Spielübertragung : Keine WM-Pause in der Bürgerschaft – Linke, FDP und AfD dagegen

Die Hamburger Bürgerschaft tagt auch während des WM-Spiels zwischen Deutschland und Südkorea. /Archiv
Die Hamburger Bürgerschaft tagt auch während des WM-Spiels zwischen Deutschland und Südkorea. /Archiv

Eine Unterbrechung der Sitzung zu Gunsten des Deutschlandspiels am Mittwochnachmittag wurde von den kleinen Parteien abgelehnt.

shz.de von
26. Juni 2018, 15:37 Uhr

Hamburg | Anstatt zu debattieren, würde die Mehrheit in der Hamburgischen Bürgerschaft am Mittwochnachmittag eigentlich lieber das WM-Spiel zwischen Deutschland und Südkorea verfolgen. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen waren sich mit der oppositionellen CDU einig, die Sitzung zumindest während der zweiten Halbzeit zu unterbrechen und die verlorenen 45 Minuten später nachzuholen. Doch die kleineren Oppositionsfraktionen machten den Fußballfans unter den Abgeordneten einen Strich durch die Rechnung: Es gibt wirklich Wichtigeres als Fußball, sagte ein Sprecher der Linksfraktion am Dienstag.

Die FDP versicherte, man drücke der Nationalmannschaft die Daumen, aber eine Bürgerschaftsdebatte verschiebe man nicht. Mit Blick auf den Senatsantrag zur Bewilligung von fast drei Milliarden Euro zur Übernahme der HSH-Nordbank-Verluste sagte Fraktionssprecher Karsten Schulz: „Politik ist Politik. Das ist unser Job.“ Die AfD meinte, Zehntausende Angestellte in Hamburg müssten auch während des WM-Spiels ihren Dienst leisten, für die Bürgerschaft sollte es keine Extrawurst geben.

Dem bekundeten Pflichtbewusstsein zum Trotz ist nicht zu erwarten, dass die Tore der WM-Partie den Abgeordneten lange verborgen bleiben werden. „Ich befürchte, dass die Entscheidung nun dazu führen wird, dass die Redner während des Spiels nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen“, erklärte SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf. Sein Grünen-Kollege Anjes Tjarks gab sich als guter Verlierer: „Es ist (...) kein Beinbruch, dass wir nun – wie viele andere auch – während des Spiels arbeiten.“

Immerhin besteht die Möglichkeit, dass die Bürgerschaft die Zeit nutzt, um über eine andere WM zu debattieren: Laut Tagesordnung könnte genau dann die Debatte zum Vorbereitungsstand der Rollstuhlbasketball-Weltmeisterschaft anstehen, die Ende August in Hamburg stattfinden soll.

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