Prognose für Hamburg : Klimaexpertin: Mehr Hitzetage im Sommer, weniger Frosttage im Winter

Eine exakte Vorhersage der Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs auf Hamburg ist schwierig.

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09. Oktober 2018, 17:36 Uhr

Hamburg | Die Prognosen des Weltklimarats bedeuten nach Überzeugung Hamburger Klimaforscher auch für die Metropolregion mehr Hitzetage im Sommer, weniger Frosttage im Winter, häufigere starke Niederschläge und einen Anstieg des Meeresspiegels.

Wie sehr sich die Szenarien bei einem Anstieg der weltweiten Temperatur um 1,5 Grad und bei 2,0 Grad unterscheiden, lasse sich aber nur schwer vorhersagen, erklärte die Direktorin des Climate Service Centers in Hamburg, Daniela Jacob, am Dienstag. So gebe es derzeit drei Tage im Jahr mit Temperaturen von über 30 Grad. Künftig könnten es null bis acht Tage mehr sein, sollte sich das Klima um 1,5 Grad erwärmen, und null bis zehn Tage mehr, sollte die globale Temperatur um 2,0 Grad zulegen.

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Die Zahl der jährlichen Frosttage könnte je nach Szenario um 22 oder gar 28 abnehmen. Derzeit falle die Temperatur in Hamburg pro Jahr im Schnitt an 74 Tagen unter null Grad. Für den Obstanbau im Alten Land könnten sich die Bedingungen verschlechtern, erklären Jacob und Kollegen in einem neuen Flyer. Die jährlichen Frostperioden seien für viele Obstbaumsorten wichtig. Sie regulierten den Biorhythmus und hielten Schädlinge in Schach.

Den Meeresspiegelanstieg sieht Jacob nicht in erster Linie als ein Sicherheitsproblem. Für bedrohlich hält die Forscherin jedoch die Versalzung küstennaher Böden durch eindringendes Meereswasser. Da könne ein um zehn Zentimeter geringerer Anstieg viel ausmachen. Wie sich die Zahl der Stürme in den beiden Szenarien darstelle, könne für Norddeutschland noch nicht gesagt werden. Auch die Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere müssten noch genauer erforscht werden.

Weltklimarat fordert schnelles Handeln

Angesichts der großen Ungewissheiten hält es die Mitautorin des neuen Sonderberichts für wichtig, dass Hamburg seine Chancen bei der Energiewende wahrnimmt. „Hamburg könnte seine Vorreiterrolle ausbauen“, sagte Jacob. Als positives Beispiel erwähnte sie ein Projekt der Kupferhütte Aurubis zur Nutzung der Abwärme. Know-how sei auch in der Hamburger Metropolregion vorhanden. So hätten die Stadtwerke Stade Erdkabel entwickelt, die den umgebenden Boden sehr viel weniger erwärmten als üblich. Der Wärmeeffekt ist für viele Bauern ein Grund, sich gegen neue unterirdische Stromtrassen auszusprechen.

Der Weltklimarat der Vereinten Nationen fordert in einem am Montag in Südkorea vorgestellten Sonderbericht rasches Handeln in allen Bereichen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Im Pariser Klimaabkommen hat die Weltgemeinschaft sich darauf verständigt, den Klimawandel bei deutlich unter zwei Grad zu bremsen, möglichst aber schon bei 1,5 Grad. Wissenschaftler wurden beauftragt, auszuarbeiten, ob und wie das machbar ist.

Der Anstieg um 1,5 Grad bezieht sich nach Angaben von Jacob auf den Mittelwert der Jahre 1850 bis 1900. Seitdem habe sich das Klima bereits um knapp ein Grad erwärmt. Die Forderung des Weltklimarats bedeutet also, die weitere Erwärmung auf ein halbes Grad zu beschränken, und zwar vor allem durch die Begrenzung des CO2-Ausstoßes. Das Climate Service Center Germany (Gerics) ist eine Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg).

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