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Stichprobe des ADAC : Kfz-Zulassungsstellen: Die Hamburger warten am längsten

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Drei Stunden wartet man in Hamburger Zulassungsstellen ohne Termin. In Kiel sind es nur 40 Minuten.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2017 | 15:20 Uhr

Hamburg | Die Hamburger Kfz-Zulassungsstellen haben nach einer Stichprobe des ADAC in zehn Landeshauptstädten die längsten Wartezeiten für Kunden. Wer ohne Termin kam, musste rund drei Stunden warten, mit Terminvereinbarung waren es immerhin noch 20 Minuten, wie der Autoclub am Donnerstag mitteilte. Hamburg hat damit die rote Laterne und bekam die Bewertung „mangelhaft“.

Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt schnitt wesentlich besser ab. Die Kieler Testkunden mussten sich ohne Termin 40 Minuten gedulden, mit Termin lediglich vier Minuten. Damit kommt die Kieler Zulassungsstelle auf Platz zwei der Rangliste. Am schnellsten arbeitete nach ADAC-Angaben die Behörde in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Mit Termin betrugen die Wartezeiten durchschnittlich sieben Minuten, 29 Minuten ohne Termin.

Insgesamt mussten Kunden unangemeldet im Schnitt 62 Minuten warten. Dabei mussten sie meist in der normalen Arbeitszeit kommen. Abendöffnungen gab es kaum, samstags waren nur Wiesbaden und Potsdam geöffnet. Die ADAC-Tester hatten Ende 2016 neben Hamburg, Kiel und Wiesbaden auch in Bremen, Düsseldorf, Dresden, Magdeburg, Mainz, München und Potsdam jeweils acht Kunden - vier mit Termin und vier ohne - inkognito bei der Ummeldung ihres Autos begleitet.

„In vielen Zulassungsstellen hat man heute immer noch das Gefühl, als lebten wir im Jahr 1980“, sagte ADAC-Geschäftsführer Alexander Möller. „Was Verbraucher und Mitarbeiter benötigen, sind schlaue digitale Lösungen für noch besseren Kundenservice.“ Das schlechte Abschneiden Hamburgs konnte der zuständige Landesbetrieb Verkehr nicht erklären.

Eine Sprecherin vermutete, dass die anderen Städte weniger Termine anbieten und darum mehr Spontankunden bedienen könnten. Dadurch würde aber die Terminvorlaufzeiten steigen. In Hamburg bekomme man derzeit einen Termin in zwei Tagen. Noch vor einem Jahr habe man fünf bis sechs Tage auf einen Termin warten müssen. Inzwischen seien mehr Mitarbeiter für die Bereiche Fahrerlaubnis und Zulassung eingestellt worden.

Der Landesbetrieb arbeite an einer Verbesserung der telefonischen Erreichbarkeit und des Internetauftritts. Kunden können vormittags unangemeldet die Zulassungsstellen besuchen, die Behörde rät aber dringend zur Terminbuchung im Internet. Der Landesbetrieb weist zudem darauf hin, dass Autofahrer ihr Fahrzeug auch online an- oder abmelden können. Dank einer Kooperation mit Postfilialen könnten Bürger die Zulassungspapiere teilweise bis 22 Uhr und auch samstags abholen.

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion kritisierte die Wartezeiten bei den Zulassungsstellen scharf und bezeichnete Hamburg als Servicewüste. „Diese Zustände sind unzumutbar und haben mit moderner, serviceorientierter Verwaltung im 21. Jahrhundert wenig zu tun“, sagte der verkehrspolitische Sprecher Dennis Thering. Die CDU habe in den Haushaltsberatungen 20 neue Stellen für den Landesbetrieb Verkehr gefordert, SPD und Grüne hätten dies aber abgelehnt.

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