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Übenahme durch Bertelsmann : Jahr-Familie verabschiedet sich bei Gruner + Jahr

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Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr ist in der Krise. Die Jahr-Familie verkauft ihre Anteile am "Stern"-Verlag dem Gütersloher Medienkonzern.

Hamburg | Der Medienkonzern Bertelsmann übernimmt den Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J) vollständig. Das teilte Bertelsmann am Montag in Gütersloh mit.

„Gruner + Jahr wird 100 Prozent Bertelsmann. Das ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft beider Unternehmen, von G+J wie von Bertelsmann. Es ist zugleich ein klares Bekenntnis zum Journalismus und dem Wert journalistischer Inhalte auch im digitalen Zeitalter“, sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe laut einer Mitteilung an die Mitarbeiter von G+J, die shz.de vorliegt.

Die Familie Jahr hielt bislang 25,1 Prozent an G+J und war damit in der Lage, über die sogenannte Sperrminorität Entscheidungen von Bertelsmann zu verhindern. Bereits vor gut zwei Jahren hatte Bertelsmann versucht, die Anteile der Familie zu übernehmen, war damals aber gescheitert. „Die Übernahme der Restanteile an Gruner + Jahr durch Bertelsmann wird zum 1. November 2014 wirksam. Der Kaufpreis wird in bar geleistet, über die Höhe haben die Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart“, heißt es in einer Bertelsmann-Pressemitteilung.

G+J ist in den vergangenen drei Jahren in eine Krise gerutscht. Bei den Flaggschiffen wie „Stern“ und „Brigitte“ sind die Auflagen stark rückläufig. Die „Financial Times Deutschland“ wurde Ende 2012 geschlossen. Kritiker werfen dem Management vor, über keine Strategie im Digitalgeschäft zu verfügen. Vorstandschefin Julia Jäkel hatte Ende August angekündigt, dass in den kommenden drei Jahren 400 der 2400 Stellen in Deutschlang abgebaut werden. In diesem Zeitraum sollen 75 Millionen Euro eingespart werden. Beim „Stern“ gab es bereits betriebsbedingte Kündigungen.

Julia Jäkel und Ulrich Wickert bei einer Bertelsmann-Party 2013 in Berlin.
Julia Jäkel und Ulrich Wickert bei einer Bertelsmann-Party 2013 in Berlin. Foto: Imago/Sven Simon

Jäkel hatte von Bertelsmann „mehrere hundert Millionen“ an Investitionsmitteln versprochen bekommen, um die Transformation ins digitale Zeitalter zu erreichen. „Bertelsmann unterstützt die Strategie des G+J-Vorstands um Julia Jäkel uneingeschränkt und wird die für ihre Umsetzung erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen“, betonte Rabe in seiner Mitteilung an die Mitarbeiter. Dennoch halten sich in der Unternehmenszentrale am Hamburger Baumwall Gerüchte, Ziel von Bertelsmann sei es, G+J zu zerschlagen.

Gruner + Jahr wurde 1965 gegründet vom Verleger John Jahr („Brigitte“, „Schöner Wohnen“), dem Verleger Gerd Bucerius, („Stern“) sowie dem Drucker Richard Gruner. Als Gruner bereits 1969 ausstieg, erwarb Bertelsmann eine 25-Prozent-Beteiligung. Diese wurde bis 1976 auf 74,9 Prozent aufgestockt. Bertelsmann ließ G+J über die vielen Jahre meist am lockeren Zügel, die besondere Position von G+J innerhalb von Bertelsmann wurde oft dadurch unterstrichen, dass der G+J-Chef auch Mitglied des Vorstands bei Bertelsmann war. Das ist bei der aktuellen Vorstandschefin Jäkel, Ehefrau des TV-Moderators und Buchautors Ulrich Wickert, nicht der Fall. Sie ist lediglich Mitglied im „Group Management Committee“, das den Vorstand bei wichtigen Strategieentscheidungen berät.

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erstellt am 06.Okt.2014 | 10:15 Uhr

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