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Absage für Olympia : Kommentar: Hamburg vergibt eine große Chance

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Olympia ist in der Elbe versunken – ein große Chance ist damit vertan. Ein Kommentar von Jürgen Muhl.

shz.de von
erstellt am 30.Nov.2015 | 07:31 Uhr

Hamburg | Kiel feierte kurz. Vielleicht eine gute Stunde. Dann war es mit der Olympia-Euphorie vorbei. Eine Euphorie, die Hamburg nur in Kreisen der Wirtschaft und großen Teilen der Politik erreichte. Weil Hamburg von der Kieler Mehrheit in Höhe von über 65 Prozent nur träumen konnte, ist der große Traum von Olympischen Sommerspielen im Jahr 2024 in Hamburg und Schleswig-Holstein geplatzt. Die Mehrheit der Hamburger, die ihre Stimme abgegeben haben, lehnt das größte Sportevent der Welt vor der eigenen Haustür ab. Entgegen allen Prognosen. Entgegen allen Meinungen der Multiplikatoren in der Hansestadt, in der die Wirtschaftskraft den Ton immer dann angibt, wenn es um Kraftakte für die Zukunft geht. Eine olympische Zukunft, verbunden mit hohen Investitionen in die Infrastruktur einer Stadt, die in der Welt ein hohes Ansehen genießt, wird es nicht geben. Damit hat Hamburg eine große Chance vertan. Die geplante Olympic-City rund um den Hafen ist in der Elbe versunken. Und damit eine Vision des gesamten deutschen Sports.

Gewiss, der Weg zu den Olympischen Sommerspielen 2024 wäre auch bei einem notwendigen Quorum von 260.000 Stimmen ein langer gewesen. Los Angeles, Paris, Rom und Budapest haben Hamburg bereits vor dem Start hinter sich gelassen. Was aber nicht für diese Metropolen spricht. Denn Hamburg hat die Bürger entscheiden lassen. Ein Akt von Demokratie, der allerdings die Hansestadt ein gutes Stück Zukunft kostet. Die gegenwärtige Gefechtslage hat Hamburg beeinflusst: Terrorismus, Fifa- und DFB-Skandal. Auch die Diskussion über die Flüchtlings-Situation. All dies hat die zum Sport tendierende Gesellschaft beeinflusst. Die aktuelle Angst, aber auch das Aufbegehren gegen Korruption im Sport, dazu die Alltagssorgen, haben das „Jetzt“ zum Sieger über den Mut in die Zukunft gemacht. Verloren hat auch die Politik: Eine Wahlbeteiligung von über 50 Prozent in Hamburg zeigt, dass Bürger an die Urne gehen, wenn sie verstehen, um was es geht.

 

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