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Tag der offenen Moschee in Hamburg : IS-Anhänger, Scharia-Polizei: Muslime wollen sich abgrenzen

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Islam als Religion des Friedens und der Toleranz - dieses Bild wollen Muslime beim „Tag der offenen Moschee“ vermitteln. Überschattet wird der Dialog jedoch vom Vorgehen der radikal-islamischen Terrormiliz IS.

Hamburg | Die Moscheen in Hamburg öffnen zum bundesweiten „Tag der offenen Moschee“ am Freitag auch für Andersgläubige ihre Türen. Gemeindemitglieder laden zu Führungen, Vorträgen und Ausstellungen bis 18 Uhr ein - bei Interesse dürfen die Besucher auch beim Gebet zuschauen, wie die reformorientierte muslimische Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) mit insgesamt 4000 Mitgliedern in der Hansestadt mitteilte. Im vergangenen Jahr hatten rund tausend Gäste die muslimischen Gebetsorte in Hamburg besucht.

Ging es im vergangenen Jahr hauptsächlich um Religionsunterricht und um Fragen des Zusammenlebens, stünden diesmal die aktuellen Auseinandersetzungen mit dem Heiligen Krieg und der Terrormiliz Islamischen Staat (IS) im Zentrum, sagte ein Sprecher der Organisatoren, Asif Malik. Man wolle aufklären - denn die Haltung der nicht-muslimischen Bevölkerung gegenüber Muslimen sei innerhalb eines halben Jahres spürbar aggressiver geworden.

Der Tag der offenen Moschee fällt in eine Zeit, in der radikale Muslime bundesweit für Schlagzeilen sorgen: Fanatisierte IS-Anhänger haben sich auch aus Deutschland den Kämpfen der Terrormiliz in Syrien und im Irak angeschlossen. Allein bis Ende August sind nach Angaben des Verfassungsschutzes mehr als 50 Salafisten aus Hamburg und Schleswig-Holstein ins syrische Kriegsgebiet aufgebrochen, mehrere radikalisierte Kämpfer aus dem Norden wurden bei den Auseinandersetzungen getötet. In Wuppertal und Leipzig sorgten Mitglieder einer selbst ernannten „Scharia-Polizei“ mit provokanten Aktionen zudem für Aufsehen.

Aber auch in Hamburg stellt der Islamismus die Behörden auf die Probe: Zwei Moscheen stehen im Stadtteil Harburg unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Die Taqwa-Moschee und die Masjid-El-Iman-Moschee werden verdächtigt, als Anlaufstellen für gewaltbereite Extremisten mit islamistischem Hintergrund zu dienen.

Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass die Rekrutierung junger islamistischer Kämpfer sich zu einem weiteren Problem in der Hansestadt entwickelt hat. „Wir gehen davon aus, dass auch organisierte Gruppen Schüler und Minderjährige ansprechen“, sagte der Chef des Verfassungsschutzes in Hamburg, Torsten Voß. Nach Erkenntnissen der Polizei wollten vier Jugendliche aus Hamburg-Altona mit One-Way-Flugtickets von Hamburg über das Transitland Türkei nach Syrien reisen. Ihr Vorhaben wurde Mitte September bekannt und von den Ermittlungsbehörden gestoppt. Das jüngste Mitglied der Gruppe war laut Polizei ein 14-jähriges Mädchen.

Nach einer Einschätzung des Verfassungsschutzes hat sich die islamistische Szene in Hamburg vergrößert: Die Zahl von extremen Salafisten verdoppelte sich demnach von 70 auf 150. Einschließlich der politischen Agitatoren kletterte die Zahl der Salafisten in Hamburg damit auf 320.

Mit dem „Tag der offenen Moschee“ will sich der Großteil der Muslime von den radikalen Bewegungen bewusst abgrenzen und ein anderes, friedlicheres Bild des Islams vermitteln. Bei einer Aktion unter dem Motto „Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht“ hatten sich unlängst 1300 Menschen in Hamburg zusammengeschlossen und in der Centrum-Moschee für Frieden und Toleranz gebetet. Bei dem bundesweiten Aktionstag der islamischen Verbände in Deutschland hatten Landespolitiker auch in Moscheen in Mölln und Kiel vor Islamfeindlichkeit gewarnt.

Rund vier Millionen Muslime leben in Deutschland. Der 1997 vom Zentralrat der Muslime in Deutschland initiierte Aktionstag findet immer am 3. Oktober statt - dem Tag der Deutschen Einheit. Der Termin soll laut Zentralrat die Verbundenheit der Muslime mit der Gesamtbevölkerung zum Ausdruck bringen.

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erstellt am 03.Okt.2014 | 11:59 Uhr

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