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Hamburg : Innensenator Michael Neumann denkt an Rücktritt

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Aus der Onlineredaktion

Immer wieder gab es Gerüchte, inzwischen spricht Neumann selbst von Rücktritt. Ein Grund: Das „Olympia-Nein“.

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2015 | 19:02 Uhr

Hamburg | Michael Neumann war Hamburgs „Mr. Olympia“. Kein anderer Politiker im Stadtstaat kämpfte leidenschaftlicher und überzeugender um das größte Sportspektakel der Welt. Nach dem überraschenden Scheitern der Bewerbung um Sommerspiele 2024 könnten die Tage des Innen- und Sportsenators gezählt sein – zumindest über kurz oder lang. Nicht etwa, weil Neumann grobe Fehler gemacht hätte und als Sündenbock herhalten müsste. Wenn er geht, dann eher aus einer Mischung aus Enttäuschung und Amtsmüdigkeit heraus.

Für Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) käme ein Rückzug seines Innensenators zur Unzeit. Erst im September musste Scholz in Person von Sozialsenator Detlef Scheele einen SPD-Leistungsträger aus einem Schlüsselressort ziehen lassen müssen.

Seit dem Nein-Referendum vom 29. November wabern Vermutungen durchs Rathaus, der 45-Jährige werde sein Amt in absehbarer Zeit aufgeben. Offiziell lässt der Innensenator aber jüngste Gerüchte dementieren, er wolle noch in dieser Woche seinen Hut nehmen. „Da ist nichts dran“, sagte sein persönlicher Referent Hauke Carstensen. Beobachter wollen indes nicht ausschließen, dass Neumann den Senat dennoch deutlich vor Ablauf der Legislatur 2020 verlässt.

Vermutungen über eine angebliche Amtsmüdigkeit hat es während der knapp fünfjährigen Amtszeit des rechten Sozialdemokarten immer mal wieder gegeben. Auch bei der Bildung des rot-grünen Senats im April galt als ungewiss, ob Neumann weitermacht, zumal er in seiner Zeit als SPD-Oppositionsführer nicht unbedingt als Grünen-Versteher gegolten hatte. Aber weil der DOSB Hamburg statt Berlin zur deutschen Bewerberstadt kürte, blieb der Sportfan und Berufssoldat auf dem Posten.

Allerdings hätte sich der robuste Innenpolitiker von diesem Zeitpunkt an lieber als „Olympia-Senator“ ganz auf die Bewerbung konzentriert. Doch weil der Senat mit Eintritt der Grünen in die Landesregierung ohnehin um einen Posten vergrößert wurde, scheute Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) eine weitere Aufstockung. Neumann erhielt in Person von Christoph Holstein zwar einen Olympia-Staatsrat an die Seite. Dennoch musste der Senator im vergangenen halben Jahr zeitgleich die Bewerbungskampagne und die vielen Probleme rund um den Flüchtlingsansturm schultern.

Die Absage der Bürger an Hamburger Spiele hat den mal kantigen, mal sentimentalen Politiker auch persönlich tief getroffen, das ist ihm seit dem 29. November deutlich anzumerken. Am Tag nach der Niederlage hatte er eingeräumt, über einen Rücktritt nachzudenken, zugleich aber eingeschränkt: „Es ist ja nicht über den Sportsenator abgestimmt worden.“ Aus dem Umfeld des Familienvaters heißt es schon länger, er könne sich ein Leben ohne Politik gut vorstellen. Neumann ist mit Aydan Özoguz verheiratet, Staatsministerin und Migrationsbeauftragte der Bundesregierung; die beiden haben eine gemeinsame Tochter. Nach seiner Senatorenzeit stünde dem diplomierten Politologen der Weg zurück an die Helmut-Schmidt-Universität offen, an der er vor seiner Senatorenzeit als Lehrbeauftragter tätig war.

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