Projekte für ITS-Kongress 2021 : Kleinbusse ohne Fahrer sollen ab 2021 durch Hamburg rollen

Ein autonom-fahrender Mini-Bus. /Archiv
Ein autonom-fahrender Mini-Bus. /Archiv

Hamburg hat viel vor in Sachen Verkehr. Wie geht es voran? Verkehrssenator Frank Horch hat Auskunft gegeben.

shz.de von
19. Juni 2018, 14:03 Uhr

Hamburg | Kann schon sein, dass die Hamburger den Verkehr in ihrer Stadt im Jahr 2021 kaum wieder erkennen. Was dann auf auf Schienen und Straßen rollt, dürfte sich erheblich vom Jetzt-Zustand unterscheiden: autonome Autos, Busse und U-Bahnen, digital vernetzte Parkplätze, Busse auf Anforderung – das sind einige von 30 Zukunftsprojekten, mit denen Hamburg 2021 als Gastgeber des Weltverkehrskongresses ITS glänzen will. Drei davon werden vom Bund mit 11,5 Millionen Euro gefördert. ITS steht für „Intelligente Transportsysteme“.

„Wir werden den Verkehr flüssiger, einfacher und effizienter machen“, versprach Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) am Dienstag bei einem Zwischenbericht zu den ITS-Vorbereitungen an. Moderne Mobilität soll es in drei Jahren nicht nur am grünen Tisch für die rund 10.000 Teilnehmer des Kongresses „Intelligent Transport Sys­tems“ geben, sondern auch im echten Leben der „Modellstadt Hamburg“.

Die wichtigsten Projekte im Überblick:

  • Autonomes Fahren: Ab diesem Jahr richtet die Stadt einen neun Kilometer langen Rundkurs für automatisiertes und vernetzes Fahren ein. Die Strecke reicht von der Messe über Landungsbrücken und Elbphilharmonie bis Dammtor. Ab Anfang 2021 sollen verschiedene Hersteller dort Kleinbusse im Großstadtverkehr testen, die ohne Fahrer, aber aus rechtlichen Gründen mit Begleitpersonen unterwegs sind. Ampeln werden zu Datenvermittlungspunkten umgerüstet. Horch: „Wir erhoffen uns weniger Unfälle, effizienteren Verkehr und weniger Emissionen.“ Ein ähnlicher Test ist ab 2019 in der Hafencity vorgesehen.
  • On-Demand-Shuttle: In der zweiten Julihälfte starten die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) und die Deutsche Bahn ein öffentliches Angebot für Busse auf Anforderung in Osdorf und Lurup. Fahrgäste mit ähnlichen Routen werden automatisch zu Fahrgemeinschaften gebündelt und gemeinsam befördert. Gebucht wird per App.
  • Automatische HVV-Tickets: Bei „Check-in/Be-out“ meldet sich der HVV-Fahrgast beim Besteigen von Bus und Bahn per Smartphone an. Den Ausstieg registriert das System selbstständig, das stets den günstigsten Fahrtarif für den Kunden ermittelt und übers Konto abrechnet – etwa bei mehreren Fahren ein Tagesticket. Der interne Testbetrieb mit drei Systemanbietern startet im Juli auf Bus- und Bahnlinien in Hamburg und im Umland.
  • Sensoren für Parkplätze: Im vierten Quartal 2018 erhalten Hunderte öffentliche Parkplätze in der City und der Hafencity Sensoren, die dem Nutzer melden, ob der Platz frei ist. Die App „Park and Joy“ wird seit Winter in Wandsbek getestet. Ausgewählt wurden St. Georg (180 Parkplätze), Neustadt (210), Altstadt (180) und Hafencity (30).
  • Wärmebildkameras: Wärmebildkameras an Ampeln und Lichtmasten sollen ab Ende 2019 die Verkehrsströme in der City erfassen, flächendeckend und in Echtzeit. Sie erkennen Pkw, Lkw, Fahrradfahrer und Fußgänger aufgrund der Wärmestrahlungen, werden laut Senat aber weder Gesichter noch Nummernschilder identifizieren. Bis Ende 2019 werden an rund 220 innerstädtischen Standorten Ampeln und Beleuchtungsmasten ausgestattet.
  • Radfahrer werden an 44 Standorten gezählt: Das geplante Zählnetz soll Daten über den Radverkehr erheben und helfen, ihn besser zu steuern und zu planen. Die Zähler stehen an Velo-Routen und vor allem in der Innenstadt.
Die Teststrecke für das automatisierte Fahren.
BWVI
Die Teststrecke für das automatisierte Fahren.

„Wir erhoffen uns davon weniger Unfälle, einen effizienteren Verkehr und damit weniger Emissionen“, sagte Horch. Im Rahmen ihrer ITS-Strategie kooperiert die Stadt mit Unternehmen wie VW, BMW, Daimler, Deutsche Bahn und Here Technologies, sei aber offen für weitere Anbieter. Es gibt noch keinen rechtlichen Rahmen für komplett autonome Fahrzeuge im öffentlichen Raum.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen