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Nachwuchsregisseur aus Hamburg : Ilker Çatak bekommt für „Fidelity“ Studenten-Oscar

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Gleich drei deutsche Nachwuchsregisseure werden in diesem Jahr mit einem Studenten-Oscar geehrt. Jeder erhält im September eine Auszeichnung, aber nur einer nimmt den Oscar in Gold entgegen.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2015 | 15:10 Uhr

Los Angeles | Großer Erfolg für den deutschen Filmnachwuchs in Hollywood: Gleich drei deutsche Regisseure sind die diesjährigen Gewinner der Studenten-Oscars in der Sparte „Ausländischer Film“. Wie die Oscar-Akademie in Beverly Hills am Dienstag (Ortszeit) mitteilte, setzten sich die Filme „The Last Will“ von Dustin Loose, „Everything Will Be Okay“ von Patrick Vollrath und „Fidelity“ von Ilker Çatak gegen die internationale Konkurrenz durch.

Mit den Studenten-Oscars ehrt die Akademie seit 1972 Auslands-Regisseure und junge Talente von Filmhochschulen in den USA. Gewinner der Nachwuchspreise mischen häufig auch in den Kurzfilm-Sparten bei der großen Oscar-Verleihung mit. Der Studenten-Oscar hat sich als Sprungbrett für eine Hollywood-Karriere erwiesen. Regisseure wie John Lasseter („Toy Story“, „Findet Nemo“), Spike Lee („Malcolm X“, „Inside Man“) und Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“, „Cast Away“) zählen zu den früheren Preisträgern. 

Loose kommt von der Filmakademie Baden-Württemberg, Vollrath von der Filmakademie Wien und Çatak von der Hamburg Media School. Mit ihnen waren Filmemacher aus Belgien, Mexiko, England und Schweden nominiert. Sieben junge Regisseure hatten es zunächst in die Endrunde geschafft. Weltweit waren Beiträge von 93 Filmschulen eingereicht worden.

Die drei deutschen Gewinner können die Preise am 17. September in Los Angeles in Empfang nehmen. Erst bei der Verleihung wird sich herausstellen, wer von ihnen den Oscar in Gold, Silber oder Bronze erhält. Im vergangenen Jahr waren zwei deutsche Regisseure in der Endrunde.

Ilker Çatak (31), der in Berlin und Hamburg studierte, konnte sein Glück noch gar nicht fassen. „Das ist ein wahnsinniges Hochgefühl, zu wissen, dass der Film sein Publikum findet und die Leute universell berührt“, sagte der Filmemacher.

Die goldene Trophäe ging an den Münchner Regisseur Lennart Ruff für seinen Abschlussfilm „Nocebo“, der an der Hochschule für Fernsehen und Film in München entstanden war. Peter Baumann holte Bronze mit seinem schwarzhumorigen Kurzfilm „Border Patrol“.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gratulierte dem Nachwuchs: „Dies ist eine schöne Bestätigung der hohen Qualität und internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Filmkünstler sowie ein starkes Zeichen für die Zukunft des deutschen Films.“

In Dustin Looses Kurzfilm, der im Original „Erledigung einer Sache“ heißt und auch beim Festival in Hof lief, geht es um eine tragische Familiengeschichte. Ludwig Trepte spielt einen jungen Mann, der das erste Mal seinem totgeglaubten Vater begegnen soll. Dieser lebt aber seit mehr als 25 Jahren in der Psychiatrie, weil er seinen Bruder getötet hat. „Wir sind erstmal völlig überwältigt“, sagte Loose am Mittwoch, nachdem er von dem Preis erfahren hatte.
Der Film von Çatak spielt 2014 in Istanbul, als dort auf den Straßen demonstriert wird. Eine Ärztin nimmt einen Polit-Aktivisten auf, was sie und ihre Familie ins Visier der Polizei bringt. „Fidelity“ gewann beim Max-Ophüls-Festival den Kurzfilmpreis.
Vollrath erzählt in „Alles wird gut“ die Geschichte eines geschiedenen Vaters, der seine Tochter für ein gemeinsames Wochenende abholt. Diese merkt aber, dass etwas nicht stimmt. „Ein berührender Film“, urteilte Michael Haneke. Beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken wurde die Produktion als bester mittellanger Film geehrt.
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