Hamburg : Inklusion: Schulsenator Rabe veröffentlicht brisante Zahlen

Das schleswig-holsteinischen Inklusionskonzept ist bundesweit ein Vorbild, sagt Bildungsministerin Britta Ernst (SPD).
Das schleswig-holsteinischen Inklusionskonzept ist bundesweit ein Vorbild, sagt Bildungsministerin Britta Ernst (SPD).

Mehr Kinder als erwartet müssen in Hamburg sonderpädagogisch gefördert werden. Die Zahlen sorgen für Aufregung.

shz.de von
08. Januar 2015, 16:26 Uhr

Hamburg | In Hamburg müssten mehr Grundschüler sonderpädagogisch gefördert werden. Zu diesem Ergebnis kommt SPD-Schulsenator Rabe. Die Opposition ätzt: Jahrelang habe Ties Rabe (SPD) wissentlich Schulen, Eltern und Lehrer mit falschen Zahlen an der Nase herumgeführt.

Rund 870 Kinder brauchen in Hamburgs Grundschulen ein spezielle Förderung in den Bereichen Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung (LSE). „Es gibt weniger LSE-Kinder als behauptet und mehr als erwartet“, sagte Schulsenator Ties Rabe am Donnerstag.

Bislang wurden mehr als 1000 Kinder in Hamburger Schulen als förderbedürftig eingestuft. Davon bestätigten Experten jedoch nur knapp 870 Fälle, bei etwa 130 Kindern hielten sie die Einstufung für unangemessen, bei zehn Kindern ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Nur rund die Hälfte der betroffenen Kinder wurde schon vor der Einführung des Inklusionsunterrichts in Sonderschulen oder spezieller Betreuung gefördert. Fehldiagnosen und genauere Methoden in der Früherkennung hätten dennoch zu diesem Anstieg an förderbedürftigen Kinder geführt.

60 zusätzliche Lehrkräfte sollen vom Sommer 2015 an in der fünften und sechsten Schulstufe die Kinder fördern. „Dank dieser ergänzenden Maßnahmen können jetzt auch erstmals früher ungeförderte Kinder gefördert werden“, sagte der Senator. Die CDU erklärte den „Versuch“, die „brisanten Zahlen“ der tatsächlichen förderbedürftigen Kinder bis nach der Bürgerschaftswahl zurückzuhalten, als „gescheitert“. „Senator Rabe wäre jetzt gut beraten, die Zahlen nicht auch noch schönzureden“, sagte Karin Prien, schulpolitische Sprecherin der Union-Fraktion.

Die von der SPD verkündeten zusätzlichen Lehrerstellen würden nicht genügen. Vor der Veröffentlichung der umfangreichen Begutachtung hatte die Grünen-Bildungspolitikerin Stefanie von Berg dem Senator vorgeworfen, die Daten im Wahlkampf geheimhalten zu wollen. „Immerhin wird die Fehleinschätzung des Senators jetzt für alle deutlich“, sagte die Politikerin.

Stefanie von Berg beklagte eine Unterversorgung an Förderkräften in Grundschulen: Jahrelang sei von vier Prozent betroffener Fälle pro Jahrgang ausgegangen worden, die veröffentlichen Zahlen hätten mit 6,6 Prozent nun einen weitaus höheren Bedarf zutage gefördert. Die FDP-Fraktion forderte, das abgeschaffte Verfahren der Einzelfalldiagnose für förderbedürftige Kinder wieder einzuführen. Geschlossen trat die Opposition für eine Überarbeitung des Inklusionskonzepts ein.

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