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Scoopcamp in Hamburg : „Journalismus ist mehr als Worte auf Papier“

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Journalistische Medien müssen sich neuen Technologien öffnen, um relevant zu bleiben, fordert Herman auf der Konferenz Scoopcamp. Mehr als 260 Fachleute und Journalisten debattieren dort innovative Konzepte.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2014 | 13:50 Uhr

Hamburg | Medienmarken sollten digitale Technologien entschieden nutzen - davon ist der Gründer des Online-Dienstes Storify, Burt Herman, überzeugt. Es stünden weitreichende Veränderungen an: „Nur weil es Medienmarken schon lange gibt, heißt das nicht, dass sie bleiben werden“, sagte Herman am Donnerstag auf der Branchenkonferenz Scoopcamp in Hamburg. „Zeitungen mögen sterben, aber wir dürfen nicht den Journalismus sterben lassen. Journalismus ist mehr als Worte auf Papier, Fotos oder Videos: Es geht um eine Moral. Journalismus lässt sich nicht kaufen, ohne ihn würden Demokratien nicht funktionieren.“ Der 41-jährige Amerikaner rief dazu auf, neue Technologien zu integrieren, ohne die journalistischen Werte aufzugeben. Mit dem Online-Dienst Storify, den Herman 2010 mitgründete, könnten Beiträge aus sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter von Redaktionen gesammelt und kommentiert werden. So entstehen Erzählungen mit Augenzeugenberichten von Lesern oder Online-Kommentaren.

Herman, der lange als Korrespondent für die Nachrichtenagentur AP arbeitete, wurde mit dem erstmals vergebenen Scoop Award geehrt. „Herman verkörpert die neue und spannende Verbindung von Journalismus und Geschäft“, sagte der Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur (dpa), Sven Gösmann, in der Laudatio.

In einer Panel-Diskussion warben vier führende deutsche Medienmacher für Lust an der Innovation und journalistische Experimente. „Wir haben jetzt viel mehr Möglichkeiten als nur Texte“, sagte der Chefredakteur der „Huffington Post Deutschland“, Sebastian Matthes. Videos, Infografiken und die Einbindung der Leser seien daher wichtiger als früher, sagte Matthes: „Die mobile Nutzung wird die Medienwelt komplett verändern.“ Was fehle, sei aber ein schlüssiges Geschäftsmodell für die mobilen Abrufe, warf „Zeit Online“-Chefredakteur Jochen Wegner ein.

„Die Nachrichtenproduktion verändert sich täglich. Auch wir können noch viel mehr aus Zahlen herausholen“, sagte dpa-Chefredakteur Gösmann mit Blick auf den Datenjournalismus. Die stellvertretende „Stern“-Chefredakteurin Anita Zielina meinte: „Jedes Medium muss eine eigene Identität entwickeln, mit der es Geschichten erzählt.“  

Ken Schwencke von der „New York Times“ appellierte, angesichts einer zunehmenden Automatisierung der Nachrichtenproduktion nicht in Panik zu verfallen. „Die Automatisierung ist dein Freund“, sagte er vor rund 260 Experten der Medienbranche. „Einige Dinge können Computer besser als Menschen.“ Algorithmen, die Meldungen automatisiert verfassen oder Datenbanken grafisch darstellen, sollten Journalisten nicht ersetzen, sondern sie unterstützen. Das ermögliche den Redaktionen die Chance, tiefergehende Geschichten zu schreiben.

Der amerikanische Medienunternehmer Jigar Mehta argumentierte, dass neben Reportern, auch Programmierer, Designer oder Projektmanager als Journalisten gebraucht würden. „Was wir brauchen, sind dynamische Teams.“ Auch Leser sollten stärker in die Produktion eingebunden werden. Wer seine Nutzer dazu aufrufe, eigene Beiträge zu erstellen, könne neue Geschichten entdecken.Die Deutsche Presse-Agentur und nextMedia. Hamburg, eine Initiative zur Förderung der Medien- und Digitalwirtschaft, organisierten die Scoopcamp-Konferenz in diesem Jahr zum sechsten Mal.

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