Hamburg : Katholische Schulen vor dem Aus: Erzbistum bangt um Sanierungskurs

Die Stadtteilschule Franz-von-Assisi im Bezirk Hamburg-Nord ist eine von acht Schulen, die geschlossen wird. Schon zum kommenden Schuljahr werden keine neuen Schüler aufgenommen.

Die Stadtteilschule Franz-von-Assisi im Bezirk Hamburg-Nord ist eine von acht Schulen, die geschlossen wird. Schon zum kommenden Schuljahr werden keine neuen Schüler aufgenommen.

Sechs kirchliche Gremien haben sich gegen eine Hamburger Schulgenossenschaft ausgesprochen.

shz.de von
27. Juni 2018, 18:44 Uhr

Hamburg | Die Rettung schien zum Greifen nah – nun scheint das Schicksal der von Schließung bedrohten katholischen Schulen in Hamburg doch besiegelt. Sechs kirchliche Gremien des Erzbistums Hamburg haben sich mit deutlicher Mehrheit gegen eine Zusammenarbeit mit der privaten Initiative der Hamburger Schulgenossenschaft ausgesprochen. Die Genossenschaft wollte die Schulen weiter betrieben und die nötigen Finanzmittel bereitstellen.  

Zu erwarten ist, dass Erzbischof Stefan Heße diesem Votum folgt und die Verhandlungen mit der Schulgenossenschaft abbricht. Zuvor wollte er die Entwicklung am Mittwochabend noch mit Vertretern der betroffenen Schulen, Eltern und Schüler diskutieren. Auch wenn diese nochmals für das Modell der Genossenschaft werben dürften, so wird der Bischof mit allergrößter Wahrscheinlichkeit der Entscheidung von Priesterrat und Pfarrerkonferenz, von Kirchensteuer-, Verwaltungs- und Pastoralrat sowie dem Konsultorenkollegium folgen. Seinen Entschluss will Heße am Donnerstag bekanntgeben. 

Das hoch verschuldete Bistum hatte im Januar angekündigt, aus finanziellen Gründen fünf seiner 21 Schulen in der Hansestadt zu schließen und dies für drei weitere zu prüfen. Die Schulgenossenschaft um den ehemaligen Staatsrat Nikolas Hill und Rechtsanwalt Christian Berntzen hatte monatelang mit dem Bistum verhandelt. Noch am vergangenen Wochenende legte Hill Pläne für ein mit der Bistumsführung vereinbartes Pilotprojekt zur Übernahme der Verantwortung von katholischen Schulen im Hamburger Süden vor. 

Die Zweifel an der finanziellen Solidität des Vorschlags konnte die Genossenschaft aber offenbar nicht zerstreuen. Laut Erzbistum-Sprecher Manfred Nielen hätten die Gremien vor allem die Gefahr gesehen, „dass der Sanierungskurs des Erzbistums gefährdet wird, weil durch die Kooperation mit der Schulgenossenschaft erhebliche finanzielle Belastungen auf das Erzbistum zukommen könnten.“ Es sei bisher unklar, ob die Schulgenossenschaft wie angekündigt eine bedeutende Summe für die Weiterführung der vor dem Aus stehenden katholischen Schulen beisteuern könnte.

Ob für die Schulen im letzten Moment noch ein anderer Rettungsanker gefunden werden kann, war am Mittwoch unklar. Denkbar wäre ein Einstieg anderer Investoren. Die Stadt lehnte zusätzliche finanzielle Hilfe mit Hinweis auf die Gleichbehandlung privater Schulen in Hamburg ab.

Armutszeugnis

Ein Kommentar von Markus Lorenz

Was für ein Armutszeugnis für die reiche Katholische Kirche. Das Erzbistum schlägt das Angebot der privaten Hamburger Schulgenossenschaft aus, fünf Schulen vor der Schließung zu bewahren. Mag sein, dass der vorgelegte Finanzplan Risiken birgt. Mag auch sein, dass die katholischen Gremien mit dem Gedanken fremdeln, ihren Closed Shop zu öffnen und einen Teil der Kontrolle über ihren Einflussbereich an Schulen abzugeben.

Und doch müssen sich die Verantwortlichen fragen lassen, ob Schulschließungen allen Ernstes die bessere Alternative sind. Zumal es sich die Kirche gar nicht leisten kann, auch noch dieses Feld zu räumen. Die Lehreinrichtungen sind eine der wenigen Möglichkeiten, in einer der säkularen Großstadtgesellschaft Flagge zu zeigen und Zukunft zu gewinnen. Besonders schmerzlich wirkt bei alledem, dass die Bruderbistümer nicht bereit sind, den notleidenden Gläubigen in der Hamburger Diaspora aus der Klemme zu helfen. Geben ist seliger als – ausgerechnet für die Katholische Kirche gilt das leider nicht.

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