Wohngebiet in Hamburg-Fuhlsbüttel : „Kundenparkplatz des Flughafens“

Die Gegend in der Nähe des Flughafens ist ein Geheimtipp für sparsame Fluggäste – das sorgt für Unmut bei den Anwohnern.
Die Gegend in der Nähe des Flughafens ist ein Geheimtipp für sparsame Fluggäste – das sorgt für Unmut bei den Anwohnern.

Anwohner haben eine Online-Petition gestartet: Fluggäste sollen Autos nicht mehr im Wohngebiet abstellen dürfen.

shz.de von
04. Februar 2018, 17:26 Uhr

Hamburg | Dicht aneinander gereihte, gepflegte Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten bestimmen das Bild. An den Rändern der engen, teils verwinkelten Straßen lange Reihen geparkter Autos. Hier werden Hunde ausgeführt, dort Kinderwagen geschoben oder Brötchen vom Bäcker geholt. Die beschauliche Gegend zwischen Alsterkrugchaussee, Ratsmühlendamm und Erdkampsweg unweit des Hamburger Flughafens vermittelt beinahe das Bild einer heilen Welt.

Doch besonders im Sommer, zu Weihnachten oder während der Ferienzeiten ist es mit der Beschaulichkeit in diesem Teil Fuhlsbüttels vorbei. Die Gegend hat sich zu einem Geheimtipp entwickelt. Zu einem Geheimtipp für Fluggäste, die kostenfreie Parkplätze suchen. Zu einem Geheimtipp für Firmen, die ihnen von Kunden am Flughafen übergebene Autos dort abstellen. Und zu einem Geheimtipp für die Polizei, die Autos dorthin umsetzen lässt, die widerrechtlich in einer benachbarten Anwohnerparkzone abgestellt worden sind.

Lage ist besonders schlimm während der Ferien in Dänemark

„Fuhlsbüttel wird mehr und mehr ein Kundenparkplatz des Hamburger Flughafens“, heißt es in einer Online-Petition, die der Anwohner Enno Dietrich ins Leben gerufen hat. Das Ziel dieser Petition ist die Einrichtung einer weiteren Anwohnerparkzone östlich der bereits bestehenden, regelmäßig freigeräumten, die unmittelbar ans Flughafengelände grenzt. „Gerade haben zwei junge Leute ihr Auto direkt vor meinem Haus abgestellt und sind dann zum Flughafen gestiefelt“, bestätigt ein Anwohner aus dem Föhrenweg, einer noch engeren, noch verwinkelteren Nebenstraße, das Problem. „Ganz besonders schlimm ist es im Sommer und während der Ferien, besonders während der Ferien in Dänemark.“

Dänische Fluggäste sind eine Zielgruppe, die vom Flughafen medial gezielt angesprochen werden. Mit Parkangeboten, die aber offensichtlich nicht attraktiv genug sind, um die nördlichen Nachbarn zum Abstellen ihrer Autos in den Parkhäusern des Flughafens zu motivieren. Viele fädeln sich stattdessen lieber in den Parkplatzsuchverkehr ein. Es wirkt ein wenig wie Hohn, wenn die Sprecherin des Flughafens betont: „Uns ist an einem guten Verhältnis zu den Flughafenanwohnern gelegen. Dass Fluggäste die Wohnstraßen zuparken, ist überhaupt nicht in unserem Interesse.“ Und es sind nicht nur die Wohnstraßen, die zugeparkt werden. „Es wird wild geparkt, überall, sogar auf Grünstreifen“, so der Anwohner.

Problem erkannt, Problem gebannt? Davon kann keine Rede sein. Die Bezirkspolitik in Gestalt von Regionalausschuss und Bezirksversammlung sieht parteiübergreifend dringenden Handlungsbedarf. „Natürlich unterstützen wir die Petition. Es muss endlich etwas unternommen werden. Die Ausweitung des Anwohnerparkens muss kommen, damit der Parkdruck abnimmt“, betont etwa die CDU-Bezirksabgeordnete Martina Lütjens. Auch die Grünen unterstützen das Ansinnen, betrachten das Problem aber differenzierter. „Konkret für Fuhlsbüttel unterstützen wir die Petition. Derzeit ist die Situation unhaltbar“, sagt ihr Bezirksabgeordneter Timo Kranz, betont aber auch: „Uns geht es um eine moderne Form des Miteinanders der verschiedenen Verkehrsteilnehmer.“ Könnte heißen: Wenn bereits in „normalen“ Zeiten der Parkraum schon weitestgehend belegt ist, könnte ein Teil des Problems schon darin bestehen, dass vor jedem Haus ein eigenes Auto steht.

Entscheidend bei der Problemlösung ist aber die Innenbehörde. Die hat den Landesbetrieb Verkehr mit einer Untersuchung beauftragt. Liegen deren Ergebnisse vor, sollen sie mit weiteren Fachbehörden, Polizei und Bezirksamt besprochen werden. Ach ja, Anwohner sollen auch befragt werden. Deren Unterstützung hängt allerdings in den Seilen. Zwei Wochen läuft die Petition noch, und bisher ist erst etwas mehr als ein Viertel der beabsichtigten Stimmenanzahl zusammen gekommen.

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