Hamburger Schanze : Kinder demonstrieren gegen Smartphones

Mit einer Veranstaltung auf Facebook lädt Emil alle Kinder ein, mit ihm auf die Straße zu gehen.

Mit einer Veranstaltung auf Facebook lädt Emil alle Kinder ein, mit ihm auf die Straße zu gehen.

Unter dem Motto „Spielt mit mir! Nicht mir Euren Handys!“ ruft der siebenjährige Initiator, Emil, zum Protest.

shz.de von
05. September 2018, 15:19 Uhr

Hamburg | Eine Fahrt mit der U-Bahn, der Wagon ist relativ voll, dennoch ist es gespenstisch still. Fast jeder der Reisenden starrt auf sein Smartphone: Mal schnell Whatsapp checken, Twitter durchscrollen und Instagram-Herzchen verteilen. Dem siebenjährigen Emil reicht es: „Papa, du hörst mir gar nicht richtig zu. Alle hier gucken nur in ihre Handys.“ Das berichtete das Hamburger Abendblatt.

Um etwas dagegen zu tun, hat der Siebenjährige jetzt eine Demonstration geplant. Sein Motto: „Spielt mit Mir! Nicht mit Euren Handys!“ Er will damit erreichen, dass Eltern weniger Zeit am Smartphone verbringen. Emil lädt am Dienstag um 11 Uhr zur Demonstration. Start ist an der Feldstraße, dann geht es entlang der Schanze (Schulterblatt) bis zum Lindenpark.

Dass Bürger auf die Straße gehen können, wenn ihnen etwas nicht passt, hat er bei einer Veranstaltung „seines“ Vereins, dem FC St. Pauli, gelernt. Seine Eltern unterstützen ihn dabei, obwohl die Demonstration sie ebenso kritisiert. „Emil hat mich einfach immer wieder gefragt, wann ich endlich bei der Polizei anrufe. Ich musste mich also um sein Anliegen kümmern“, sagte seine Mutter Lisa Rustige dem Abendblatt.

Seine Mitschüler beschäftigt die Fixierung der Eltern auf ihre Mobiltelefone auch. Im Internet findet Emil ebenfalls Zuspruch, etwa von dem Hamburger Basketball-Team „Towers“:

Der Eindruck täuscht nicht

Und tatsächlich: Bei den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen sind Smartphone und Internet nach einer neuen Studie die Gewinner der vergangenen fünf Jahre. Auf der Strecke bleiben dagegen immer häufiger echte Sozialkontakte wie Besuche bei den Großeltern oder Treffen mit Freunden. Das geht aus der repräsentativen Studie Freizeit-Monitor hervor, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Für die aktuelle Studie ließ die Stiftung für Zukunftsfragen im Juli rund 2000 Bundesbürger ab 14 Jahren danach befragen, wie sie ihre Freizeit verbringen.

Vorbildfunktion der Eltern

Der „Internetguide für Eltern“ weist in diesem Kontext darauf hin, dass Mütter und Väter bereits viel damit erreichen können, dass sie ihre eigene Mediennutzung reflektieren. Das sollten die Eltern unabhängig davon, ob sie während gemeinsamen Aktivitäten WhatsApp-Nachrichten, E-Mails oder Posts in Sozialen Netzwerken schreiben oder sich durch Videos im Netz oder auf dem Smartphone ablenken lassen. Den Eltern wird geraten immer abzuwägen, ob sie in dem Moment darauf verzichten könnten. Die Eltern sollten bei sich, wie auch bei ihren Kindern, ein Auge darauf haben, wie lange und wie häufig sie Medien nutzen.

Kopf hoch und weg vom Bildschirm

Die Initiative für eine gesunde Mediennutzung „Schau hin!“ empfiehlt, mit der gesamten Familie Medienauszeiten zu machen. „Es ist wichtig, auch einmal nicht erreichbar zu sein und von unserem schnelllebigen Alltag und der Fülle an Informationen Abstand zu gewinnen. Eine Medienauszeit bietet Kindern Ruhe, Zeit und Aufmerksamkeit, auch mal ohne PC, Handy und Co. ihre Freizeit zu gestalten“, schreiben sie auf ihrer Website.

Bei der Medienauszeit legen alle Familienmitglieder gemeinsam fest, welche Geräte sie zu welchen Zeiten nicht nutzen wollen. Das könnte beispielsweise eine medienfreier Tag pro Woche sein. An diesem Tag bietet es sich an, alternative gemeinsame Aktivitäten mit der Familie einzuplanen.

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