Hamburger Flughafen : Landungen nach 23 Uhr steigen um 50 Prozent: BUND fordert härteres Durchgreifen

Hamburger Airport

Von der Stadt verhängte Bußgelder in Höhe von etwa 500.000 Euro oder auch eine 2016 vom Flughafen Hamburg und von den Airlines unterzeichnete Pünktlichkeitsoffensive zeigten offenbar keine Wirkung.

Die Halbjahresbilanz 2018 zeigt, dass immer mehr Fluggesellschaften das Nachtflugverbot am Hamburger Airport missachten.

shz.de von
06. Juli 2018, 17:22 Uhr

Hamburg | Normalerweise landet der Lufthansa-Flug LH 34 aus Frankfurt zweimal in der Woche um 22.35 Uhr am Hamburger Flughafen. Doch längst nicht immer ist der Flieger pünktlich. Im vergangenen halben Jahr ist die Maschine 21 Male nach 23 Uhr auf dem Hamburg Airport gelandet und hat damit gegen das Nachtflugverbot verstoßen.

Für den Umweltschutzbund BUND ist dieser Flug ein Paradebeispiel dafür, dass Fluggesellschaften − darunter viele Billigflieger − nicht vereinzelt, sondern reihenweise gegen das Nachtflugverbot von 23 Uhr bis 6 Uhr morgens verstoßen. Und es wird schlimmer, sagt BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch.

Verspätungen um die Hälfte angestiegen

Die Verspätungen im ersten Halbjahr dieses Jahres seien um 50 Prozent auf 589 Verspätungen − 120 Starts, 469 Landungen − gestiegen. Im Vorjahreszeitraum waren es 400 Verspätungen nach 23 Uhr. „Am Hamburger Flughafen muss endlich wirkungsvoll eingegriffen werden“, so Martin Mosel, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Luftverkehr.

Von der Stadt verhängte Bußgelder in Höhe von etwa 500.000 Euro oder auch eine 2016 vom Flughafen Hamburg und von den Airlines unterzeichnete Pünktlichkeitsoffensive zeigten offenbar keine Wirkung. Der BUND tritt für ein konsequentes Nachtflugverbot ab 22 Uhr und fordert die Bürgerschaft auf, in diesem Sinne über die Fluglärm-Volkspetition des BUND zu entscheiden.

Entscheidung nach der Sommerpause im Umweltausschuss

Der zuständige Umweltausschuss will nach der Sommerpause eine Empfehlung an die Bürgerschaft abgeben. Außerdem wirft der Umweltschutzbund dem Senat vor, falsch über die Möglichkeit einer Änderung der Betriebsgenehmigung auf 22 Uhr informiert zu haben. Eine juristische Prüfung, die der BUND in Auftrag gegeben hat, komme zu einem anderen Ergebnis. Die Fraktionsvorsitzenden im Umweltausschuss seien darüber informiert, eine Antwort stehe noch aus. „So darf eine Regierung nicht mit einer Volkspetition umgehen. Die Interessen der zigtausend Fluglärmgeschädigten dürfen nicht lapidar abgebügelt werden“, sagt Braasch.

Wirtschaftssenator Frank Horch widerspricht: „Die Betriebsgenehmigung des Flughafens einschließlich der Regelungen zu den Betriebszeiten ist rechtmäßig. Eine Änderung, wie vom BUND gefordert, ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht möglich.“ Als Gründe dafür, dass es in den vergangenen Monaten „leider zu mehr verspäteten Flügen gekommen ist“, nannte der Wirtschaftssenator besondere Wetterereignisse, Streiks von Fluglotsen und die „Abwicklung des Flugverkehrs im deutschen und europäischen Luftraum“, die weder der  Flughafen noch die Stadt Hamburg beeinflussen könne.

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