Rätsel um Calhanoglu : HSV-Investor Kühne fordert Slomka-Entlassung

Die Querelen bei HSV reißen nicht ab: Kurz vorm ersten Training der neuen Saison treibt Geldgeber Kühne erneut einen Keil in die neu gewonnene Harmonie. Und Calhanoglu meldet sich krank.

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18. Juni 2014, 14:37 Uhr

Hamburg | Investor Klaus-Michael Kühne hat sich mit einem Rundumschlag gegen die alte Führung und Trainer Mirco Slomka zum Trainingsauftakt des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV zu Wort gemeldet. „Als Privatmann und HSV-Fan kann ich nur sagen, dass ich an diesen Trainer nicht glaube. Er hat in der Endphase der Saison keine Punkte geholt, er hat wahnsinniges Glück gehabt, dass der Abstieg verhindert wurde. Es war eine solche Zitterpartie, die möchte ich nicht noch einmal erleben“, sagte Kühne in einem Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ (Mittwoch). Auch der von ihm finanzierte Kapitän Rafael van der Vaart solle sich einen neuen Verein suchen.

Der designierte Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer müsse entscheiden, ob Slomka nur eine Übergangslösung sei. Ganz kritisch sieht der Milliardär den Verbleib des alten Vorstands und Aufsichtsrats bis zum 1. Juli. „Leider sind nach der Mitgliederversammlung viele Dinge völlig aus dem Ruder gelaufen“, meinte Kühne und nannte das „Brunnenvergiftung“. Wenn nicht endlich die Reformer zum Zuge kämen, „muss ich mir ernsthaft überlegen, ob ich es nicht leid bin. Dies würde sicherlich eintreten, wenn jetzt plötzlich Hakan Calhanoglu wider besseren Wissens gegen unseren Willen verkauft wird.“ 

Calhanoglu erscheint nicht zum Training. „Wir haben eine Krankmeldung bekommen. Wir bemühen uns, dass er schnell wieder einsatzfähig ist“, sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow. Der Verein habe Calhanoglu schon kontaktiert, benötigt laut Jarchow aber „weitere Informationen“. Laut dem Nachrichtenportal mopo.de wurde der abtrünnige Jungstar von einer Psychologin für vier Wochen krankgeschrieben. Jarchow kündigte an, dass der Club seinen Spieler untersuchen lassen werde. „Eine zweite Meinung von einem Arzt einzuholen, ist arbeitsrechtlich durchaus üblich“, erwähnte Jarchow. Einen möglichen Wechsel Calhanoglus schloss Jarchow strikt aus: „Wir werden ihn nicht verkaufen. Er hat einen gültigen Vertrag bis 2018.“ 

Jarchow, der noch bis zur Amtsübernahme seines Nachfolgers Dietmar Beiersdorfer die HSV-Geschäfte leitet, hofft außerdem, den vom Ligakonkurrenten Hertha BSC ausgeliehenen Stürmer Pierre-Michel Lasogga kaufen zu können. „Wir gehen davon aus, dass er zum HSV möchte“, argumentierte Jarchow und wies darauf hin, dass Trainer Mirko Slomka „gar nicht zur Disposition stand“. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, Slomka könne möglicherweise durch Thomas Tuchel abgelöst werden. Tuchels Vertrag mit Mainz 05 ruht.

„Je näher der Trainingsstart rückt, desto mehr mache ich mir Gedanken, wie es in Hamburg laufen wird. Es wird schwierig für mich, wenn ich sehe, wie viel Wut und Hass da ist“, hatte Calhanoglu der „Sport Bild“ gesagt. Der Angreifer war zuletzt nach seinem Wechselwunsch zu Bayer Leverkusen in sozialen Netzwerken massiv attackiert worden. 

Calhanoglu ist enttäuscht über Sportdirektor Oliver Kreuzer: „Er hat mich in diese Situation gebracht, in der ich gerade bin. In einem Vieraugengespräch hatte er mir zugesichert, dass wir eine Lösung finden. Das war vor den Relegationsspielen gegen Fürth. Am Montag nach dem Rückspiel in Fürth hat er euch Journalisten dann gesagt, dass ich definitiv bleiben werde. Das fand ich mies. Ich habe kein Vertrauen mehr zu Herrn Kreuzer.“  Leverkusen soll dem HSV 12,5 Millionen Euro Ablöse geboten haben und sich mit dem Spieler einig sein. Die Hamburger lehnten das Gebot ab.

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