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Kriminalitätsstatistik 2014 : Kriminalität in Hamburg leicht gestiegen

vom

2014 gab es 8,2 Prozent mehr Einbrüche in der Hansestadt - allerdings scheiterte jeder zweite Einbruchsversuch.

shz.de von
erstellt am 19.Mär.2015 | 16:30 Uhr

Hamburg | Mehr Wohnungseinbrüche, Körperverletzungen, Jugendstraftaten und Taschendiebstähle, aber weniger Straßenraube und Tötungsdelikte: Hamburgs Kriminalitätsstatistik für 2014 bietet das gewohnte uneinheitliche Bild. „Hamburg ist eine sichere Stadt. Aber es gibt Licht und Schatten“, räumte Innensenator Michael Neumann (SPD) am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen im Polizeipräsidium ein. Insgesamt stieg die Zahl der festgestellten Straftaten im vergangenen Jahr um 0,8 Prozent auf 239.998. Die Zunahme wäre aber deutlicher ausgefallen, hätte sich die Erfassung von Internet-Kriminalität nicht geändert. Durch die neue, bundesweit einheitliche Zählweise fielen fast 4000 Fälle von Cyber Crime aus der Statistik.

Besonderes Kopfzerbrechen bereitet dem Senator die Entwicklung bei Straftaten von Jugendlichen und Kindern. Erstmals seit 2009 stieg die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren wieder an - und zwar kräftig auf 16.000 (+16 Prozent). Der Großteil des Zuwachses entfalle auf eine „relativ kleine Gruppe hochdelinquenter unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge“, sagte Polizeipräsident Ralf Meyer. Diese, vor allem aus Nordafrika kommenden Kinder und Teenager hatten als organisierte Taschendiebbanden auf St. Pauli für Schlagzeilen gesorgt. 31 unbegleitete junge Flüchtlinge führt die Polizei als Intensivtäter. Die Gewaltdelikte von jungen Menschen nahmen um 4,7 Prozent auf 2246 zu.

Zweites großes Problemfeld sind Wohnungseinbrüche, die um mehr als acht Prozent auf 7500 zunahmen. Und das trotz personalintensiver Schwerpunkteinsätze gegen Profi-Banden. Meyer: „Das muss uns Anlass zur Sorge geben.“ Trösten können sich Ermittler und Bürger immerhin damit, dass fast jeder zweite Einbruchversuch scheitert. Grund ist laut Polizei eine immer bessere technische Sicherung von Wohnungen und Häusern durch die Bewohner. Bei Kfz-Diebstählen gab es eine leichte Zunahme um 2,6 Prozent.

Wenig erfreulich ist auch die Entwicklung bei Körperverletzungen (+1400 auf 22.200 Fälle). Der mit Abstand gefährlichste Ort bleibt dabei das Amüsierviertel St. Pauli, wo weit mehr als ein Drittel aller Hamburger Körperverletzungen passieren. Der Polizeipräsident: „Immer wenn es warm ist und etwas zu feiern gibt, häufen sich diese Delikte auf St. Pauli und auch in St. Georg.“

Die Gewaltkriminalität insgesamt lag 2014 mit 8727 Taten konstant hoch (+0,7 Prozent). Bei Tötungsdelikten ist der Trend nicht einheitlich. Während die Gesamtzahl bei Mord und Totschlag auf 47 Fälle sank (2014: 56), gab es mit 20 vollendeten Taten sehr viel mehr als im Jahr zuvor (13). Bei Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen stiegen die Fallzahlen um elf auf 167. Hier erhöhten sich insbesondere die versuchten Taten (+14 Fälle), während die vollendeten um drei Fälle abnahmen.

Erfreulichster Einzelaspekt der Statistik ist der Rückgang bei den Raubdelikten um gut zehn Prozent. Die Zahl der Handtaschenraube halbierte sich. Die Zahl der Straftaten hängt von vielen Verlockungen ab. Neumann nannte als Beispiele den Einfluss des schönen Wetters und die Entwicklung auf dem Smartphone-Markt. Wenn Menschen im sonnigen Biergarten säßen und mit ihrem iPhone 6 herumspielten, fühlten sich Diebe schnell angezogen, erklärte der Senator. Ein iPhone 5 werde bereits deutlich weniger gestohlen. „Ein iPhone 4 können Sie schon liegenlassen und Geld drauflegen und keiner nimmt's mit.“

Der Innensenator versprach, die Polizei werde insbesondere bei Raub, Diebstahl und Gewalt „deutlich dagegenhalten“. Anspruch müsse es sein, Kriminalität einzudämmen und die Aufklärungsquote zu steigern. Letztere hat sich mit 43,9 Prozent nur unwesentlich verbessert (43,7 Prozent).

Die Opposition sprach von einer schlechten Bilanz. CDU-Innenexperte Dennis Gladiator: "Besonders erschütternd ist es, dass nach Jahren des Rückgangs auch die Jugendkriminalität wieder angestiegen ist." Er forderte die Schaffung von 400 zusätzlichen Polizistenstellen. Markus Lorenz

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