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65 Jahre Schausteller : Kein Hamburger Dom ohne „Onkel Helmut“

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Seit 1952 steht Helmut Richters als Schausteller ununterbrochen auf dem Hamburger Dom – kein anderer ist so lang dabei wie er. Er gilt als einer der letzten Schausteller der alten Generation.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2013 | 09:35 Uhr

Hamburg | Mehr als 60 Jahre Schaustellergeschäft: Helmut Richters ist eine Institution auf dem Hamburger Dom - ein Schausteller-Veteran. Dabei war er zunächst nicht wirklich begeistert von der Idee, in das Metier seiner Eltern einzusteigen: „Ich wollte eigentlich gar nicht so recht am Anfang. Das war eher die Idee meiner ersten Frau“, sagt Richters. Dafür, dass der Widerwille anfänglich groß war, hat es „Onkel Helmut“ – so wird er auf dem Dom gerufen - lange auf den Jahrmärkten im Norden ausgehalten. 65 Jahre nach dem ersten Besuch steht er immer noch hinter der Theke seiner Wurfbude und reicht Besuchern die Bälle. In dem Gewirr aus blinkenden Lichtern, schreienden Kindern und einer Flut aus Gerüchen und Geräuschen wirkt Richters fast fehl am Platz. Dabei kennt sich keiner so gut auf dem Dom aus wie er.

Helmut Richters hat viel zu erzählen. Das merkt man wenn man mit ihm in seinem gemütlichen, gut beheizten Wohnwagen - Baujahr 1974, elf Meter lang, 2,50 Meter breit, seinerzeit 120.000 Mark teuer - sitzt. Dann kommt der kleine, korpulente Mann ins Schwärmen. Er weiß wie Jahrmärkte früher aussahen und erinnert sich an Schaubuden, in denen das Publikum etwa Kleinwüchsige oder Menschen aus Afrika bestaunte. Die Schaubuden seien der Renner gewesen. Aus damaliger Zeit sind lediglich die Geisterbahnen übriggeblieben.

Bereits 1948 stand Richters mit 22 Jahren erstmals auf dem Hamburger Dom. Damals mit dem Fahrgeschäft seiner Eltern. Seit 1952 hat er keinen einzigen Dom verpasst. Heute muss Richters schauen, dass er nicht den Anschluss an die Konkurrenz verliert. „Die modernen Fahrgeschäfte sind eleganter, schneller und spektakulärer. Da ist es ganz schön schwer Schritt zu halten“, sagt der 87-Jährige.

Richters kommt aus einer Schausteller-Dynastie. Seine Eltern waren Schausteller, ebenso wie seine Schwiegereltern. 1922 startete Vater Amandus in Stade mit „Hau den Lukas“. Richters selbst war erstmals für ein Kinder-Riesenrad, das ihm der Schwiegervater geschenkt hatte, verantwortlich. 1974 wurde dann das Karussell „Kinderparadies“ gekauft. Das Dosenwerfen leitet inzwischen seine zweite Ehefrau Thea, die er 1992 heiratete. Ohne Helmut geht es aber trotzdem nicht: „Meine Frau hält mich voll in Gang. Eigentlich wollte ich schon mit 82 Jahren ein bisschen kürzertreten.“ 

Dass Helmut Richters von der alten Schule ist, zeigt sich auch bei der Dekoration seiner Wurfbude „Spiel und Spaß“. In Zeiten von steigenden Energiekosten greift er nach wie vor zur traditionellen Glühlampe, während die Konkurrenz fast ausnahmslos auf sparsamere LED-Lampen setzt. „Die alten Lampen machen ein viel schöneres Licht.

Da ist die Atmosphäre viel besser“, erklärt Richters. Insgesamt laufe das Geschäft in diesem Jahr ganz ordentlich. Aber die Laufzeit des Volksfestes sei insgesamt zu lang. „Die Wochenenden sind brechend voll. Unter der Woche ist aber fast nichts los.“ 

Im Januar steht zum achten Mal im Leben von Helmut Richters eine Schnapszahl auf der Geburtstagstorte – dann wird der älteste Schausteller auf dem Hamburger Dom 88 Jahre alt. Dabei hätte er den diesjährigen Winterdom beinahe nicht überlebt. Vier Herzinfarkte hatte Richters schon. Umgebracht hat ihn keiner. Eine morsche Pappel, die der Herbststurm „Christian“ auf seinen Wohnwagen wehte, wäre ihm aber fast zum Verhängnis geworden. Dass „Onkel Helmut“ noch am Leben ist, verdankt er einem glücklichen Zufall. „Normalerweise mache ich zu diesem Zeitpunkt immer Mittagsschlaf. Zum Glück war ich an dem Tag mit dem Aufbau auf dem Dom beschäftigt und nicht im Wohnwagen“, erzählt er. Während der Jahrmarktsaison ist das mobile Haus die Heimat von Richters und seiner Frau Thea. Nur im Januar und Februar – wenn es keine Jahrmärkte gibt - überwintern sie in Handorf bei Lüneburg.

Wenn der 684. Winterdom am 8. Dezember seine Pforten schließt, hat Helmut Richters erst einmal Urlaub. Seine Frau stehe noch bis Weihnachten hinter der Theke und schenke auf Weihnachtsmärkten Glühwein aus. Wenn es aber im März wieder losgeht, will Helmut Richters wieder das Kommando übernehmen. Bis dahin sei auch der Wohnwagen wieder repariert, ist Richters zuversichtlich.

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