Auf Parteitag in Berlin : Katja Suding: Hamburger FDP-Chefin will in die Bundesspitze

Die 39-Jährige will eine von drei Stellvertretern von Christian Lindner werden. Aber wofür braucht Deutschland die FDP?

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14. Mai 2015, 11:01 Uhr

Hamburg | Von Spaßpartei, inhaltsfreien Wahlkämpfen oder oberflächlichem FDP-Image will Katja Suding nichts wissen. Die Hamburger FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende ist überzeugt, es gehe in der neuen FDP um die richtigen Themen und glaubwürdige Menschen, um „eine inhaltliche, personelle und stilistische Erneuerung“.

Zweimal ist es der PR-Beraterin gelungen, ihren Landesverband in die Hamburgische Bürgerschaft zu bringen. Auf dem Parteitag der FDP in Berlin (15. bis 17. Mai) will die 39-Jährige nun eine von drei Stellvertretern des Vorsitzenden Christian Lindner werden. „Ich denke schon, dass ich eine Chance habe“, sagte Suding. Sie wolle sich vor allem in der Bildungs-, Gesellschafts- und Familienpolitik engagieren: „Das ist mein Feld.“

In der Bildungspolitik fordert sie Geld vom Bund für finanzschwache Länder. „Die Länder werden wirklich gute Bildung nicht allein finanzieren können. Wir denken viel zu kleinteilig, wenn wir die Bundesländer in den Wettbewerb untereinander schicken. Wir stehen nämlich mit anderen Ländern in Europa und in der ganzen Welt in Konkurrenz.“

Es sei verhängnisvoll, „wenn die Schüler in Bundesländern wie Bremen, die mit großen finanzpolitischen Problemen kämpfen, abgehängt werden, weil nicht genug Geld für die Bildung da ist“, warnte Suding. „Das können wir uns nicht leisten.“

Wichtig sei ihr, die Chancengerechtigkeit in der Bildung zu fördern.„Die Herkunft aus dem Elternhaus bestimmt leider weiterhin stark den späteren Bildungserfolg.“ Darum müsse die frühkindliche Bildung viel besser werden. In Hamburg etwa setze die regierende SPD nur auf Quantität statt auf Qualität.

Suding forderte ein modernes Familienbild in ihrer Partei. „Da müssen wir Liberale auch noch ein bisschen lernen, dass sich Familie in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert hat.“ Viele Elemente der Familienförderung beruhten noch auf einem alten Familienbild. „Darum sollte das Ehegattensplitting in ein Familiensplitting umgewandelt werden.“

Und wofür braucht Deutschland die FDP? Zum Beispiel als „Partei der sozialen Marktwirtschaft und auch als Kämpferin für Bürgerrechte“, sagte Suding. So seien die Liberalen nach wie vor gegen die von der großen Koalition geplante Vorratsdatenspeicherung. Die Aufsicht über die Geheimdienste müsse nach der jüngsten NSA-Affäre besser geregelt werden, erklärte Suding - und forderte einen Geheimdienstbeauftragten und Sonderermittler.

Die Ängste vor dem geplanten Freihandelsabkommen der EU mit der USA (TTIP) sind für Suding unbegründet. „Die Befürchtung, dass hier demnächst Chlorhühnchen auf dem Teller landen werden, ist blanker Unsinn.“ Unterm Strich hält sie den Kurs Lindners für richtig. „Ich möchte den Weg weitergehen, den die FDP 2013 eingeschlagen hat. Ich habe dabei viel vor.“

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