Auslaufflächen werden knapp : Hundestadt Hamburg: Zahl der Vierbeiner auf Rekordhoch

Hunde in der Großstadt: Passt das zusammen?

Hunde in der Großstadt: Passt das zusammen?

Fast 80.000 Hunde auf 49.312 Halter: In der Hansestadt leben die meisten von ihnen im Bezirk Wandsbek.

shz.de von
13. März 2018, 17:03 Uhr

Hamburg | Fünf-Zimmer in einem Gründerzeit-Altbau, erster Stock und ein riesiger Balkon im Hinterhof – Drako hat etwas, wovon viele Menschen in Hamburg nur träumen. Allerdings ist Drako kein Mensch, sondern ein Hund – und er muss sich die 120 Quadratmeter mit Frauchen und Herrchen teilen.

Der Mischlingsrüde ist einer von offiziell fast 80.000 Vierbeinern, die 2017 in Hamburg gemeldet waren. 3000 mehr als noch 2016. Hamburg ist, auch was die Zahl seiner Hunde und Hündinnen anbelangt, eine wachsende Stadt. Auch die Zahl der Halter ist auf den Höchststand von 49.312 gestiegen, wie aus einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Thering hervorgeht.

Kann das Hundeleben in einer mehr oder weniger urbanen Umgebung noch lebenswert sein?

Fläche gehört neben sauberer Luft zu den knappsten Ressourcen. Massiver Wohnungsbau, steigender Verkehr und ständige Nachverdichtung beanspruchen diese Ressourcen immens.

„Es ist schön, dass sich viele Menschen einen neuen Hund zulegen“, sagt Sven Fraaß, der Pressesprecher des Hamburger Tierschutzvereins, und sieht keinen Widerspruch. Selbst vor dem Hintergrund, „dass Hamburg keine hundefreundliche Stadt ist“. Letztlich komme es auf die Hunderasse und das Lebewesen am anderen Ende der Leine an.

Soll heißen: Für einen Husky beispielsweise ist städtische Umgebung nicht der richtige Ort, „weil er viel rennen will. Negativ ist allerdings, dass es immer leichter wird, sich beispielsweise im Internet Hunde zu kaufen.“

Forderung nach mehr Auslaufflächen

Hundehalter Dennis Thering fordert „deutlich mehr Hundeauslaufflächen“, zumal es in Duvenstedt, Eidelstedt und Wohldorf-Ohlstedt gar keine gebe. Er sieht die Stadt auch vor dem Hintergrund in der Pflicht, dass die städtischen Einnahmen aus der Hundesteuer im vergangenen Jahr von 3,6 Millionen auf vier Millionen Euro gestiegen seien.

In einer Umfrage des Internetportals betreut.de ist Hamburg unter 25 Großstädten im Mittelfeld auf Rang 12 der hundefreundlichsten gelandet. Pluspunkte sammelte Hamburg mit der niedrigen Hundesteuer und der tierärztlichen Versorgung, Minuspunkte mit den Auslaufmöglichkeiten und dem Betreuungsangebot.

Dieses organisiert sich zwischen Alster, Bille und Elbe auf speziellen Internetseiten wie Leinentausch oder Köterkita oder auf dem ebay-Kleinanzeigenmarkt. Für einen durchschnittlichen Stundenlohn von neun Euro. Auf dem Portal hundewiese-hamburg.de können Hundehalter sich auf einer interaktiven Karte einen Überblick über insgesamt 186 Hundewiesen verschaffen, die dort vorgestellt und anhand unterschiedlicher Kriterien wie Größe, Boden oder Beleuchtung aus „Hundesicht“ beurteilt werden.

Im Betreuungsangebot für Drako ist Dienstag der wöchentliche Höhepunkt in seinem Hundeleben. Frauchen und Herrchen, beide berufstätig und tagsüber nicht zuhause, haben eine Hundesitterin engagiert. Die befreit ihn nicht nur täglich stundenweise aus der Wohnung. Dienstags wird Drako in einen Kleintransporter verfrachtet und gemeinsam mit anderen Hunden geht es auf eine der 125 ausgewiesenen „Hundeauslaufzonen“ ohne allgemeine Anleinpflicht. Dann ist ausgelassenes Herumtollen angesagt.

Auf seiner angestammten Wiese, auf der es für „gehorsamsgeprüfte Hunde“ Freiflächen gibt, also eingeschränktes Herumtollen möglich ist, gehört ein wesentlich kleinerer Mops zu Drakos bevorzugten Tobefreunden. Dessen Frauchen hat ihn sich vor vier Jahren angeschafft. „Es ist schön, dass er da ist, aber noch einmal würde ich mir keinen Hund anschaffen“, sagt sie.

In Wandsbek leben die meisten Hunde

Obwohl er zu den „Modehunden“ zählt, gehört der Husky in Hamburg nicht zu den beliebtesten Hunderassen. Die sind nach wie vor Mischlinge, Labrador Retriever, Jack Russel Terrier und Dackel. Sie verteilen sich in allen Hamburger Bezirken in steigender Zahl:

  • Wandsbek: 21.621
  • Nord: 11.742
  • Altona: 11.491
  • Eimsbüttel: 9977
  • Mitte: 9871
  • Harburg: 6113
  • Bergedorf: 5872
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