Alsterufer : Kühne nennt Hamburger Fahrradstraßen „Albtraum“

Ein Radfahrer auf der neuen Fahrradstraße an der Außenalster in Hamburg.
1 von 2
Ein Radfahrer auf der neuen Fahrradstraße an der Außenalster in Hamburg. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Der Außenalster-Radweg liegt am Luxushotel-Neubau des Milliardärs. Bezirksamt kontert: Planung mit Kühne abgesprochen.

shz.de von
10. Dezember 2014, 17:03 Uhr

Hamburg | Hamburgs neue Fahrradstraße an der Außenalster stößt bei dem Logistik-Unternehmer und Neu-Hotelier Klaus-Michael Kühne (77) auf vehemente Ablehnung. „Das ist ein Albtraum“, sagte der Milliardär dem Hamburg-Teil der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstag). „Fahrradfahren ist eine schöne Sache, aber das sollte man eher im Grünen tun.“

Der gebürtige Hamburger mit Wohnsitz in der Schweiz lässt gerade an der westlichen Außenalster ein Luxushotel an der Straße Fontenay bauen - in Nachbarschaft zum Harvestehuder Weg, von dem am Mittwoch ein erster Abschnitt als Fahrradstraße freigegeben wurde. Nur Anlieger können noch mit Autos oder Lkw dort entlangfahren.

Die Verkehrspolitik in Hamburg war jahrzehntelang vor allem Autopolitik. Deutschlands zweitgrößte Stadt ist geprägt von vielspurigen Autoschneisen und oft maroden Kombinationen aus Rad- und Fußwegen. Die Verkehrspolitik steht im Zentrum des aktuellen Bürgerschaftswahlkampfs. Dabei geht es neben dem Radverkehr auch um den öffentlichen Verkehr. Die CDU (hier das Wahlprogramm) spricht sich dabei für ein besseres Baustellenmanagement auf den Straßen, die Abschaffung der Gebühren für Park+Ride-Parkplätze und den Bau einer Stadtbahn aus. Die SPD (endgültiges Wahlprogramm wird am 13. Dezember beschlossen) setzt auf Busspuren, mehr Radwege und den Bau einer neuen U-Bahn. Die Wahl ist am 15. Februar.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) wies Kühnes Äußerungen scharf zurück. „Das ist eine ewig gestrige Ansicht“, sagte Pressesprecher Dirk Lau. „Solch eine Meinung können wir nicht ernst nehmen.“ Immer mehr Menschen bemerkten, dass das Fahrrad in der Stadt das schnellste und attraktivste Verkehrsmittel sei. Auch die Politik habe das in Hamburg erkannt.

Der Bezirksamtsleiter von Eimsbüttel, Torsten Sevecke (SPD), zeigte sich von Kühnes Kritik überrascht. Die Planung sei mit dessen Gruppe abgesprochen worden. „Seine Projektsteuerung war einverstanden. Wir haben bisher von niemandem eine Rückmeldung dieser Art bekommen.“ Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD) fügte hinzu: „Das ist möglicherweise eine Ferndiagnose aus der Schweiz.“ Das Straßenbauprojekt sei das schnellste der vergangenen Jahre gewesen, erklärte Sevecke.

Zu den übrigen Reaktionen in dem Nobelviertel sagte der Bezirksamtsleiter: „Das wird von den Anliegern mit verhaltener Skepsis zur Kenntnis genommen.“ Rieckhof betonte, die neue Fahrradstraße sei ein „Signal, dass es der Senat es mit der Förderung des Radfahrverkehrs ernst meint“. Es gebe bereits eine Reihe von Fahrradstraßen in Hamburg. Der neue Abschnitt werde ein Teil zweier Fahrradachsen westlich und östlich der Außenalster sein.

Die Zahl der Fahrradfahrer und ihr Anteil am Gesamtverkehr steigen nach seinen Angaben seit den 90er-Jahren. Die genauen Zahlen soll eine Studie im nächsten Jahr ermitteln. Eine automatische Zählstelle an der Außenalster erfasste in den ersten zwei Monaten nach Aufstellung 280.000 Radler, allein am regnerischen Morgen und Vormittag des Mittwochs waren es 1400.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen