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Hamburger Handelskammer : „Kammerrebellen“ entscheiden Wahl klar für sich

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„Die Kammer sind WIR“ will die Handelskammer auf neue Füße stellen - und auch die Pflichtbeiträge abschaffen.

Hamburg | Bei der Wahl zum Plenum der Handelskammer Hamburg hat das Bündnis „Die Kammer sind WIR“ einen spektakulären Sieg errungen. Die Kammerkritiker stellen 55 von 58 gewählten Vertretern im neuen Plenum, wie die Kammer nach Auszählung der Wahlergebnisse am Freitag mitteilte. Die Wahlbeteiligung lag mit 17,6 Prozent fast doppelt so hoch wie bei der jüngsten Wahl 2014 und war damit mit Abstand die höchste bei vergleichbaren Kammerwahlen in Deutschland.

Die nunmehr siegreiche Gruppierung will nicht nur die Pflichtbeiträge zur Kammer abschaffen, sondern auch die Geschäftsführung auswechseln und verkleinern, das Plenum öffentlich tagen lassen und Personal abbauen.

Präses Fritz Horst Melsheimer äußerte sich enttäuscht über den Ausgang der Kammerwahl. „Die Behauptung, die Kammer könne die Pflichtbeiträge abschaffen, hat offenbar bei einer Mehrheit derer verfangen, die ihre Stimme abgegeben haben“, sagte er. Dabei liege eine solche Entscheidung nicht in der Hand des Plenums, sondern des Gesetzgebers. Die Kammer müsse auch künftig in der Lage sein, ihren Auftrag zu erfüllen, ohne in Abhängigkeiten von Einzelinteressen zu geraten.

Deutlich schärfer äußerte sich das unterlegene Wahlbündnis „Vorfahrt für Hamburg“. „Wir bedauern, dass es der WIR-Gruppe gelungen ist, eine so deutliche Mehrheit der Wähler mit ihren populistischen Parolen, persönlichen Anfeindungen und unseriösen Versprechungen hinter sich zu bringen“, erklärte Willem van der Schalk von dem Bündnis. „Für die Hamburger Wirtschaft und den Standort ist das keine gute Nachricht.“ Fatalerweise sei es nicht gelungen, die große schweigende Mehrheit für die Wahl zu mobilisieren. „Eine Reduzierung der Beiträge wird zu einer dramatischen Unterfinanzierung führen, der angekündigte massive Personalabbau die Leistungen der Kammer radikal einschränken.“

Die Hamburger Grünen begrüßten dagegen das Ergebnis der Kammerwahl. „Das Wahlergebnis zeigt, wie unzufrieden viele Unternehmer mit den Positionen, der Haltung und dem Vorgehen der Handelskammerführung sind“, erklärte Fraktionsvorsitzender Anjes Tjarks. „Das Bündnis 'Die Kammer sind WIR' hat einen mutigen Wahlkampf geführt und ist nun eindrucksvoll belohnt worden.“

Die 160.000 Mitgliedsunternehmen der Kammer konnten vom 16. Januar bis zum 14. Februar schriftlich ihre Stimme abgeben. Kammerwahlen finden in der Regel wenig öffentliche Beachtung, doch traten dieses mal drei Wahlbündnisse gegeneinander an und lieferten sich einen intensiven, teilweise ruppigen Wahlkampf.

Das neue Kammerplenum tritt im April zusammen und wählt im Mai ein neues Präsidium und einen neuen Präses. Durch den überraschenden Wahlerfolg der „Kammerrebellen“ sind kaum noch namhafte Hamburger Unternehmer im Plenum vertreten. In den vergangenen drei Jahren gehörten zum Beispiel die Chefs von Vattenfall, der Haspa, Globetrotter, Hansewerk, Hamburger Volksbank, Flughafen Hamburg, Warburg oder Siemens dem Plenum an sowie Vorstände von Airbus, Hochbahn und SAGA. Von ihnen ist lediglich Haspa-Chef Harald Vogelsang übrig geblieben.

Die nunmehr gewählten Vertreter der Hamburger Wirtschaft sind weitgehend unbekannt, ebenso die meisten der Unternehmen, die sie leiten. Für die Position des Kammerpräses, eines einflussreichen Amtes in Hamburg, kommt der Sprecher des Bündnisses „Die Kammer sind WIR“ in Frage, Tobias Bergmann. Er ist Geschäftsführer einer Unternehmensberatung mit 30 Mitarbeitern und gehört dem Plenum der Handelskammer bereits seit 2011 an.

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erstellt am 17.Feb.2017 | 20:45 Uhr

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