten der Großen Koalition darüber, dass Berlin die zusätzlichen Millionenkosten nicht übernehmen wird. Ferlemanns Reaktion auf ein konzertierte Bitte der SPD- und CDU-Parlamentarier aus der Hansestadt ist eindeutig: „Die aus der Errichtung zusätzlicher Tunnelbauwerke entstehenden Mehrkosten sind von Hamburg zu tragen.“

Der Bund will im südlichsten Abschnitt der A7-Ausbaustrecke lediglich den gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutz zahlen – nämlich einen 730 Meter langen Tunnel nördlich und südlich der B 431 (Osdorfer Weg). Auf der übrigen Strecke zwischen Volkspark und Othmarschen soll nach der Verbreiterung von sechs auf acht Spuren nur kostengünstigere Lärmschutzwände sowie in einem Abschnitt eine halbseitige Lärm-Galerie geben.

Nicht nur die Anwohner in Altona, auch die versammelte Politik des Stadtstaats fordert deutlich mehr. Noch im Juni hatte sich eine überwältigende Mehrheit in der Bürgerschaft für die 2030-Meter-Langversion des Altonaer Deckels ausgesprochen. Ob Hamburg nach dem Nein aus Berlin nun selbst in die Bresche springen wird, ist offen.

Insgesamt drei Lärmtunnel soll die A 7 auf Hamburger Gebiet im Zuge des Ausbaus um zwei Fahrspuren erhalten. Gesichert sind die Lärmhauben in Schnelsen (560 Meter) und in Stellingen (980 Meter). Für den südlichsten Abschnitt im Bezirk Altona (Volkspark, Bahrenfeld, Othmarschen) gibt es noch nicht einmal einen Planfeststellungsantrag.

Die ersehnte Verlängerung in dem Bereich dürfte nach groben Schätzungen Mehrkosten von 150 Millionen Euro verursachen. Den Löwenanteil davon will Hamburg durch den Verkauf von Grundstücken am Rande der dann schallgedämpften Autobahn refinanzieren. Die derzeit dort befindlichen Kleingärten sollen auf die Tunneloberseite umziehen und so lukrativen Platz für Wohnungsbau frei machen. Bei dieser Rechnung bleibt ein Loch von rund 20 Millionen Euro – das Berlin nicht stopfen mag. Ablehnend zeigt sich Ferlemann überdies bei der von Hamburg vorgeschlagenen Verlagerung der Autobahnmeisterei am UCI Kino in Othmarschen. Der Bund verlangt nach einem Umzug für das Grundstück übliche Marktpreise, womit sich ein Weiterverkauf an Investoren für die Stadt nicht lohnen würde.

Die Fraktionen der Bürgerschaft haben die Zurückweisung aus Berlin übereinstimmend kritisiert. Die Opposition forderte den Senat zugleich auf, den Langdeckel nun aus dem städtischen Haushalt zu zahlen. Genau das hat SPD-Fraktionschef Andreas Dressel schon zart angedeutet: „Der Senat wird jetzt weiter seine Hauaufgaben machen und eine Entscheidungsvorlage mit ordentlicher Planung und sauberer Kostenschätzung vorlegen.“

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