Pläne des Bundes : Kostenloser Nahverkehr in Hamburg kostet eine „Elphi“

Ein Zug der U3 vor der Elbphilharmonie. In den letzten Jahren sind die Fahrkartenpreise in Hamburg stetig gestiegen.
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Ein Zug der U3 vor der Elbphilharmonie. In den letzten Jahren sind die Fahrkartenpreise in Hamburg stetig gestiegen.

Der Hamburger Verkehrsverbund rechnet vor, dass Steuerzahler für den kostenlosen ÖPNV in der Hansestadt jährlich 830 Millionen Euro aufbringen müssten.

shz.de von
14. Februar 2018, 07:41 Uhr

Hamburg | Ein kostenloser Nahverkehr (ÖPNV) in Hamburg käme nach Angaben der Verkehrsbehörde extrem teuer. Der Hamburger Verkehrsverbund HVV erziele durch den Fahrscheinverkauf jährlich rund 830 Millionen Euro (2017), „das ist in etwa eine 'Elphi' pro Jahr“, sagte ein Sprecher der Behörde. Diese Mittel müssten beim Gratis-Angebot zusätzlich vom Steuerzahler aufgebracht werden. Die Elbphilharmonie hatte knapp 800 Millionen Euro gekostet. Für mehr Luftreinheit in deutschen Städten erwägt der Bund zusammen mit Ländern und Kommunen einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, um die Zahl privater Fahrzeuge zu verringern.

Deutschland droht eine Klage aus Brüssel, weil seit Jahren in vielen Städten von der EU festgelegte Grenzwerte beim Ausstoß von Stickoxiden nicht eingehalten werden – diese gelten als gesundheitsschädlich. Daneben drohen in Deutschland gerichtlich erzwungene Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge. Eine wichtige Quelle für Stickoxide ist der Autoverkehr – vor allem Dieselfahrzeuge.

Der HVV befördert jetzt schon jährlich rund 770,5 Millionen Fahrgäste. Sollten noch mehr hinzukommen, dürften sich Kapazitätsprobleme abzeichnen. Es sei nicht leistbar, umgehend mehr Busse und Bahnen in Fahrt zu bringen, sagte der Behördensprecher.

 

Auch hierfür müsse zunächst die Finanzierung geklärt werden und darüber hinaus die Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Für den Ausbau von U- und S-Bahnen sind zudem langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren zu durchlaufen. So werden in Hamburg die Planungen für eine neue nördlich U-Bahn-Linie U5 derzeit zwar konkreter, erste Bauarbeiten könnten, selbst wenn alles glatt läuft, nach Angaben der Betreiber aber erst 2021 starten.

Kommunen: Kostenloser Nahverkehr auf die Schnelle unmöglich

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund reagiert zurückhaltend auf die überraschenden Überlegungen der Bundesregierung, in von Autoabgasen belasteten Städten Bürger gratis mit Bus und Bahn fahren zu lassen. „Das kann höchstens ein langfristiges Zukunftsprojekt werden“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Mittwoch). Erforderlich seien deutlich mehr Fahrzeuge und Personal. Und es stelle sich die Frage, wer die Kosten trägt. „Die Kommunen und Verkehrsbetriebe können es jedenfalls nicht bezahlen“, sagte er. Die Einnahmen von rund 13 Milliarden Euro pro Jahr im öffentlichen Nahverkehr würden auch für den Betrieb benötigt, um besser zu werden und Angebote auszubauen.

Die Grünen halten der Bundesregierung Aktionismus vor. „Jetzt, wo die EU-Kommission mit Sanktionen wegen zu hoher Stickoxidwerte droht, zaubern Altmaier, Hendricks und Schmidt den kostenlosen ÖPNV wie das Kaninchen aus dem Hut“, sagte Fraktionsvize Oliver Krischer der „Rheinischen Post“. Wer ernsthaft die Luft schnell sauber machen wolle, „der sorgt für die Nachrüstung von Millionen Pkw auf Kosten der Hersteller und führt die Blaue Plakette ein“, sagte er. Eine solche Plakette bekämen saubere Autos, die in neuen Umweltzonen trotzdem fahren dürften.

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