Bus und Bahn in Hamburg : HVV hat im vergangenen Jahr 141.000 Schwarzfahrer erwischt

Insgesamt, das belegen Zahlen des Senats, ist Schwarzfahren in Hamburg eher rückläufig. Dennoch kontrolliert der HVV wieder großflächig.
In mehr als 60.000 Fällen kommen die Fahr- und Bußgeldverweigerer ungeschoren davon.

Dem Hamburger Verkehrsverbund gehen etwa 20 Millionen Euro im Jahr verloren. In der Politik wird das Thema diskutiert.

shz.de von
13. März 2018, 15:23 Uhr

Hamburg | Er hat in Hamburg Konjunktur, schien aber auch für einen kurzen Moment auszusterben: der Schwarzfahrer. 2017 wurden 141.000 Fahrgäste des Hamburger Verkehrsverbunds ohne gültiges Ticket erwischt, über vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Aktuell gehen dem HVV durch das verweigerte Beförderungsentgelt jährlich rund 20 Millionen Euro verloren. „Wir haben in Hamburg ein Problem mit Schwarzfahren“, sagt Dennis Thering, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion: „Auch weil das falsche politische Signal gegeben wird, dies als Kavaliersdelikt zu sehen.“

Thering bezieht sich auf den Umstand, dass die Strafgebühr von 60 Euro nur bei 56 Prozent der Schwarzfahrer tatsächlich eingetrieben wird. In mehr als 60.000 Fällen kommen die Fahr- und Bußgeldverweigerer also ungeschoren davon. „In anderen Großstädten sind Zugangssperren gang und gäbe“, regt Thering an, der als regelmäßiger Bahnfahrer in den letzten fünf Jahren nie kontrolliert worden sei: „In den Bussen ist die Zahl der Schwarzfahrer deutlich rückläufig, seitdem man die Karte beim Fahrer vorzeigen muss.“

In diesem Punkt ist sich der CDU-Abgeordnete einig mit dem Deutschen Richterbund, der von den Verkehrsunternehmen bessere Zugangskontrollen fordert – allerdings um die Gerichte zu entlasten und dem Steuerzahler die hohen Haftkosten zu ersparen, wenn notorische Schwarzfahrer tatsächlich zu Gefängnisstrafen verurteilt werden. Für den HVV sind Drehkreuze vor den Bahnsteigen wegen der erheblichen Umbaukosten derzeit keine Option.

„Die wenigsten Schwarzfahrer fahren wegen des Nervenkitzels ohne Ticket, sondern aus Geldmangel“, sagt die Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Heike Sudmann. Über die soziale Lage der nicht zur Kasse gebetenen Schwarzfahrer liegen allerdings keine verlässlichen Daten vor.

Seit Jahren werben Aktivisten in Hamburg für einen Gratis- oder Günstig-HVV, hier eine Aktion aus dem Jahr 2014.
HVV Umsonst

Seit Jahren werben Aktivisten in Hamburg für einen Gratis- oder Günstig-HVV, hier eine Aktion aus dem Jahr 2014.

 

Die 2010 gegründete Initiative „HVV umsonst“ sammelt derzeit Unterschriften für einen kostenlosen Nahverkehr in Hamburg, der Stadt, die voraussichtlich bald die bundesweit ersten Dieselfahrverbote verhängen wird. Dass der künftige Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) der Initiative folgen wird, ist jedoch nicht zu erwarten. „Worauf wollen wir verzichten, um das zu finanzieren?“, fragte der zuständige Wirtschaftssenator Frank Horch. Derzeit nimmt der HVV allen Schwarzfahrern zum Trotz im Jahr rund 825 Millionen Euro durch Fahrkartenverkauf ein.

Für den CDU-Verkehrsexperten Thering ist das Problem auch gar nicht zuerst ein finanzielles: „Bus und Bahn sind bereits deutlich günstiger als das Auto. Wer nur aufs Geld guckt, fährt jetzt schon mit der Bahn.“ Der Nahverkehr müsse allerdings „attraktiver, komfortabler und flexibler“ gestaltet werden: „Mit überfüllten Bussen und S-Bahnen, die ausfallen, gelingt der Umstieg nicht.“

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