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Berühmter Unternehmer aus Hamburg : Insolvenz: Vural Öger gibt Türkei-Reisen auf

vom
Aus der Onlineredaktion

„Ich bin ein Opfer von Erdogan und Putin“, sagt Vural Öger. Politische Krisen und preisdrückende Konkurrenz haben sein Unternehmen in die Insolvenz geführt.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2015 | 13:53 Uhr

Hamburg | Der Reiseunternehmer Vural Öger, der nach dem Verkauf von Öger Tours 2010 ein Comeback gestartet hatte, stellt den Betrieb seiner Nachfolgefirma V.Ö. Travel wegen Zahlungsunfähigkeit ein. Öger habe die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt, sagte eine Sprecherin des 2014 gegründeten Unternehmens am Mittwoch.

Einer der bekanntesten Unternehmer Hamburgs muss sich eingestehen, dass sein Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert. Zwischen Preiskampf und politischen Krisen sind neue Ideen auf dem Reisemarkt gefragt.


V.Ö. Travel ist auf Türkei-Reisen spezialisiert und hat in Hamburg 18 Mitarbeiter. „Wir mussten zuletzt jede Reise subventionieren“, sagte Öger dem „Hamburger Abendblatt“ (Mittwoch), das zuvor darüber berichtet hatte. Das Unternehmen stelle den Betrieb ein, hieß es auch im Internetauftritt. Ein Versicherer werde geleistete Zahlungen der Reisenden entsprechend den gesetzlichen Verpflichtungen erstatten.

Die Firma soll im zurückliegenden Jahr drei Millionen Euro Verlust gemacht haben, schrieb das Blatt. „Die politischen Krisen betreffen die gesamte türkische Tourismuswirtschaft. Die Zahl der Buchungen ist dramatisch eingebrochen“, zudem hätten Überangebote hätten einen Preisverfall ausgelöst, sagte Öger. Sein Geschäftsmodell habe keine Zukunft. „Der Abschuss des russischen Flugzeugs hat das Geschäft dann endgültig ruiniert. Der Konflikt zwischen Putin und Erdogan hat viele touristische Opfer verursacht: Der gesamte Tourismus im Raum Antalya leidet an den Folgen“, so Öger gegenüber dem „Hamburger Abendblatt.

Auch der erfolgreiche Vorläufer Öger Tours hatte einige Krisen durchlebt, aus denen es aber meist gestärkt hervorging. Der Golfkrieg 1991 erschütterte das Geschäft mit den Türkei-Reise ebenso wie die Verschärfung des PKK-Konfliktes 1999. 1996 war das Unternehmen in die Schlagzeilen gekommen, als bei einem Flugzeugabsturz vor der Dominikanischen Republik 189 Menschen ums Leben kamen – darunter auch Reisegäste von Öger Tours.

Zur heutigen Gruppe gehören eine Veranstaltungsagentur und Hotelkette in der Türkei sowie ein Flugveranstalter. Mit seiner Investmentgesellschaft für Start-up-Unternehmen will Öger aber offensichtlich weitermachen. 2010 hatte der Reiseveranstalter Thomas Cook von dem türkischstämmigen Geschäftsmann Öger Tours für rund 30 Millionen Euro übernommen.

Öger, der 1961 nach Deutschland kam, hatte sein Lebenswerk von 1969 an aufgebaut. Er bot zunächst Charterflüge für türkische Gastarbeiter in die Heimat an und entwickelte daraus eine ganze Unternehmensgruppe.

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