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Besuch von Kate und William in Hamburg : Interview mit Rolf Seelmann-Eggebert: „Man kann informiert spekulieren“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Rolf Seelmann-Eggebert berichtet im Interview von dem besonderen Reiz, aus den Königshäusern der Welt zu berichten und über seine verbliebenen Ziele.

Hamburg | Queen Elisabeth II ist mit ihren 91 Jahren noch immer im Dienst. Der Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert irgendwie auch. Mona Adams traf den 80-Jährigen auf einen Kaffee in seinem Büro in Eppendorf. Seinen Kaffee trinkt der Journalist gerne aus royalen Bechern. Momentan mit Kate und William drauf. In der kommenden Woche ist das royale Traumpaar auf Deutschlandreise, am Freitag kommen sie für einen Besuch auch nach Hamburg.

Wie sind Sie zum Adelsexperten geworden?
Rolf Seelmann-Eggebert: Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich war in London Korrespondent der ARD, als Charles und Diana sich kennenlernten, verlobten, heirateten. Eigentlich versuchte ich in der Zeit verzweifelt politische Berichterstattung zu machen, doch den Redaktionen waren Charles und Diana viel wichtiger. Da habe ich mich das erste Mal in die Thematik eingearbeitet. In Deutschland war ich dann Programmdirektor und mit der Darstellung und Berichterstattung über das britische Königshaus sehr unzufrieden. Es wurde nur über Skandale berichtet. Ich bekam dann die Möglichkeit die Windsors ein Jahr lang zu begleiten. Das war mein Einstieg. Eigentlich wollte ich zurück nach Afrika, in die Berichterstattung über die Dritte Welt. Das habe ich dann zu meinem Hobby gemacht. Mein Leben hat sich also zwischen Hütten und Palästen abgespielt. So wird möglicherweise ein Buch heißen, das bald mal über mein Leben erscheint.

Möglicherweise?
Möglicherweise. Es ist noch nicht geschrieben. Mehr kann ich dazu nicht sagen, weil sonst die Familie allzu überrascht wäre. Wenn man ein Buch schreibt, das eine persönliche Lebensgeschichte konzipiert, muss man erst das ein oder andere Gespräch führen.

Haben Sie gerne über den königlichen Adel berichtet?
Mich hat es gereizt, zu erfahren, wie weit man als Journalist an die Häuser herankommt. Das war journalistische Neugier und Ehrgeiz.

Wie viel Ihrer Arbeit ist es zu spekulieren?
Man kann informiert spekulieren. Sie können zum Beispiel Charles mit seinem Sohn William vergleichen und daraus etwas schließen. Wenn man viel liest, auch was verlautbart wird, dann weiß man schon eine Menge. Und wenn Sie mir dann die Frage stellen, war die Königin für oder gegen den Brexit, dann kann ich sagen, dass sie niemals dazu Auskunft geben kann. Aber ich würde sagen, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sie für den Brexit war. Eine Familie, die derart in Europa verankert ist, kann nicht für so etwas sein, was Europa schwächer macht.

Ist das auch der Grund, weshalb Herzogin Catherine und Prinz William kommende Woche nach Deutschland kommen?
Es gibt zwischen Staaten Staatsbesuche, offizielle Besuche, private Besuche. Das, was die beiden machen, lässt sich schwer einordnen. Das Auswärtige Amt der Briten hat sie sozusagen aufgefordert diese Reise anzutreten. Sie haben zugestimmt. Das ist eher ungewöhnlich. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das Königshaus von der Regierung eingespannt wird, die Beziehung so gut wie möglich erscheinen zu lassen. Sie sind ja vorher noch in Polen, Charles war in Rumänien und Rom gewesen. Das ist eine Häufung, die ungewöhnlich ist. Die sind allesamt mächtig auf Reisen.

Rolf Seelmann-Eggebert (80) berichtet seit 40 Jahren über die großen Ereignisse in den europäischen Königshäusern. Fast zehn Jahre war er als Korrespondent für die ARD in Afrika, bevor er 1978 ARD-Fernsehkorrespondent und Studioleiter in London wurde. Damals berichtete er das erste Mal über die Windsors. In den Jahren ist er den royalen Familien in Europa so nahe gekommen, wie kaum ein anderer Journalist. Der 80-Jährige arbeitet trotz Ruhestand immer noch für die ARD. Er lebt in Hamburg-Eppendorf.

Welche Rolle spielen Kate und William?
Sie haben es bislang gut gehabt. Aufgrund des Todes ihrer Mama Diana hat Charles seine Söhne William und Harry lange Zeit einfach machen lassen, ohne große Verpflichtungen. William durfte seine Fliegerei weiter machen, hat mit der Familie außerhalb von London gelebt. Dadurch aber, dass der Herzog von Edinburgh erklärt hat, dass er ab Herbst nicht mehr für offizielle Pflichten zur Verfügung steht, ist ein großes Loch entstanden. Er war ungefähr Schirmherr von 600 Organisationen, da muss der ein oder andere gefunden werden, der die Bürde der Verantwortung übernimmt. Und deshalb sind die Kinder jetzt gefordert. Nicht nur William und Kate, sondern auch Harry. Wobei man da die Hoffnung hat, dass er vielleicht noch in diesem Jahr heiratet. Mit einer Frau an seiner Seite steht er bei offiziellen Anlässen noch besser da.

Wie weit reichen Ihre Kontakte?
Je mehr Königshäuser man gemacht hat, desto höher ist die Chance, dass man die Ausstehenden auch kriegt. Man sollte nicht drängeln, und sich Zeit lassen. Ich habe es sogar fast mal geschafft, den japanischen Kaiser zu interviewen.

Wie kam das?
Ich wollte ein Interview mit dem Tenno machen. Dann kam er nach Deutschland zum Staatsbesuch. Den Bundespräsidenten Weizsäcker kannte ich damals ganz gut. Dieser bat ihn dann beim Staatsbankett für mich um ein Interview. Der arme Kaiser hörte sich das an und ging zu seinem Haushofmeister, also seinem obersten Verwaltungsmann. Dem fiel vor Schreck die Gabel aus der Hand. Leider sprach dessen Empfehlung gegen mich, so dass der Tenno wieder zu Weizsäcker ging, und mir absagte. So nah komme ich heran, aber näher nun mal auch nicht.

Wie kommen Sie an Ihre Gesprächspartner?
Ich habe mir zu Beginn das Schwierigste vorgenommen. Ich versuchte ein Interview mit Charles zu seinem 30. Geburtstag zu machen. Das wurde mir abgeschlagen. Später war es dann so, dass ich Prinzessin Ann als Gesprächspartnerin bekam, dann mit großer Mühe den Herzog von Edinburgh. Charles bekam ich wieder nicht. Dann fiel mir ein, dass es eine Schwester von Philip gab, die damals mit einem Hannoverschen Prinzen, Prinz Georg, verheiratet war. Die rief ich an. Wenig später bekam ich einen Anruf, ich könnte mit Charles sprechen.

Wen haben Sie noch interviewt?
Nachdem ich die Windsors geknackt hatte, war es mir möglich mit allen damaligen Monarchen Interviews zu führen. Mit Ausnahme der Queen. Die gibt keine Interviews. Ich bin bei allen sechs Königshäusern vorstellig geworden. Auch Juan Carlos von Spanien wollte zunächst nicht mit mir sprechen, doch auf ähnliche Weise, wie bei Charles gab es dann eine positive Intervention. Juan Carlos war nach unserem Interview so glücklich, dass der Regisseur und ich als Dank Zigarren aus dem Keller der Zarzuela bekamen. Ich habe dann noch mit vielen Kronprinzen gesprochen, von denen heute der ein oder andere König ist. Dabei war auch die schwedische Kronprinzessin Victoria, die ich besonders schätze. Ihre Mutter übrigens auch.

Wer ist ihr königlicher Liebling?
Am meisten verstehe ich vom britischen Königshaus. Besonders zu schätzen weiß ich aber die schwedische Königin. Ich halte sehr viel von ihrem Engagement für die Dritte Welt. Da hat sich eine Beziehung ergeben. Sie hat ein Kinderhilfswerk gegründet, die World Childhood Foundation, die auf vier Stiftungen in Brasilien, Schweden, Amerika und Deutschland beruht. In dem Gremium in Deutschland sitze ich auch.

Wie sieht Ihre Arbeit heute mit 80 Jahren aus?
Filme mache ich nicht mehr. Ich will mich noch einmal mit Afrika beschäftigen, sozusagen als Bogen. Ich fange in Afrika an, und höre in Afrika auf. Ich bin 15 Jahren nach meiner Pensionierung immer noch relativ tätig. Das beabsichtige ich auch weiterhin zu bleiben. Die Feder hinzulegen und zu sagen, das wars, geht nicht. Es ist eine Gewohnheit. Ich bin aber mittlerweile aus der Berichterstattung weitgehend ausgestiegen. Nur bei großen Übertragungen mache ich noch mit. Wenn man seine Kontakte nicht permanent pflegt, dann ist das schwierig, sie zu halten. Die Spitze bleibt zwar – Monarchen pflegen Monarchen zu bleiben bis zum letzten Atemzug – aber die anderen wechseln.

Fehlt Ihnen ihre Arbeit?
Nö. Ich habe meine Pflicht und Schuldigkeit getan. Ich erlebe heute, wie groß das Interesse am Königshaus geworden ist. Das war damals ganz anders. Vor 30 oder 40 Jahren war nur Hollywood auf unseren Titelseiten, eben Filmstars. Man konnte deutlich erkennen, wie sich die Sache änderte. Plötzlich waren Königskinder gefragt.

Aber wenn Herzogin Catherine und ihr Prinz William mit ihren Kindern nach Hamburg kommen, sind sie dabei?
Da werde ich mit der Moderatorin Mareile Höppner zusammen in Berlin sein. Wir haben in der Hauptstadt ein zentrales Studio eingerichtet, von dem aus wir live berichten. Ich bin dabei der Experte für Königliches.

Wären Sie nicht lieber vor Ort?
Ich sehe es besser auf meinem Bildschirm in meinem Studio, als wenn ich irgendwo an einer Straßenecke stehe und die beiden vorbeifahren. Ich werde sie trotzdem erleben. Ich bin eingeladen zur Gartenparty, die am Tage ihrer Ankunft in Berlin stattfindet. Da habe ich die Nähe, die ich sonst missen würde.

Aber ein Interview mit Kate und William werden Sie nicht führen?
Ich habe es versucht. Ich habe noch keine Antwort, es kann also immer noch passieren. Nach dem Großvater und dem Vater wäre es sehr schön, wenn ich auch William interviewen könnte. Ich habe ihn schon getroffen, aber noch nie ein Interview mit ihm geführt.

Rolf Seelmann-Eggebert ... persönlich
Die Königshäuser… sind ein unerschöpfliches Thema.

Ich bin Journalist geworden, weil… ich neugierig war und viel Neues kennenlernen wollte.

Als Adelsexperte bin ich… spezialisiert auf die königlichen Häuser, nicht so sehr auf den deutschen Adel.

Mein Ruhestand ist… ein Unruhestand.

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erstellt am 15.Jul.2017 | 10:00 Uhr

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