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Letzte Station der „Juhu-Tour“ : Ina Müller und Band erobern Hamburg

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Nordische Kodderschnauze mit Herz: Die unverblümte Wahrheit über die alltäglichen Aufreger.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2017 | 13:43 Uhr

Hamburg | Niemand scheint vor ihrem derben Humor sicher: Aber wenn Ina Müller über Männer im allgemeinen und David Garrett im besonderen lästert,  ihre Geschlechtsgenossinnen und explizit Helene Fischer auf die Schippe nimmt, dann führt das, wie am Sonnabend in der ausverkauften Barclycard-Arena für befreiende Lacher, selbst wenn einige ihrer Witze knallhart unter die Gürtellinie gehen.

Die norddeutsche Kodderschnauze weiß genau, was ihre Fans lieben: Die unverblümte Wahrheit über die alltäglichen Aufreger, wie zum Beispiel fehlende Spiegel in der Umkleidekabine der Boutique, oder dünne, Kaugummi kauende Verkäuferinnen, die Frauen mit Figur „Quetsch-Wäsche“ aufdrängen, welche ohne fremde Hilfe nicht angezogen, geschweige denn ausgezogen werden kann.

Mit der Beschreibung ihres „Selbstversuchs“ erreicht sie auch den kühlsten Hamburger, aber bevor sich der von seiner Partnerin mitgeschleppte Mann von seinen Zwerchfellattacken erholt, zielt Ina genau dorthin, wo es richtig weh tut: zwischen die Beine. In Inas persönlicher Schöpfungsgeschichte gab es ursprünglich nur Mädels. Erst als ein Stückchen vom XX-Chromosom abbrach, wurde daraus ein XY und ein Junge. Das fehlende Teil geriet dann rein zufällig an die Stelle, die den Unterschied ausmache. Und für die die Pharmaindustrie so unsinnige Hilfsmittel wie die Viagra für 36 Stunden auf den Markt bringe.

Das Mienenspiel der Ulknudel spricht für sich, auch als sie mit rollenden Augen über Geburten aufklärt. Dass Frauen die Kinder bekommen, sei von der Natur gewollt: Damit sie erleben, wie sehr Männer mit Erkältungen leiden. Überhaupt seien die „Jungs“ arm dran, denn laut einem schlauen Buch gibt es sie bald nicht mehr, sagt die Entertainerin mit gespielt, wissenschaftlichen Unterton. „Daher freue ich mich, dass ihr heute hier seid“, ruft sie ihnen von der Bühne zu, auf der die quirlige Blondine hüpft, tanzt und rockt, bis ihr die Puste ausgeht.

Was folgt ist eine nicht ernst gemeinte Schimpftirade auf das „Wunderwerk Mensch“: Warum verabschieden sich nur die Zellen im Darm alle zwei Tage und nicht die Fettzellen, warum sind Falten im Gesicht, wo am Po doch soviel mehr Platz sei. „Das ist doch für'n Arsch“ kommentiert die 51-Jährige das Unvermeidliche, um dann wieder mit sensiblen Balladen über ihre Kindheit ihren schnoddrigen Charme etwas ab zu dämpfen. Mit „Dorf bleibt Dorf“ oder „Fünf Schwestern“ lässt sie ihr Publikum teilhaben an eine heile Welt, die sie, aufgewachsen mit Oma und Opa unter einem Dach, erlebt hat. Aber sie wäre nicht Ina Müller, wenn sie hier den Bogen zur Komik nicht schaffen würde: „Wenn ich mit meinem Freund zusammenziehe, gilt das dann auch als Mehrgenerationenhaus?“ fragt sie schelmisch in Anspielung auf ihren 16 Jahren jüngeren Lebensgefährten Johannes Oerding.

Nun ist sie beim Thema „Altern“ angekommen. In Songs und Sprüchen nimmt sie den Versuch die längst vergangene Frische zu erhalten - die der eigenen Person und der Ehe, ironisch aufs Korn. Und bringt am Ende ihrer fast dreistündigen Show damit noch einmal richtig Schwung in die Arena: Mit Fragen nach den üblichen Zipperlein wie Rücken, Kalkschulter oder Migräne holt sie die Zuschauer von ihren Sitzen. Bei den Potenzproblemen steht die angesprochene Zielgruppe allerdings nicht mehr. Doch übel nimmt ihr das keiner: Im Gegenteil: Mit tosendem Applaus bedanken sich die Hamburger und versprechen am 9. Dezember bei der nächsten Ina Müller Tournee, wieder dabei zu sein.

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