Verdacht der Geldwäsche : Kiel: Angeklagte im Millionen-Prozess um Schiffskredite weisen Vorwürfe zurück

Am Landgericht Kiel hat der Prozess gegen zwei Männer begonnen.
Am Landgericht Kiel hat der Prozess gegen zwei Männer begonnen.

Es geht um beinahe acht Millionen Euro Provisionen, die laut Anklage ohne Gegenleistung geflossen sind.

shz.de von
16. August 2018, 15:32 Uhr

Kiel | Wegen einer Provision ohne Gegenleistung in Höhe von 7,6 Millionen Euro müssen sich ein Schweizer Finanzdienstleister und ein Kieler Anwalt vor dem Landgericht Kiel verantworten. Den Männern wird im Zusammenhang mit einem angeblich vermittelten Schiffskredit an einen Bremer Reeder schwerer Betrug beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen. Beide hätten sich eine fortlaufende Einnahmequelle verschaffen wollen. Es sei ihnen darauf angekommen, eine Provision ohne Gegenleistung zu erhalten. Der Rechtsanwalt sollte für seine Dienste zehn Prozent der Provisionssumme erhalten.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor dem Landgericht zunächst Geldwäsche angeklagt, die Wirtschaftsstrafkammer eröffnete aber ein Betrugsverfahren. Beide Angeklagten im Alter von 50 Jahren wiesen die Vorwürfe am Donnerstag zurück, wollten sich zunächst aber nicht weiter äußern, erklärten ihre Verteidiger. Nach derzeitigem Verfahrensstand wolle man Freispruch erreichen, sagte Rechtsanwalt Urs-Erdmann Pause am Rande des Verfahrens. Es seien Risikogeschäfte gewesen, die Vertragsinhalte würden seitens der Ankläger falsch widergegeben.

Laut Anklage soll der Finanzdienstleister 2013 dem Bremer Reeder die Beschaffung eines Kredits zum Bau von Containerschiffen in Höhe von 152 Millionen Euro zugesagt haben – gegen Zahlung einer Provision in Höhe von rund 7,6 Millionen Euro, die in US-Dollar gezahlt wurde.

Während das Geld für die Provision in mehreren Tranchen über ausländische Konten auf ein extra angelegtes Konto des mitangeklagten Rechtsanwalts ging, soll die angebliche Bank-Garantie für die Schiffskredite nur auf dem Papier existiert haben, trug die Staatsanwaltschaft vor.

„Züge der organisierten Kriminalität“

Wäre nicht die Kieler Sparkasse misstrauisch geworden – sie stoppte die Weiterleitung der 7,6 Millionen Euro wegen Geldwäscheverdachts – wäre die Provision in mehreren Tranchen auf ausländische Konten in Hongkong, Paraguay, Liechtenstein, den USA, Rumänien und der Schweiz weitergeflossen und dem Zugriff entzogen worden. Das entsprechende Anwaltskonto bei der Kieler Sparkasse wurde jedoch nach Angaben der Staatsanwaltschaft eingefroren, der Betrag von den Ermittlungsbehörden beschlagnahmt.

Der Finanzdienstleister sitzt derzeit in Schleswig-Holstein in Untersuchungshaft. Er wurde nach jahrelangen Ermittlungen unter dringendem Tatverdacht festgenommen, bestätigten die Anklagevertreter. Wann der Mann festgesetzt wurde, sagten sie nicht.

Sie bestätigten, dass es ein für die Kieler Strafverfolgungsbehörde „eher ungewöhnlicher Fall mit einem außergewöhnlich hohen Schaden und einer außergewöhnlich hohen Kreditsumme“ sei. Weitere Ermittlungen gegen Verdächtige um den Schweizer Angeklagten liefen. Der Fall trage Züge der organisierten Kriminalität. Der Prozess soll am Montag (9.30 Uhr) fortgesetzt werden. Bisher sind 17 Verhandlungstage vorgesehen.

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