Immer wärmer – aber sauberer

Chefin des Bundesamtes: Monika Breuch-Moritz auf dem Balkon ihres Büros mit Blick auf die Landungsbrücken.
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Chefin des Bundesamtes: Monika Breuch-Moritz auf dem Balkon ihres Büros mit Blick auf die Landungsbrücken.

Nord- und Ostsee laut Bundesamt für Seeschifffahrt weniger belastet / Schiffe fahren meist mit umweltfreundlicherem Treibstoff

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12. Januar 2018, 22:14 Uhr

Zur Abwechslung einmal gute Nachrichten in Sachen Luftverschmutzung im Hamburger Hafen: Laut Messungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Wedel fahren Seeschiffe auf der Elbe inzwischen fast ausnahmslos mit dem vorgeschriebenen umweltfreundlicheren Treibstoff. „99 Prozent der gemessenen Schiffe halten sich an die Regeln zum Einsatz schwefelarmer Kraftstoffe“, sagte BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz gestern bei der Jahresbilanz ihrer Behörde. Sind auf hoher See bis zu 3,5 Prozent Schwefel im Treibstoff erlaubt, darf der Anteil bei der Elbpassage höchstens 0,1 Prozent betragen.

Im Kampf gegen krankmachende Luftverschmutzung kontrolliert das BSH seit 2015 mit einer eigenen Messstation in Wedel permanent die Abgasfahnen vorbeifahrender Schiffe. Laut der Behörde hat sich die Zahl der Schwefelsünder seither halbiert. Stellen die Kontrolleure erhöhte Schadstoffwerte fest, melden sie dies sofort per E-Mail der Wasserschutzpolizei. Gemessen wird auch der Ausstoß von CO2 und Stickoxiden.

Einen Widerspruch zu Messergebnissen von Umweltschützern sieht Breuch-Moritz nicht. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hatte zuletzt im Mai alarmierend hohe Partikelmengen in Schiffsabgasen ermittelt. Zu den gesundheitsgefährdenden Schadstoffen gehörten auch Schwefeloxide. „Ich weiß nicht, wie der Nabu misst, aber unsere Ergebnisse sind seriös“, unterstrich die BSH-Chefin. Die Behörde kontrolliere den Schwefelausstoß nicht nur stichprobenartig, sondern täglich. Weitere Messstationen will das BSH in Kiel und Bremerhaven in Betrieb nehmen. Das Bundesamt – in St. Pauli hoch über der Elbe gelegen – ist mit etwa 900 Mitarbeitern die zentrale maritime Behörde in Deutschland und als solche unter anderem für den Schutz von Nord- und Ostsee verantwortlich. Die Bestandsaufnahme 2017 habe für beide Meere langjährige Trends bestätigt, unter anderem eine Tendenz zur Erwärmung. So war die Nordsee im vergangenen Jahr durchschnittlich 10,8 Grad warm, der siebthöchste Wert seit 1969. In der Ostsee lag die mittlere Oberflächentemperatur bei 8,5 Grad, auch das ein Top-Ten-Wert seit 1990.

Erfreulicher fallen die Ergebnisse zur chemischen Belastung aus. Die Menge von Pflanzen- und Flammschutzmitteln in der Nordsee sei insgesamt rückläufig – jedenfalls für Stoffe, deren Einsatz gesetzlich begrenzt oder verboten sei. Nicht zum Auftrag des BSH gehört die Messung von Mikroplastik in den heimischen Meeren.

Zu den herausragenden Ereignissen des vergangenen Jahres zählte die Präsidentin die Kiellegung des Forschungsschiffes „Atair“, des weltweit ersten seegängigen Behördenschiffs. Es werde mit verflüssigtem Erdgas (LNG) angetrieben und solle 2020 in Dienst gehen.

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