zur Navigation springen

102 Plätze nach Umbau : JVA Billwerder: Frauen ziehen in den Männerknast

vom

Der Umbau ist abgeschlossen: In der Hamburger Justizvollzugsanstalt sind künftig Männer und Frauen getrennt voneinander untergebracht.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2016 | 17:50 Uhr

Hamburg | Männliche und weibliche Häftlinge im selben Gefängnis – kann das gutgehen? Hamburgs Justizsenator Till Steffen bejaht. „Wir stellen die Trennung zwischen den Geschlechtern sicher“, sagte der Grünen-Politiker bei einer Besichtigung der neuen Teilanstalt für Frauen innerhalb der JVA Billwerder. In dem bisherigen reinen Männerknast (560 Insassen) hat der Senat das Hafthaus 3 für weibliche Straf- und U-Haftgefangene umbauen lassen.

Die bundesweit erstmalige Integration einer Frauen-Abteilung in ein Männergefängnis ist eine Sparoperation angesichts sinkender Gefangenenzahlen.

Haben die 61 weiblichen Häftlinge ihre bisherige JVA auf Hahnöfersand geräumt, will Hamburg die zu Niedersachsen gehörende Elbinsel aufgeben. Anfang März beginnt der Umzug.

Dass ausgerechnet Till Steffen an diesem grauen Februartag Journalisten das frisch herausgeputzte Hafthaus präsentiert, ist pikant. Bis zum Senats-Comeback der Grünen vor knapp einem Jahr hatten diese die von der SPD beschlossene Zusammenlegung strikt abgelehnt. Kritik gab es auch von vielen prominenten Frauen, angeführt von der früheren SPD-Justizsenatorin Lore-Marie Peschel-Gutzeit und Altbischöfin Maria Jepsen. „Wir haben das Vollzugkonzept der SPD nochmals verbessert“, erklärt Steffen den Meinungswandel. So sei der Plan gestrichen worden, Männer und Frauen in gemeinsamen Räumen auszubilden und arbeiten zu lassen. Auch auf den Sichtschutz zwischen den Häusern werde großer Wert gelegt, beteuert der Justizsenator und zeigt auf die gut drei Meter hohen Holzwände, die das Areal vom Rest der JVA abschirmen. Allerdings: Lückenlos ist der Schutz nicht, aus dem zweiten Stock des Frauentrakts fällt der Blick ungehindert auf Hafthäuser der Männer. Und umgekehrt.

102 Plätze hat die zweigeschossige Teil-JVA, 62 für verurteilte Strafgefangene und 40 für weibliche U-Häftlinge. In absehbarer Zeit könnten dort auch verurteilte Frauen aus Schleswig-Holstein einziehen; diese Möglichkeit prüfen die Bundesländer gerade. Der sanierte Trakt enthält vier Mutter-Kind-Räume, in denen Gefangene mit ihrem Nachwuchs leben können. Vor dem Gebäude ist dazu ein Spielplatz entstanden – in Sichtweite von Stacheldraht und Anstaltsmauer. Schließlich stehen auch sechs Drogentherapieplätze zur Verfügung. Eine pure Notwendigkeit angesichts eines Anteils von 75 Prozent süchtiger Gefangener, erläutert Rosemarie Höner-Wysk. Die Anstaltsleiterin zieht mit um, wie auf Hahnöfersand verantwortet sie in Billwerder den Frauenvollzug.

Aufwändiger als in Trakt 3 ist die Trennung von den Männern bei Gängen über das weitläufige Gelände, etwa zur Arbeit und zum Einkaufen. „Die Frauen werden immer von Justizmitarbeitern begleitet“, versichert Höner-Wysk. Diese sollen das Kontaktverbot überwachen, das für Begegnungen mit männlichen Insassen besteht. In allen gemeinsam genutzten Einrichtungen wiederum gibt es getrennte Nutzungszeiten, also im Anstaltsladen, in der Kirche, in der Ambulanz, in der Sporthalle und im Besuchszentrum.

Und dennoch räumt Senator Steffen ein: „Es kann sein, dass Frauen hier ihrem Dealer begegnen.“ Ein Zusammentreffen mit Vergewaltigern sei dagegen ausgeschlossen. Steffen verspricht: „Wir verlegen alle Sexualstraftäter von Billwerder in die Sozialtherapeutische Anstalt in Fuhlsbüttel.“

Und die Frauen? Wie beurteilen sie ihren Einzug in den Männerknast? JVA-Chefin Höner-Wysk: „Ach. Frauen sind pragmatisch. Die finden es ganz interessant, mit Männern in einem Gefängnis zu sein.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen