Neue LNG-Schiffe : Kreuzfahrt-Riese Aida stellt Nachhaltigkeitsbericht vor

Marktführer Aida bestellt immer größere Schiffe. Doch Umweltschützer sind sich einig: Die weißen Riesen jagen Unmengen an Schadstoffen in die Luft.

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24. Juli 2015, 07:04 Uhr

Hamburg | Der deutsche Kreuzfahrtriese Aida hat eine positive Bilanz seiner Bemühungen für umweltfreundlichere Schiffsreisen gezogen. „Aida zeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg und umweltbewusstes Handeln kein Widerspruch sein müssen“, sagte die Umweltdirektorin des Unternehmens, Monika Griefahn, am Freitag bei der Vorstellung des Nachhaltigkeitsberichts in Hamburg. Größtes Problem der Flotte sind die Unmengen giftiger Abgase aus der Verbrennung von Schweröl. Griefahn versicherte, es gebe schrittweise Verbesserungen und künftig auch umweltfreundlichere Schiffe.

Vor zwei Jahren hatte Aida angekündigt, bis 2016 rund 100 Millionen Euro in Umwelttechnik zu investieren. Erst im Juni hatte Aida zwei Kreuzfahrtschiffe bei der Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg bestellt. Sie sollen ausschließlich mit dem umweltfreundlicheren Flüssigerdgas LNG betrieben werden. Denn das größte Problem ist der Dreck aus dem Schornstein.

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif lobte den eingeschlagenen Kurs als guten Einstieg. Aida-Passagiere können eine freiwillige Klimaabgabe an die Organisation „atmosfair“ zahlen, deren Schirmherr Latif ist. Das Geld fließt in Klimaprojekte. Man werde aber genau auf die Maßnahmen des Aida-Konzerns mit Sitz in Rostock achten, mahnte Latif.

Seit diesem Jahr gelten strengere Umweltauflagen in Nord- und Ostsee. Demnach müssen Schiffe leichteren Treibstoff mit einem Schwefelgehalt von maximal 0,1 Prozent verwenden oder Abgase reinigen. Ab 2020 soll das besonders giftige Schweröl ganz verboten sein.

Umweltschützer kritisieren die Schifffahrtsbranche als großen Luftverschmutzer. Landstromanlagen im Hafen oder die Hamburger LNG-Barge seien keine Lösung. Denn sobald der Stecker gezogen sei, würden die üblichen Abgasmengen in die Luft geblasen. Auch die sogenannten Scrubber, die das Rauchgas reinigen, lehnen die Umweltschützer ab, weil die Filterreste als Sondermüll an Land oder einfach im Meer entsorgt würden.

Umweltverbände fordern darum, dass alle Schiffe mit Filtern für Rußpartikel und Stickoxide ausgestattet werden müssen. Zudem dürfe nur noch sauberer Treibstoff verfeuert werden.

Auch Hamburg profitiert vom Kreuzfahrt-Boom. Im Jahr 2000 legten in der Hansestadt 29 Schiffe an. 2014 waren es bereits 189. Im Juni wurde das dritte Kreuzfahrt-Terminal eröffnet. Weitere Liegeplätze für Passagierschiffe gibt es in der Hafencity und in Altona.

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