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Richtfest in Hamburg-Altona : Landstrom soll Kreuzfahrt-Stinker stoppen

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Kreuzfahrtschiffe brauchen Strom, auch im Hafen. Bislang bleibt deshalb der Schiffsdiesel an. In Altona wird das anders.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2014 | 11:51 Uhr

Hamburg | Der Hamburger Hafen soll sauberer werden: Vom kommenden Jahr an können Kreuzfahrtschiffe ihren Strombedarf am Terminal Altona von Land aus decken. Mit dem Bau einer sogenannten Landstromanlage will die Stadt Umwelt und Anwohner schonen. Seit Juli wird an der zehn Millionen Euro teuren Anlage gebaut, im Sommer 2015 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Am Freitag (11.30 Uhr) feiert die Hamburg Port Authority (HPA) das Richtfest.

Schon heute schalten die meisten Kreuzfahrtschiffe im Hafen zwar ihre Antriebsmotoren ab. Um die Stromversorgung aufrechtzuerhalten, nutzen sie aber zusätzliche Dieselmotoren. Die neue Anlage soll den Ausstoß von Schadstoffen wie Schwefeloxiden, Feinstaub und Kohlendioxid verringern. Neben den Anwohnern werden laut HPA auch Besatzung und Passagiere davon profitieren.

Versorgt werden soll die Anlage mit Energie aus erneuerbaren Quellen. Der Kreuzfahrttourismus ist in Hamburg zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor geworden, in den letzten Jahren haben die Reisen stetig zugenommen: 2014 laufen die Ozeanriesen 189 Mal die Hansemetropole an - so häufig wie nie zuvor. Die Zahl der Ein- und Ausstiege wächst auf 590 000.

Umweltschützer wie der Naturschutzbund (Nabu) kritisieren dieses rege Treiben jedoch als Gesundheitsrisiko. Ein Kreuzfahrtschiff verbrauche selbst im Hafen so viel Energie wie eine 20.000-Einwohner-Stadt, schätzte Malte Siegert vom Nabu-Landesverband. Die Landstromanlage sei daher ein Fortschritt. „Landstrom wird helfen, die Emissionen während der Liegezeit an der Kaikante zu reduzieren“, sagte Siegert.

Doch nach dem Ablegen laufen die Schiffsmotoren wieder. Die Abgase müssten an Bord gefiltert werden, forderte er. „Die Schiffe selbst müssen sauberer werden.“ Aktuell gebe es zudem kaum Schiffe, die den passenden Anschluss für die Altonaer Anlage haben. Tatsächlich erfüllen laut HPA zum Betriebsbeginn nur drei Schiffe der Reederei Aida die Voraussetzungen.

Nach Angaben von Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) wird Hamburg als erster Hafen konkrete Erfahrungen mit dem Betrieb eines festen Landstromanschlusses dieser Größenordnung machen. Die Hamburger Bürgerschaft hatte das Projekt nach langen Diskussionen Ende 2013 einstimmig beschlossen. Die Europäische Union unterstützt die Investition mit 3,5 Millionen Euro, übernimmt also rund ein Drittel der Kosten.

Im Lübecker Hafen war bereits vor sechs Jahren eine Landstromanlage in Betrieb genommen worden, allerdings für Handelsschiffe. Im Oktober wurde in Hamburg zudem ein schwimmendes Kraftwerk für Flüssiggas (LNG) getauft, eine Hybrid-Barge. Kreuzfahrtschiffe der Aida sollen ihren Strombedarf im Hafen von Frühjahr 2015 an auch regelmäßig mit einer Verbindung zu der Barge decken.

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